Scherbengrube im Römischen Bad: Eine Gefahr für Kinder

Von: Simone Thelen
Letzte Aktualisierung:
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Ein beliebter Ort zum Klettern und Spielen – aber leider auch sehr gefährlich, wie die kleine Finja nun erfahren musste. Nach einem Sturz in dieses Loch an der Ruine im Naherholungsgebiet Übach-Palenberg muss sie ins Krankenhaus, kommt aber mit einigen Wunden und dem Schrecken davon. Ihre Mutter Sarah Radermacher hat sich nun an die Stadt gewandt: „Warum gibt es keine Schilder, die auf die Gefahren hinweisen?“ Foto: S. Thelen
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Der Grund des ehemaligen Kaltwasser-Beckens ist übersät mit Müll und Scherben. Die Stadt Übach-Palenberg ist für die Instandhaltung zuständig.
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Dieses Schild klärt Besucher über die Geschichte des Römischen Bades auf, ein Hinweis auf die Gefahren für Kinder fehlt jedoch.

Übach-Palenberg/Alsdorf. Es ist ein Schockmoment, wie ihn keine Mutter jemals erleben möchte. Die kleine Finja liegt fast regungslos in einem Meer aus Scherben. Sie hat Verletzungen am Kopf, Blut sickert aus ihrem Mund. Gerade noch hat die Zweijährige friedlich mit ihrem großen Bruder Lennard gespielt, natürlich unter den wachsamen Augen ihrer Mutter Sarah Radermacher, die nur wenige Schritte von ihr entfernt steht.

Aber auf einmal ist Finja verschwunden – in einem zwei Meter tiefen Loch an der Ruine der Römischen Badeanstalt im Naherholungsgebiet Übach-Palenberg. „Zuerst hat mein Sohn geschrien, dass Finja gefallen ist. Fast gleichzeitig bin ich dorthin gesprungen, wo meine Tochter gerade noch herumgeklettert war. Aber da lag sie schon unten, überall waren Scherben.“

Es war bis dahin ein ganz normaler Samstag. Das Wetter war schön, und so hatten Sarah Radermacher und ihre Kinder aus Alsdorf-Bettendorf beschlossen, mit einer Freundin und deren Kindern einen Ausflug ins Übacher Naherholungsgebiet zu machen. Zu den eigentlich geplanten schönen Stunden auf dem großen Spielplatz und der Fahrt mit dem Tretboot, die die 31-Jährige ihren Kindern versprochen hatte, kam es aber nicht mehr. Der Nachmittag endete in der Notaufnahme des Geilenkirchener Krankenhauses.

Mehrere Wunden an der Stirn

Wenn sich Sarah Radermacher an den Anblick ihrer Tochter erinnert, kommen ihr noch immer die Tränen: „Es war furchtbar. Es ging alles so schnell. Und ich dachte nur, jetzt ist es vorbei.“ Zum Glück hatte die junge Mutter ihre Freundin dabei, denn ohne deren Hilfe hätte sie es wohl nicht geschafft, ihre kleine Tochter aus der Scherbengrube zu befreien. Finja ist bei Bewusstsein, „aber bis heute kann ich mich nicht daran erinnern, ob sie geweint hat. Ich glaube nicht“.

Das Mädchen ist wach, aber benommen. Da sie stark blutet, wird sie umgehend ins Krankenhaus gefahren. Es werden mehrere Schürfwunden und zwei Platzwunden an der Stirn festgestellt. Aus einer Wunde wird noch eine Scherbe entfernt, in der zweiten steckt ein kleiner Stein. Da Finja zu diesem Zeitpunkt wach und ansprechbar ist, wird sie nach der Behandlung nach Hause entlassen. Natürlich mit der Auflage, sofort in die Kinderklinik zu fahren, sollte es noch zu Übelkeit, Erbrechen oder sonstigen Beschwerden kommen. „Zum Glück ist außer dem Schock und den kleineren Verletzungen nichts Schlimmes passiert, aber es hätte auch ganz anders ausgehen können“, ist sich Sarah Radermacher sicher.

Die Eltern der kleinen Finja haben sich inzwischen schriftlich an die Stadtverwaltung Übach-Palenberg gewandt. Ihr Vorwurf: Im gesamten Bereich der Ruine gibt es keine Hinweisschilder, die auf eine bestehende Gefahr hinweisen. Zudem sei der Zustand der Ruinen so schlecht, dass er eine zusätzliche Gefahrenquelle biete. Denn bis heute ist das Römische Bad mit Scherben übersät.

Bereits vor rund einem Dreivierteljahr hat der Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz (VDL) im Kreis Heinsberg die Stadt angeschrieben mit der Bitte, das römische Badehaus zu sanieren. Auf das Schreiben vom 15. August 2016 hat es bis heute keine Antwort gegeben. „Damit könnten wir ja leben, wenn denn wenigstens die Gefahr erkannt und beseitigt würde“, erklärte Rainald Folz, Vorsitzender des VDL, bei seiner Jahreshauptversammlung im März.

Genau das sei mittlerweile geschehen, erklärt nun Thomas de Jong, Sprecher der Stadt Übach-Palenberg, auf Nachfrage unserer Zeitung: „Die vom Verein für Denkmalpflege gemeldeten Mängel wurden von Seiten des technischen Betriebes behoben. Weitere Mängel sind uns nicht bekannt.“ Den Verein hat die Stadt allerdings darüber noch nicht in Kenntnis gesetzt. Ob die Regulierung der Mängel im Zusammenhang mit Finjas Unfall steht, ist unklar, allerdings wurde tatsächlich erst in der Woche nach dem Sturz eine kleine Holztreppe erneuert, deren Stufen vorher völlig zersplittert waren.

Versicherung ist zuständig

Sarah Radermacher und ihr Lebensgefährte Michael Thamer haben eine Eingangsbestätigung für ihre Beschwerde bekommen, mit dem Hinweis, ihr Schreiben sei an die Haftpflichtversicherung der Stadt Übach-Palenberg weitergegeben worden. Thomas de Jong zu unserer Zeitung: „Die Schuldfrage wird von der Versicherung geprüft.“ Solange diese Prüfung nicht abgeschlossen sei, könne er keine näheren Auskünfte zum Fall erteilen.

Gleiches gelte für die Frage, warum es keine Warnschilder gibt, die auf die Gefahr hinweisen. Fakt ist, dass die Stadt für die Instandhaltung des Bodendenkmals zuständig sei, der technische Betrieb führe regelmäßige Reinigungsarbeiten durch, so de Jong weiter. Doch: „Flaschenwerfer verursachen weitere Schäden.“

Die Scherben, in die die kleine Finja gestürzt ist, sind jedenfalls noch Wochen nach dem Vorfall nicht beseitigt. Das kleine Mädchen ist mit einer kleinen Narbe und dem sprichwörtlichen Schrecken davongekommen. „Aber vielleicht hat das nächste Kind, das dort spielt, weniger Glück“, meint Sarah Radermacher. „Deshalb sind wir auch an die Stadt herangetreten, um andere Kinder vor einem ähnlichen oder schlimmeren Unfall zu bewahren.“

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