Schlosskonzert: Absolute Liebe zur Musik, Mut zum Wagnis

Von: Renate Kolodzey
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Mit vollem Körpereinsatz: Das „Signum Quartett“ mit (v. l. n. r.) Florian Donderer (Violine), Annette Walther (Violine), Thomas Schmitz (Violoncello) und Xandi van Dijk (Viola) spielte ein beeindruckendes Schlosskonzert. Foto: Renate Kolodzey
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Vorsitzender Hanns-Paul Jouck (l.) übergibt den „Stab“ an seinen Nachfolger Gerhard Waltl-Paggen (3. v. l.) und die stellvertretende Vorsitzende Angelika Kaminski (2. v. r.).

Übach-Palenberg. „Niemals geht man so ganz!“, heißt es in einem bekannten Lied – ein kleiner Trost für Hanns-Paul Jouck, Vorsitzender der Freunde der Kammermusik, dessen 38. Schlosskonzert in Kooperation mit der VHS Heinsberg das letzte unter seiner Leitung sein sollte. Mit dem „Signum Quartett“ war es ihm wieder einmal gelungen, weltweit renommierte Künstler ins beschauliche Übach-Palenberg zu locken.

Jener Abend im Schloss Zweibrüggen stand ganz im Zeichen des Abschiednehmens: Bürgermeister Wolfgang Jungnitsch würdigte Jouck als Gründer des Vereins und sein fast 43 Jahre währendes, ehrenamtliches Engagement hierfür. Er erinnerte an die bis 2013 stattfindenden Benefizkonzerte, durch die fast 100 000 Euro für karitative Zwecke erzielt werden konnten sowie seine Initiative zum Einbau des Treppenliftes im Schloss und dankte ihm für sein Wirken, auch im Namen von Rat und Verwaltung.

Ingo Rümke, Fachbereichsleiter der Anton-Heinen-Volkshochschule Heinsberg, bekannte: „Herr Jouck ist ein großes Vorbild für mich!“ Sein Erfolgsrezept sei gewesen: absolute Liebe zur Musik, Fachkenntnis, Mut zum Wagnis und die eigene Person nicht in den Vordergrund zu stellen. Er bedankte sich für die jahrzehntelange, vertrauensvolle Zusammenarbeit.

Gerührt ergriff der Geehrte das Wort und richtete sein „Dankeschön“ an alle Musikfreunde, den Rat, die Verwaltung, den Bürgermeister, Ingo Rümke sowie an alle Sponsoren und Ehrenamtlichen. Vereint sei es gelungen, im Schloss Zweibrüggen einen überregionalen Kulturmittelpunkt zu schaffen. Mit üppigem Applaus wertschätzten die zahlreichen Gäste seine Verdienste.

Augenzwinkernd schritt Jouck danach zur „Stabübergabe“ an seinen Nachfolger Gerhard Waltl-Paggen und Angelika Kaminski, die zukünftige stellvertretende Vorsitzende. Mit strahlendem Lächeln nahmen diese das hölzerne Prachtstück entgegen.

Die zweitwichtigste Sache an jenem Abend war natürlich die Musik, präsentiert von Florian Donderer (Violine), Annette Walther (Violine), Thomas Schmitz (Violoncello) und Xandi van Dijk (Viola), die seit vergangenem Jahr in dieser Besetzung des „Signum Quartetts“ spielen. Allesamt studierte Musiker, konzertieren sie weltweit und errangen mit einer ihrer CDs sogar den begehrten International Classical Music Award.

Auf dem Programm standen Mozarts „Jagd-Quartett“ B-Dur KV 458, Leos Janáceks Streichquartett Nr. 2 „Intime Briefe” und Schuberts Streichquartett d-Moll D 810 „Der Tod und das Mädchen“. Gleich beim ersten Stück faszinierten sie das Publikum mit ihrem ungemein facettenreichen und enorm dynamischen Spiel. Raumfüllend visualisierten sie eine Jagdgesellschaft, auf Pferden dahinpreschend, indem sie brillant und intensiv mit höchstem Körpereinsatz musizierten, sich mit geballter Power vor, zurück, zur Seite bewegten, den Kopf zurückwarfen, ja sogar auf ihren Stühlen hüpften.

Rasant und furios

Auch die beiden folgenden Titel ließen den Zuhörern den Atem stocken: So rasant und furios agierten die Tonkünstler, dass es oft schien, als malträtierten sie geradezu ihre wertvollen Instrumente – pure Leidenschaft für die Musik war geradezu physisch spürbar. Doch auch hingebungsvoll sanfte, lieblich-zarte Töne entlockten ihre Bogenstriche den hölzernen Resonanzkörpern – ergreifend, beseelt und stets in perfekter Harmonie.

Kein Wunder, dass die Leute nicht nur am Schluss kein Halten kannten und mit ohrenbetäubendem, stehendem Applaus und begeisterten Bravorufen die Künstler selbst nach mehrmaligem Hinausgehen immer wieder in den Saal hineinklatschten. Friedrich Zimmer aus Immendorf, selbst Musiker, fasste das grandiose Konzert so zusammen: „Ich bin fassungslos und innerlich komplett aufgewühlt! Sie spielen wie von einem anderen Stern!“

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