Schüler bekommen Einblicke in die Basispolitik

Von: jpm
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Geilenkirchen. In der Übach-Palenberger Ratspolitik wird oft und herzhaft gestritten, manchmal wird es sogar recht heftig. Man mag das als natürlichen Teil demokratischer Streitkultur betrachten. Trotzdem ist es nicht selbstverständlich, wenn alle Ratsfraktionen etwas gemeinsam angehen. „Kids“ ist so ein Thema: Jugendliche der verschiedenen Schulformen werden Ratsleuten bei ihrer Arbeit über die Schulter gucken.

Den Antrag hatte die SPD im Juni gestellt, die übrigen Fraktionen stimmten zu. Nur die Stadtverwaltung wollte sich nicht beteiligen: Die Personalknappheit lasse es nicht zu, sich an derlei Dingen zu beteiligen, hieß es. Macht nichts, die Vorbereitungen laufen jetzt: Bis Ende August müssen die Fraktionen ihre jeweiligen Paten benennen, anschließend wird bis Ende September in den Schulen für das Projekt geworben und die teilnehmenden Schüler bestimmt. Vor allem Schüler im Alter von 15 bis 17 Jahren sind gefragt. „Es ist ein kleines, aber feines Projekt“, sagt Dr. Sascha Derichs (SPD), Vorsitzender des Schulausschusses.

Diese Erfahrungen hätten auch andere Kommunen schon gemacht, in Eschweiler sei „Kids“ schon dreimal erfolgreich gelaufen, auch der Aachener Städteregionstag nahm bereits teil.

Einführungsveranstaltung

In Übach-Palenberg soll Anfang Oktober eine Einführungsveranstaltung stattfinden, konkret wird es dann am 16. Oktober: Zunächst bis zum 10. November werden die Schüler in einer ersten Phase ihre Mentoren bei allem, was die Ratsarbeit betrifft, begleiten. Dazu zählen nicht nur die Sitzungen von Rat und Ausschüssen (die ja ohnehin öffentlich sind), sondern auch die Teilnahme an Fraktionssitzungen, Besuche bei Vereinen oder Treffen des Vereinsvorstands.

Am 13. November wird getauscht, die Phase zwei beginnt: Wer einen Politiker aus den Mehrheitsfraktionen von CDU und FDP-USPD begleitet hat, wechselt dann zu einem Mentor aus der Opposition, also von SPD, Grünen oder UWG, und umgekehrt. Damit das funktioniert, ist es wichtig, dass Mehrheits- und Oppositionsfraktionen die gleiche Anzahl Mentoren stellen.

Bei der Abschlussveranstaltung am 5. Dezember schließlich haben die Schüler dann jede Menge über die Politik an der Basis gelernt – das jedenfalls hofft Derichs. Denn: „Die Arbeit ist spannend, die Arbeit ist interessant, und auch in der Opposition bewirkt man etwas.“

Hoher Altersdurchschnitt

Er sieht das Programm auch vor dem Hintergrund aktueller gesellschaftlicher Entwicklungen. Zum einen ist da der hohe Altersdurchschnitt der Parteimitglieder. Laut dem Statistik-Portal Statista sind die Mitglieder von CDU und SPD mit durchschnittlich 60 Jahren am ältesten, die der Grünen mit 50 Jahren, nun ja, am wenigsten alt. Nun macht Derichs sich keine Illusionen darüber, dass Übach-Palenbergs Schüler im Dezember die regionalen Parteibüros einrennen. Aber doch sei es „ein kleiner Baustein, um Kommunalpolitik attraktiv zu machen“.

Zum anderen ist da das Erstarken des Populismus und die sogenannte Demokratieverdrossenheit. „Die Jugendlichen erleben, wie es zu Entscheidungen kommt“, sagt Derichs. „Dazu trägt die Auseinandersetzung mit den verschiedenen Positionen, mit Argument und Gegenargument, bei und wie diese nach einer Entscheidung medial verarbeitet werden.“

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