Schiedsrichter bedroht und angepöbelt: Fremdenfeindlicher Hintergrund?

Von: Jan Mönch
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Der Vorfall spielte sich auf dem Platz von Teveren ab, der Verein betont aber, dass die eigenen Leute nichts damit zu tun gehabt hätten. Foto: Markus Bienwald

Geilenkirchen. Bis zur 88. Minute war es ein völlig normales Kreisligaspiel gewesen, doch dann gab der Schiedsrichter einen Elfmeter für die dritte Mannschaft von Germania Teveren. Sportlich ging es um nichts mehr, die Gäste vom SV Marienberg führten nämlich überdeutlich mit 5:0.

Nach dem Schlusspfiff, den Teverenern war der Ehrentreffer gelungen und das Spiel 5:1 ausgegangen, wurde der Schiedsrichter, bei dem es sich um einen Dunkelhäutigen handelt, auf übelste Weise beschimpft. Und zwar rassistisch, wie es heißt. Dem Schwarzen gehöre der Kopf abgehauen, soll einer gerufen haben, „schwarze Sau“.

So schildert es Germania Teveren in einer Pressemitteilung und weist darauf hin, dass ausschließlich Spieler und Zuschauer des SV Marienberg beteiligt gewesen wären. Mindestens eine Bierflasche soll geflogen sein, sie platzte an der Wand des Vereinsheims, knapp über den Köpfen des Schiedsrichters und des Teverener Vereinsvorsitzenden Jens Klett, der als Sicherheitsmann eingesetzt war und den Schiedsrichter schützend in die Kabine brachte. Insbesondere gegen den „Flaschenwerfer“, heißt es in der Pressemitteilung, behalte man sich weitere rechtliche Schritte vor.

Von Behördenseite gibt es zu dem Vorfall bislang wenig Konkretes. Die Kreispolizei bestätigt lediglich, dass Beamte vor Ort gewesen seien und eine Anzeige aufgenommen hätten. In Zusammenhang mit einem Fußballspiel seien naturgemäß zahlreiche Zeugen zu vernehmen. Es könne daher einige Zeit in Anspruch nehmen, bis gesichert ist, ob von einem fremdenfeindlichen Hintergrund auszugehen ist. Sollte dem so sein, werde der Fall an den Aachener Staatsschutz weitergegeben.

Auch beim Fußballverband Mittelrhein (FVM) ist der Vorfall bekannt, die Verbandsspruchkammer in Hennef, das höchste Rechtsorgan des Verbandes, beschäftigt sich damit. Der Bericht werde geprüft, die Faktenlage sei noch unklar, teilt eine FVM-Sprecherin auf Nachfrage mit. Nähere Angaben macht sie nicht und verweist auf das laufende Verfahren.

Zweifel daran, dass einschlägige rassistische Beschimpfungen gefallen sind, sind offenbar kaum angebracht. Denn auch in einer knappen, aber eindeutigen Stellungnahme des SV Marienberg ist hiervon die Rede. „Der SV Marienberg distanziert sich mit aller Schärfe von den Ausschreitungen und fremdenfeindlichen Äußerungen, die sich am vergangenen Freitagabend nach dem Schlußpfiff in Teveren zugetragen haben. Dieses skandalöse Auftreten der Mannschaft ist durch nichts zu entschuldigen!“ Man werde die Schuldigen „unnachsichtig zur Rechenschaft ziehen“.

Näher wollte der Verein sich zu möglichen vereinsinternen Konsequenzen vorläufig nicht äußern. Sobald eine Entscheidung gefallen sei, werde man die Öffentlichkeit informieren.

Auch die Schilderungen eines Vereinsmitglieds von Germania Teveren fallen eindeutig aus. Weil der Mann selbst noch als Zeuge von der Polizei gehört werden wird, will er allerdings nicht namentlich genannt werden.

Bis zu der besagten Elfmeterentscheidung, berichtet er, habe es keine besonderen Vorkommnisse gegeben. Kurios sei gewesen, berichtet der Zeuge, dass sich erst dann, als der Sieger schon längst feststand, eine solche Wut entladen habe. „Die Marienberger hätten uns doch einfach die lange Nase zeigen können.“

Stattdessen habe sich aber nach dem Schlusspfiff ein regelrechter Pulk aus Marienberger Zuschauern und Anhängern um den Schiedsrichter und den Sicherheitsmann gebildet. Letzterer habe den Schiri in der Kabine in Sicherheit bringen können und auf Bitten des Schiedsrichters die Polizei alarmiert.

Unabhängig von dem möglichen fremdenfeindlichen Hintergrund wirft das Geschehen wieder einmal ein Schlaglicht auf den offenbar immer asozialeren Umgangston gerade in den unteren Fußballligen, den viele Beteiligte beklagen und den insbesondere die – ohnehin nur noch in höchst unausreichender Zahl verfügbaren – Schiedsrichter zu spüren bekommen.

Auch der Zeuge aus Teveren prangert das an: „Beschimpfungen wie ‚Arschloch, Wichser, dumme Sau‘, gehören ja auf vielen Fußballplätzen mittlerweile zum normalen Umgangston wie ‚Schönen guten Tag, ich hätte gerne ein Bier‘.“

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