Schloss Zweibrüggen soll barrierefrei werden

Von: mabie
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Menschen, die auf Rollstühle oder Gehhilfen angewiesen sind wie Thomas de Jong (Bild), könnten dank der Initiative des Vereins „Freunde der Kammermusik“ mit Hermann Bartel (l.), Hanns-Paul Jouck (2.v.l.) und Hans Krupp (M.) und der Stadt Übach-Palenberg mit Achim Vogelheim (3.v.l..) und Bürgermeister Wolfgang Jungnitsch (r.) einen barrierefreien Zugang per Lift ins Schloss Zweibrüggen bekommen. Foto: Markus Bienwald

Übach-Palenberg. Für Thomas de Jong ist der Rollstuhl Alltag. Seit einem Verkehrsunfall, den er mit acht Monaten durchlitt, kann er seine Beine nicht mehr benutzen. „Ich kenne es nicht anders“, sagt der 30-jährige Mitarbeiter der Stadtverwaltung, „ich bin immer auf den Rollstuhl angewiesen.“ Probleme, die sich aus dieser Behinderung ergeben, kennt er zuhauf.

„Ich muss immer sehen, dass mir jemand hilft, falls kein barrierefreier Zugang möglich ist“, sagt er – auch Alltag. In seiner Funktion als persönlicher Referent von Bürgermeister Wolfgang Jungnitsch weiß er auch um die Logistik, die im Falle von Terminen im Schloss Zweibrüggen ansteht. Denn dort gibt es bislang keine Möglichkeit, für Menschen mit einem Rollstuhl, die Treppen zum neoklassizistischen Bau zu erreichen.

Seitens des Denkmalschutzes wurden bislang immer alle Lösungen verneint. „So müsste beispielsweise ein Aufzug im Gebäude im Kellerbereich beginnen, was aber schon aus Denkmalschutzgründen nicht geht“, sagt Achim Vogelheim, Fachbereichsleiter Hoch- und Tiefbau. Zudem ist das Kellergeschoss nur 1,60 Meter hoch und damit nicht nutzbar. Uninteressant auch wegen der Kosten, die eine solche Maßnahme nach sich zöge.

Da ist die Lösung eines Außenlifts, der am linken Treppenaufgang angebracht werden soll, schon problemloser. Rund 40.000 Euro wird er kosten, die Hälfte kommt von der Stadt. „Ich sehe diese Aufgabe nicht als freiwillige Aufgabe der Stadt an, weil es dazu dient, das Schloss als Standesamt und für kulturelle Aufgaben barrierefrei zugänglich zu machen“, sagt Bürgermeister Jungnitsch. Er weiß von einigen Trauungen, die abgesagt werden mussten, weil Gäste des Brautpaares nicht oder nur mit unzumutbaren Anstrengungen die Treppen hätten nutzen können.

Die andere Hälfte der Bausumme will der Verein „Freunde der Kammermusik“ aufbringen, erklären Hanns-Paul Jouck und Hans Krupp und werfen einen Blick in die Geschichte. „Seit 1971 veranstalteten wir unsere Konzerte bis 2009 in der Marienberger Hütte der Begegnung“, erzählt Jouck. Dort war alles ebenerdig, auch vom Parkplatz aus war es für Menschen, die auf Gehhilfen angewiesen sind, kein Problem, die in der 43. Auflage laufenden Konzertreihen zu besuchen. „Als wir wegen der anderen Nutzung der Hütte dann vor ein paar Jahren ins Schloss umgezogen sind, konnten Menschen mit einer Gehbehinderung nicht mehr so einfach zu uns kommen“, erläutert Hans Krupp.

Dank der über Jahre gewachsenen, vielfältigen Verbindungen der Kammermusiker nicht nur in ihre Nachbarschaft, sondern über alle Grenzen hinweg, sammeln sie immer wieder viele Spenden. „Als ich zu Beginn des Jahres auf einen Kontoauszug des Vereins schaute, staunte ich nicht schlecht, als dort Michael Brianda mit 2500 Euro auftauchte“, berichtet Hanns-Paul Jouck lächelnd. Brianda, heute Chef eines von der Schweiz aus international in der Elektronikbranche tätigen Unternehmens, war nicht nur als ehemaliger Schüler Joucks und guter Schlagzeuger dem Verein verbunden. Er spendete, damit die Freunde der Kammermusik damit einen guten Zweck unterstützen können.

„Den haben wir nun mit dem künftigen Treppenlift am Schloss gefunden“, freut sich Hans Krupp. Allerdings fehlen noch rund 15.000 Euro, um den Bau ausführen zu können. „Wir suchen nun Spender, die es uns ermöglichen, allen Nutzern des Schlosses einen barrierefreien Zugang zu haben“, sagt Jouck. Denn die Musiker wollen den Lift nach der Fertigstellung etwa im Herbst der Allgemeinheit übergeben.

Dazu aber muss der Lift bestellt und die Gründung der notwendigen Technik in der Außenwand des Schlosses abgeschlossen sein. „Das ist ein aufwendiger Vorgang“, sagt Achim Vogelheim, schließlich soll der Lift später bis zu einer Vierteltonne Gewicht problemlos mit rund zehn Zentimetern pro Sekunde entlang der Treppe sanft aber sicher nach oben transportieren können. Das Gerät wird so ausgelegt, dass es autark bedienbar ist, zur Sicherheit wird jedoch stets jemand dabei sein, der den Vorgang beaufsichtigen soll.

Dann wird es auch für Thomas de Jong keine Momente mehr geben, wie es kürzlich bei einer Veranstaltung im Schloss war. Da waren nur Damen anwesend, die ihm nicht die Treppe heraufhelfen konnten. „Ich musste jemanden anrufen und so lange unten warten“, sagt de Jong achselzuckend. Wenn die Spenden für den Lift kommen, wird das in Zukunft kein Thema mehr sein.

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