Übach-Palenberg - Schule und Geld: Von „Schrottbuden“ und Musterschulen

Schule und Geld: Von „Schrottbuden“ und Musterschulen

Von: Jan Mönch
Letzte Aktualisierung:
Feuertreppe
Die Feuertreppen vor dem Carolus-Magnus-Gymnasium ist mittlerweile montiert. Weitere Maßnahmen an der Schule sind dringend nötig. Die Zusammenarbeit mit privaten Unternehmen könnte ein vielversprechender Ansatz sein. Foto: Jan Mönch
schulgrafik

Übach-Palenberg. Die Fassade leuchtet in den schönsten Farben, und im Inneren wird es sogar noch besser: Die Ausstattung des Aggertal-Gymnasiums in Engelskirchen ist vom Feinsten. Es sind Zustände, von denen man an vielen anderen Schulen in vielen anderen Städten nur träumen kann. Zum Beispiel in Übach-Palenberg. Und so kam es, dass es in der Übach-Palenberger Politik plötzlich um eine Engelsberger Schule ging.

Gute zwei Wochen ist es her, dass die Schulleiter aus Übach-Palenberg im Schulausschuss Alarm geschlagen haben. Geschlossen präsentierten sie der Kommunalpolitik den aus ihrer Sicht mangelhaften Zustand der Schulen in Wort und Bild. Ihre Warnung: „Bringen Sie endlich alle Schulen in Ordnung, sonst werden Sie sie schließen müssen.“

Der Vorgang war außergewöhnlich, denn Schulleiter neigen eigentlich nicht dazu, ihre eigene Schule öffentlich in einem schlechten Licht darzustellen. Es ging zwar ausschließlich um den Zustand der Gebäude und nicht um die Qualität des Unterrichts. Dennoch betrachten die Schulleiter die Mängel als so gravierend, dass sie fürchten, dass Schüler und Eltern sich in Richtung Alsdorf, Baesweiler, Geilenkirchen oder Herzogenrath orientieren könnten. Dabei sind die im Haushalt bereitgestellten Summen in den vergangenen Jahren bereits deutlich erhöht worden, wie Bürgermeister Wolfgang Jungnitsch (CDU) in der Sitzung betonte (siehe Grafik oben). Reicht aber nicht, sagten die Schulleiter.

Wohlwissend, dass Geld weiterhin nicht vom Himmel fallen wird und dass alle noch so pointiert vorgetragene Kritik ohne konkrete Verbesserungsvorschläge nur die Hälfte wert ist, kamen die Schulleiter in ihrem Vortrag also auch auf Engelskirchen und das dortige Gymnasium zu sprechen. Die Gemeinde liegt östlich von Köln und ist mit knapp 20.000 Einwohnern ein gutes Stück kleiner als Übach-Palenberg. Mit Übach-Palenberg gemeinsam hat sie, dass sie ebenfalls dem Regierungsbezirk Köln angehört und Stärkungspaktkommune ist. Das Geld sitzt also nicht gerade locker, und bis vor wenigen Jahren sah man das auch dem Gymnasium noch sehr deutlich an. „Es war eine Schrottbude“, formuliert es der Engelskirchener Fachleiter für Planung und Hochbau, Michael Advena, recht unverblümt.

Investitionssumme: 30 Millionen

Kurz vor Weihnachten 2013 dann ging die Gemeinde einen Vertrag mit dem Unternehmen Goldbeck ein. Es handelte sich um eine sogenannte Private Public Partnership, was übersetzt so viel wie öffentlich-private Partnerschaft (kurz ÖPP) bedeutet. Die damals vereinbarten Summen, die die Bielefelder GmbH investieren würde, waren beträchtlich: Für 15,2 Millionen Euro sollte das Gymnasium laut einem Bericht der Kölnischen Rundschau saniert und teils neu gebaut werden, bis zum Ende des über 30 Jahre laufenden Vertrags würden insgesamt sogar 30 Millionen Euro investiert werden. Zur Einordnung: Das ist sechsmal so viel, wie der Übach-Palenberger Haushalt 2016 für die Sanierung und Unterhaltung sämtlicher Schulen vorsah.

Im Gespräch mit unserer Zeitung beschreibt Amtsleiter Advena die Zusammenarbeit mit der Firma als durchweg positiv. „Alle Arbeiten wurden pünktlich und ordentlich erledigt“, sagt er. Nun müsse sich zeigen, ob das Gymnasium im Laufe der Zeit genau so ordentlich instand gehalten wird. Im Vertragswerk ist genau festgehalten, in welchem Rhythmus beispielsweise die Wände gestrichen oder der Fußboden erneuert werden muss. Der Gemeinde wird damit auch ein gewaltiger Berg Arbeit erspart.

Die Firma verfolgt dabei naturgemäß wirtschaftliche Interessen und kassiert Jahr für Jahr einen bestimmten Betrag von der Gemeinde. Advena nennt diesen nicht, doch natürlich muss es genug sein, damit das Unternehmen davon ausgehen kann, Gewinn zu machen. Der Gegenwert, ein Gymasium in hervorragendem Zustand, lässt sich allein in Geld nicht bemessen. Die Kölner Bezirksregierung jedenfalls war einverstanden: „Aufgrund des nachgewiesenen Wirtschaftlichkeitsvorteils hat der Landrat dem kreditähnlichen Rechtsgeschäft nach Abstimmung mit der Bezirksregierung zugestimmt“, sagt Sprecher Dirk Schneemann.

Trotz der bislang positiven Erfahrungen bezeichnet Amtsleiter Advena die damalige Entscheidung der Gemeinde als „mutig“. Schließlich sind 30 Jahre eine lange Zeit. Und wer kann schon zuverlässig sagen, welche Schule man für solch eine lange Zeit brauchen wird? Im Falle von Engelskirchen spricht laut Advena dafür, dass kein anderes Gymnasium in der Nähe sei. In Übach-Palenberg sieht das bekanntlich ganz anders aus, was ja eben der Grund für den Vorstoß der Schulleiter ist.

Die Übach-Palenberger Stadtverwaltung prüft zurzeit, ob eine Partnerschaft wie in Engelskirchen sinnvoll sein könnte und wird über das Ergebnis demnächst die Politik informieren.

Leserkommentare

Leserkommentare (1)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert