Schüler sind sich einig: Freundschaft hilft

Von: Renate Kolodzey
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Die Klasse 10c lauscht dem Vortrag von Professor Heinz Lynen von Berg über Rechtsextremismus. Foto: Renate Kolodzey

Gangelt. „Wehret den Anfängen“ könnte man denken, wenn man gewisse politische Strömungen in Deutschland und anderswo beobachtet. In die Schulen zu gehen, und frühzeitig aufzuklären, ist möglicherweise ein Weg, Schlimmeres zu verhindern.

Die Realschule Gangelt konnte kürzlich einen Experten auf dem Gebiet des Rechtsextremismus begrüßen: Professor Heinz Lynen von Berg, der unter anderem am Institut für Konflikt- und Gewaltforschung der Universität Bielefeld und in der Prävention und wissenschaftlichen Begleitforschung von Projekten bezüglich Rechtsextremismus tätig war. 2013 an die gesellschaftswissenschaftliche Fakultät der Hochschule Bremen als Professor berufen, vertritt er dort das Lehrgebiet „Sozialwissenschaften in der Sozialen Arbeit“. Ursprünglich studierte er Politologie an der Freien Universität Berlin und promovierte dort zum Dr. phil.

Selbst Schüler der Realschule

Die Realschule Gangelt kennt der 56-Jährige gut – war er doch vor 39 Jahren selbst hier Schüler. Schulleiter Thomas Hoppe-Leifgen begrüßte ihn und die 27 Schüler der Klasse 10c samt Klassenlehrer Josef Welfens und betonte, dass der gleiche Vortrag im Anschluss auch in der Klasse 10a bei Klassenlehrer Siegfried Funken-Stevens gehalten werde.

Zu Beginn erkundigte sich Lynen von Berg, ob jemand bereits Erfahrungen mit Rechtsextremismus gemacht habe und was die Einzelnen darunter verstehen. „Ku-Klux-Klan, NPD, Skinheads, radikale Fußballfans“, schallte es durcheinander. Mit Hilfe von an die Wand projizierten Leitgedanken erklärte er nun, dass der Begriff Rechtsextremismus aus dem Nationalsozialismus komme und legte dar, dass das Grundgesetz Vorkehrungen getroffen habe, um dergleichen zu verhindern. Dies äußere sich im Konzept der sogenannten streitbaren Demokratie – „Keine Freiheit für Feinde der Freiheit“ – und in Grundrechten wie Meinungs- und Versammlungsfreiheit.

Diese Grundrechte könnten eingeschränkt werden, fuhr er fort, zum Beispiel durch Parteienverbot, jedoch nur durch das Bundesverfassungsgericht. Die Schüler erwähnten einige verbotene Parteien, beispielsweise NSDAP, SRD und KPD.

Anhand einer Grafik erläuterte der Politikwissenschaftler das „Extremismusmodell“, bei dem es die sogenannte demokratische Mitte gibt. Außerhalb des definitiv verfassungskonformen Bereichs gäbe es Randphänomene wie Links- und Rechtsextremismus, unter anderem die NPD. Diese Partei sei vom Bundesverfassungsschutz dahingehend unter Beobachtung, ob sie die Demokratie abschaffen möchte.

Ein Schüler warf ein, dass man im Alltag auch ohne Parteien auf rechtes Gedankengut stoße, so bei radikalen Fußballfans, Skinheads oder am Stammtisch. „Es gibt Leute, die zwar eine rechte Einstellung haben, aber die Demokratie behalten möchten“, so der Professor, „‚denken‘ und ‚tun‘ ist ein Unterschied!“ Er beschrieb Begriffe wie Ethnozismus („Die Gruppe, aus der ich komme, ist die beste“), Sozialdarwinismus („Der Stärkere siegt“), Pro-Nazismus („Hitler war gut“) und andere.

Nach den Ursachen für Rechtsextremismus befragt, antworteten die Schüler: „Unwissenheit, eigenes Versagen kompensieren und andere dafür verantwortlich machen, keine Fremden im eigenen Land haben wollen.“ Besonders anfällig, meinten sie, seien Jugendliche, wenn sie keine Freunde haben und sich nicht verstanden fühlen.

Gemeinsam suchten Dozent und Schüler nach Lösungen und sahen die Integration in Vereinen und sozialen Netzwerken, das Erlernen eines Berufes und den Zusammenhalt im Familien- und Freundeskreis als wichtig an. Anerkennung zu finden sei essenziell, sonst würde Geborgenheit in rechten Gruppierungen gesucht. Institutionen und Vereine sollten Jugendlichen mehr Angebote machen, Jugendheime nicht schließen, sondern neue öffnen und in Projekten Jugendliche aktiv mit dem Rechtsextremismus konfrontieren.

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