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Schlagzeug und das Verhältnis zu Goldminen

Von: Danielle Schippers
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Christian Schmitz am Bass, Christoph Jansen am Piano, Gitarre und mit Gesang, sowie Thomas Preuth, der am Schlagzeug Erinnerungen an Dennis Wilsons wachhielt, traten vor einem interessierten Publikum im Schloss Zweibrüggen auf. Foto: Danielle Schippers

Übach-Palenberg. Christoph Jansen, Thomas Preuth und Christian Schmitz haben es geschafft. Sie begeisterten im Schloss Zweibrüggen zahlreiche Interessierte mit der oft unbekannten Musik von Dennis Wilson, dem früheren Schlagzeuger der „Beach Boys“.

Christoph Jansen führte durch den perfekt aufgebauten Abend, indem er die abwechslungsreichen Stücke aus den späten 1960er und 70er Jahren mit wissenswerten Anek­doten in das bewegte Leben Wilsons einordnete. Die drei jungen Musiker spielten mit Leidenschaft auf sehr hohem professionellem Niveau ein rockiges und zugleich melancholisches Konzert. „Unsere einzige Sorge war, dass die eher unbekannte Musik Wilsons niemanden interessiert und niemand kommt. Aber diese Sorge war, wie es aussieht, unbegründet“, freute sich Christoph Jansen zu Beginn des Tribute-Abends.

Auf die Idee zu diesem musikalischen Experiment war er gekommen, weil er ein Fan der „Beach Boys“ ist und so auf die Solo-Alben des Schlagzeugers der Band stieß. Also überzeugte er seine Freunde und Kollegen Christian Schmitz und Thomas Preuth, mit denen er auch in anderen Projekten zusammenarbeitet, zu Wilsons 30. Todestag – der ist am 28. Dezember ein Tribute-Konzert zu spielen, welches ein voller Erfolg wurde.

Dennis Wilsons Leben war sehr bewegt mit extremen Höhen und Tiefen, wie Christoph Jansen am Abends sehr sympathisch darstellte und musikalisch die Geschichte des „Beach Boys“-Drummers erzählte, der zunächst als völlig untalentiert galt und nur auf Drängen seiner Mutter Schlagzeug spielen lernte. Dennis wurde zunächst widerwillig von seinen Brüdern Carl und Brian in die Band aufgenommen. Der „Draufgänger und Frauenheld“ entwickelte sich aber später, besonders in den Augen von Fans und Experten zum verkannten kreativen Kopf der Band, was seine Familie aber kaum anerkannte, woraufhin er zusätzlich auch als Solo-Künstler arbeitete, um sich zu verwirklichen.

Passende Anekdoten

Jansen, Preuth und Schmitz spielten beim Tribute-Abend eine bunte Mischung aus rockigen und melancholischen Songs, die Wilson in verschiedenen Lebensphasen schrieb und komponierte. Seinen ersten eigenen Song „Little Bird“ beispielsweise erinnert noch an die „Surfer“-Musik der „Beach Boys“, ist aber schon rhythmisch viel kreativer und sprunghafter.

Zu jedem Song, den die höchst professionellen Musiker an diesem Abend interpretierten, konnte Jansen eine Anekdote erzählen, einige witzig, andere stimmten auch nachdenklich. „Be with me“ klingt sehr düster und bedrohlich, diesen Song schrieb Wilson vielleicht als Reaktion auf Morddrohungen, die er lange Zeit ertragen musste, weil er sich von einem Freund und Kollegen distanzierte, aber trotzdem Ideen seiner Musik benutzt. Dieser Freund war Ende der 60er Jahre Charles Manson, einer der berüchtigtsten amerikanischen Massenmördern. Wilson hatte eine Zeit lang engen Kontakt mit Manson, der neben Anführer seiner Kommune mit vielen Frauen auch kreativer Songwriter und Produzent war.

Den Einfluss dieser verwirrenden Ereignisse auf Wilsons Musik konnten die jungen Künstler an diesem Abend gut deutlich machen, einige Lieder enthielten krumme Takte und ungewohnte Harmonien und Melodien. Andere wiederum, vor allem die späteren, die der Schlagzeuger für seine Frauen schrieb (er war fünfmal verheiratet), klingen sehr soulig und wehmütig, aber auch optimistisch und positiv. Wilson war ein gutmütiger, emotionaler Mensch, der laut Christoph Jansen „mehr gab als er eigentlich hatte“. Dazu erzählte er die Anekdote, wie Wilson auf seinem Motorrad eine Tour machte und in einer Goldmine frustrierte Arbeiter traf, die nie wirklich Gold fanden. Daraufhin schenkte er ihnen ein paar seiner „Goldenen Schallplatten“, einer hohen musikalischen Auszeichnung für verkaufte Alben, die er dafür aus dem Studio entwendete.

Qualität auch im Detail

An Liedern wie „Wouldn‘t it be nice to live again“ oder „Rainbows“, bei dem Tim Scheuvens, ein Schüler Jansens, aus den Dreien kurzzeitig ein Quartett machte, indem er das Piano übernahm, zeigten auch Wilsons sprichwörtlichen „weichen Kern“. Alle drei Musiker zeigten neben Spaß am Thema „Dennis Wilson“ auch technisches Können.

Bürgermeister Wolfgang Jungnitsch wertete den Abend spontan als „ein Konzert höchster Qualität mit tollen, jungen Talenten“. Und er stellte fest, dass auch Rock gut in die Kulisse des Schlosses Zweibrüggen passe. Christoph Jansen bedankte sich bei der Stadt Übach-Palenberg dafür, diese Veranstaltung ermöglich zu haben.

Das Tribute-Experiment mit verborgenen musikalischen Schätzen rundeten kurze Soli der Künstler und Zugaben ab. Christoph Jansen schickte die zufriedenen Gäste, die sich in der Pause angeregt über die hohe Qualität des Konzerts unterhielten, mit einem besinnlichen Stück auf den Heimweg und in das neue Jahr – mit einer ergreifend gesungenen unbekannten Version von „Cuddle up“ am Piano.

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