Geilenkirchen - Schüsse in Übach: Das Motiv gibt Rätsel auf

Schüsse in Übach: Das Motiv gibt Rätsel auf

Von: Georg Schmitz
Letzte Aktualisierung:
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Der 29-jährige Hauptangeklagte sitzt derzeit in Untersuchungshaft und wurde zum Prozess in Handschellen vorgeführt. Ihm wird gefährliche Körperverletzung vorgeworfen. Er soll einen 40-jährigen Mann auf offener Straße niedergeschossen haben. Foto: Georg Schmitz

Geilenkirchen. Die Tat im wesentlichen zugegeben haben bei Prozessbeginn am Dienstag drei Angeklagte aus Geilenkirchen und Übach-Palenberg. Unter starker Polizeipräsenz verhandelt das Schöffengericht beim Amtsgericht Geilenkirchen eine Schießerei, die sich am 3. Mai 2014 auf der Jülicher Straße in Übach-Palenberg zugetragen hat.

Dem 29-jährigen Hauptangeklagten wird gefährliche Körperverletzung vorgeworfen, den beiden anderen Angeklagten Beihilfe zur gefährlichen Körperverletzung.

Der spektakuläre Fall hatte im vergangenen Jahr für viel Aufsehen in der Öffentlichkeit gesorgt. Laut Anklage soll es sich folgendermaßen zugetragen haben: Es war kurz nach 20 Uhr an jenem Samstagabend, als drei Personen auf der Jülicher Straße aus einem Auto steigen und auf ein hinter ihnen stehendes Fahrzeug zugehen.

Aus diesem steigt ein 40-jähriger Mann türkischer Abstammung aus, auf den das Trio zugeht. Auf offener Straße zieht der 29-jährige Haupttäter eine Pistole und schießt mehrmals auf den 40-Jährigen. Zwei Schüsse treffen ihn, aber er flüchtet noch über 50 Meter, bevor er nicht mehr weiter kann.

Mit einem Durchschuss des Oberschenkels und einem Steckschuss im Hüftbereich wird der Schwerverletzte in das medizinische Zentrum Würselen gebracht. Die drei Angeklagten waren direkt nach der Tat zum Flughafen Düsseldorf gefahren und hatten sich von dort in die Türkei abgesetzt. Hier verbrachten sie einige Monate bei Familienangehörigen und stellten sich im November freiwillig den deutschen Behörden.

Die beiden 24- und 26-jährigen, ebenfalls türkischstämmigen Angeklagten wurden zwei Wochen später auf freien Fuß gesetzt, der 29-jährige Hauptangeklagte sitzt in Untersuchungshaft und wurde zum Prozess in Handschellen vorgeführt.

Die Staatsanwaltschaft Aachen hatte zunächst Anklage wegen versuchten Totschlags und Beihilfe zum versuchten Totschlag erhoben. Das Landgericht Aachen sah aber keinen Tötungsvorsatz und verwies die Verhandlung an das Amtsgericht Geilenkirchen. Unter dem Vorsitz der Direktorin des Amtsgerichtes, Corinna Waßmuth, hat das Gericht nun über ein Strafmaß von bis zu vier Jahren für den Hauptangeklagten zu befinden.

Nach der Verlesung der Anklageschrift durch Staatsanwältin Stefanie Herweg versuchte die Richterin die Angeklagten zu einem Geständnis zu bewegen, um sich weitere Vernehmungen von Zeugen zu ersparen und den Prozess damit abzukürzen.

Nach einem Rechtsgespräch mit den Rechtsbeiständen der beteiligten Parteien, Hülya Karaman aus Düsseldorf, Dr. Philipp Thiée und Ingo Thiée aus Frankfurt und Rüdiger Henning, schlug Corinna Waßmuth ein Strafmaß von drei Jahren und drei Monaten bis zu drei Jahren und sechs Monaten für den Hauptangeklagten vor. Für die der Beihilfe angeklagten 24- und 26-jährigen Männer käme eine Strafe von einem Jahr und zwei Monaten bis zu zwei Jahren in Frage, die zur Bewährung ausgesetzt werden könnten.

Die Angeklagten legten daraufhin ein Geständnis ab und schilderten den Vorgang, wobei das Motiv aber Rätsel aufgibt. Demnach hätten Personen im Auftrag des späteren Opfers von dem Hauptangeklagten 29-Jährigen Geld gefordert. Der Hauptangeklagte war Inhaber eines Geschäftes für Aufbaupräparate und Nahrungsmittel für den Sportbereich in Palenberg. Er sei aber nicht auf die Schutzgeldforderungen eingegangen.

Am 29. April 2014 sei dann auf sein Geschäft geschossen worden, und diesen Umstand brachte der Geschäftsinhaber mit dem 40-Jährigen in Verbindung. Angst habe er nun gehabt und später den vermeintlichen Kopf der Gruppe zur Rede stellen wollen. In der Jülicher Straße habe er vor dem Auto seines Kontrahenten gehalten und sei ausgestiegen, um diesen zur Rede zu stellen. Weil er eine verdächtige Bewegung des 40-Jährigen erkannt haben will, habe er dann seine Pistole gezogen und geschossen.

Sein 40-jähriges Opfer sah die Angelegenheit ganz anders und wollte auch nichts mit Schutzgelderpressung zu tun haben. Vielmehr habe er seinen 20-jährigen Sohn aus den Fängen einer Gruppierung namens „No Name Türky“ befreien wollen, der auch die drei Angeklagten angehörten. Diese Gruppe sei eine Untergruppe der Hells Angels und nicht gut für seinen Sohn.

„Bevor ihr meinen Sohn wegnehmt, müsst ihr mir die Kehle durchschneiden“, machte der 40-Jährige mit Blick auf die drei Angeklagten klar. Die Angeklagten hätten ihn am 3. Mai verfolgt, vor ihm angehalten, seien ausstiegen und auf ihn zugekommen. „Ich habe erwartet, dass wir das wie Männer regeln“, so der 40-Jährige. Aber dann habe der 29-Jährige mehrfach geschossen. „Wäre ich nicht weggelaufen, hätten mich noch mehr Schüsse getroffen.“

Der Vertreter der Nebenklage wollte trotz Rechtsgespräch und Strafmaßvorschlag von den Zeugenvernehmungen nicht abgehen, so dass der Prozess mit diesen am 19. Februar fortgesetzt wird.

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