Schatzsucher und Bewahrer: Rheinlandtaler für Paul Vallen

Von: Karl-Heinz Hamacher
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Laudatorin Gertrud Servos vom Landschaftsverband Rheinland ehrte Paul Vallen. Bürgermeister Bernhard Tholen (links) und Landrat Stephan Pusch überbrachten herzliche Glückwünsche.
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Eine besondere Auszeichnung für einen besonders engagierten Menschen: Paul Vallen, hier mit seiner Frau Anneliese, ist nun Träger des Rheinlandtalers. Foto: Karl-Heinz Hamacher

Gangelt-Birgden. Paul Vallen aus Birgden steht jetzt in einer Reihe mit Loki Schmidt, Hans-Dieter Hüsch, den Bläck Föös und mit „Schimanski“. Sie alle sind Träger des Rheinlandtalers; Paul Vallen jetzt auch.

Wer ihn kennt – und wer tut das in Birgden und darüber hinaus nicht – kennt einen bescheidenen, ruhigen, leise sprechenden und immer freundlich lächelnden Mann, dessen liebste Rolle die im Hintergrund ist. Im voll besetzten Pfarrheim mit Verwandten, Freunden, Weggefährten und einigen Vertretern aus der Kreis- und Gemeindepolitik gelang ihm das nicht. Und ganz erstaunt fragte er in seiner kleinen Dankesrede am Ende die Laudatorin Gertrud Servos vom Landschaftsverband Rheinland: „Woher wissen sie das alles? Haben sie Kontakte zum Geheimdienst?“

Geschichte bleibt unvergessen

Gertrud Servos wusste wirklich viel über den Werdegang und das überdurchschnittliche Engagement des 1935 in Birgden geborenen Heimatforschers, der viele Jahre einen Friseursalon im Ort betrieb. Man könnte die Verdienste des Paul Vallen ganz einfach zusammenfassen. Im Großen wie im Kleinen sorgt er dafür, dass die Geschichte des 20. Jahrhunderts auf den Ort und die Gemeinde herunter gebrochen präsent bleibt.

Birgden, der einwohnerstärkste Ort der Gemeinde Gangelt, hat ein großes Neubaugebiet mit vielen jungen Leuten, die exemplarisch in eine Zeit hineingewachsen sind, in der die Geschehnisse des letzten Jahrhunderts aus losen, wagen und lückenhaften Erinnerungen der Eltern und Großeltern überliefert werden. „Sie sind ein Schatzsucher und ein Bewahrer“, lobte Gertrud Servos das Wirken und Schreiben des Paul Vallen, das ebenso facetten- wie umfangreich ist.

Dabei ist die Kriegs- und Nachkriegszeit sein Lebensthema geworden. In seiner Arbeit wendet er eine Methode an, die auch in der Literatur beliebt ist: Einzelschicksale werden immer besonders herausgearbeitet.

Da ist die Stunde „Null“ nach dem Krieg, der Wiederaufbau und – das liegt dem Mann mit dem niederländischen Pass besonders am Herzen – die Wiederannäherung an die holländischen Nachbarn.

Holland verbinden viele Menschen der älteren Generation aus den Gemeinden Gangelt und Selfkant mit Vught. In dieses Lager wurden rund 6000 Leute evakuiert. Paul Vallen ist es zu verdanken, dass sich in der heutigen Gedenkstätte auch mit dem Schicksal derer aus unserer Region auseinandergesetzt wird. Das war für die Niederländer lange alles andere als selbstverständlich. Aus der Versenkung geholt hat Vallen auch, dass rund 40 Birgdener für Napoleon auf europäischen Schlachtfeldern unterwegs waren. Der Tod zweier Mädchen auf einem Eisweiher, der „Gruete Kuhl“, im Jahre 1950 hat er aufgearbeitet, die Geschichte der seinerzeit weit verbreiteten Krautpressen festgehalten, und auch welche Bedeutung welcher Türklopfer hat, ist im Vallen-Archiv festgehalten.

Paul Vallen arbeitet, kann man schön an einem Beispiel aufzeigen. Rund um die Bombardierung der Kreisbahn in Schierwaldenrath im Zweiten Weltkrieg hatten sich im Laufe der Jahre viele Ungereimtheiten und Halbwahrheiten in die Geschichte geschlichen. Durch intensive Recherchen und Gespräche mit Zeitzeugen rückte der Chronist alles wieder ins rechte Licht.

Unter dem großen Applaus der Gäste überreichten Gertrud Servos und LVR-Mitarbeiterin Monika Thomas Paul Vallen dann den Taler, die Anstecknadel und die Urkunde. Landrat Stephan Pusch überbrachte Glückwünsche und dankte Paul Vallen dafür, dass viele seiner Beiträge immer wieder den Heimatkalender bereichern. „Dadurch erhalten die jetzt hier Lebenden die Möglichkeit, einen Blick in die Vergangenheit zu werfen!“ Ähnlich sprach auch Bürgermeister Bernhard Tholen.

Paul Vallen war nicht nur dabei, als das Archiv der Gemeinde Gangelt neu geordnet wurde. Viele seiner Beiträge sind Bestandteil des Gangelter Gedächtnisses im Keller des Rathauses. Zu den ersten Gratulanten zählte Jeroen van den Eijnde, Direktor des Museum Vught. Ein wunderbares Beispiel für den Erfolg der Arbeit von Paul Vallen. Grenzüberschreitend auch der herrliche musikalische Beitrag des „Clarinet Choir Schinveld“, in dessen Reihen auch Wolfgang Beckers aus Birgden spielt.

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