„Schooljam“: Ist „Hero“ der Start einer Musikkarriere?

Von: Udo Stüßer
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Sieben Musiker der Oberstufenband „Away from reality“ mit ihrem Lehrer Guido Beisner. Auf dem Bild fehlt Benjamin Jansen (Drums), der derzeit ein Praktikum absolviert. Foto: Georg Schmitz

Geilenkirchen. Die Schülerband der Geilenkirchener Anita-Lichtenstein-Gesamtschule befindet sich auf Erfolgskurs: Tausende Schülerbands aus dem gesamten Bundesgebiet haben sich mit einem Lied bei dem vom Bundesfamilienministerium geförderten Schooljam beworben.

Die Geilenkirchener Gruppe „Away from reality“ ist mit ihrem Song „Hero“ jetzt unter den besten 120 Bands in Deutschland gelandet. Und der Wettbewerb geht weiter: Bei insgesamt zwölf Regio-Finals stellen sich nun jeweils zehn Bands einer Jury. An jedem dieser Abende wählt die Jury zwei Bands aus, die dann in die Runde der 24 besten Bands kommen. Bei einem Online-voting haben dann die Fans das Wort: Sie ermitteln ihre vier Lieblingsbands, während weitere vier Gruppen von einer Fachjury nominiert werden. Diese acht Bands treten dann am 15. März auf der Musikmesse in Frankfurt beim Finale des größten Nachwuchswettbewerbs an. Doch so weit denkt Guido Beisner, Musiklehrer an der Geilenkirchener Gesamtschule, noch nicht. Er freut sich mit seinen Schülern erst einmal auf das Regio-Finale am Donnerstag, 16. Januar, im Kölner „Underground“. „Es ist schon ein Erfolg, an einer so renommierten Adresse auftreten zu dürfen“, sagt Guido Beisner. Mit einem Bus und etlichen Autos wird eine große Fangemeinde der Oberstufe die Schülerband begleiten.

Seit Jahren nehmen Schülerbands der Gesamtschule an diesem Nachwuchswettbewerb teil. Doch bislang wurden nur gecoverte Stücke eingereicht. Die Songs von Santana oder Michael Jackson brachten aber keine Geilenkirchener Band nach vorne. Doch „Away from reality“ überzeugte in der ersten Runde die Jury mit einem Stück, das selbst komponiert, selbst getextet, selbst arrangiert und selbst produziert worden war.

Seit Anfang des Schuljahres spielt die achtköpfige Band erst zusammen. Geprobt wurde jeden Mittwoch drei Stunden lang. Nachdem die Schüler sich entschlossen hatten, an dem Wettbewerb teilzunehmen und mit dem rockigen Song „Hero“ die Jury überzeugt hatten, wurde fast täglich geprobt, auch in den Ferien, denn für den Auftritt in der kommenden Woche mussten sie noch ein zweites Stück produzieren. So entstand in den vergangenen Wochen noch „Let me go“. Beisner lobt nicht nur die Qualität der beiden Lieder, sondern auch „die professionelle Leistung der Schüler“.

Oft sehr persönliche Dinge

Dabei hatte E-Gittarist Marc Reyans am Anfang nur die Melodie für einen Song im Kopf. „Der Text war für mich am Anfang nur Nebensache“, erklärt er das Entstehen eines Songs. Den Text hat dann Sandra Krol, eine der Sängerinnen, geschrieben. „In solch einen Songtext fließen oft sehr persönliche Dinge mit ein. In diesem Fall handelt es sich um eine kaputt gegangene Liebe“, erklärt sie den sehr emotionalen Inhalt. „Aber dann hat man natürlich erst das Grundgerüst. Dann wird erst einmal von allen Bandmitgliedern an Text und Musik gefeilt. Ein Lied muss perfekt sein“, sagt E-Gittarist Markus Jansen. Der junge Musiker hat dabei festgestellt: „Musik machen ist harte Arbeit. An einem Tag war ich nach den Proben mit den Nerven am Ende.“ Dem stimmt auch Kian Moghaddamzadeh (Akustik-Gitarre und Keyboard) zu: „Eine CD aufnehmen ist wesentlich schwieriger als ein Live-Auftritt. Und da wir uns kurzfristig beworben haben, standen wir auch noch unter Zeitdruck.“

Trotzdem betonen Sängerin Melanie Bernhard und Bassist Christian Nobialek, dass bei alledem der Spaß im Vordergrund steht. „Ich freue mich bei dieser Arbeit auch über den Zusammenhalt der Band. Ich hätte nicht erwartet, dass wir so weit kommen“, meint Melanie Bernhard. „Wir haben unser Ziel erreicht: Wir haben eine eigene Aufnahme, und wir haben einen Auftritt in Köln. Dort können wir zeigen, was wir drauf haben. Darauf sind wir stolz“, sagt Sänger Jason Heiß. Aufgenommen wurde der Song schließlich im Keller der Gesamtschule. „Ein professionelles Studio wäre natürlich toll gewesen, aber ist einfach zu teuer“, bedauert Guido Beisner. Aber den Studiobesuch konnte man mit moderner Computertechnik ersetzen. An den ganz großen Sieg denkt derzeit keiner: Der Siegerband des Schooljam-Finales winken Auftritte beim Hurricane- und Southside-Festival, ein Gig auf der „Music China“ in Shanghai und ein Auftritt beim Finale der „Schooljam UK“-Staffel in London.

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