Geilenkirchen - Schandfleck: Stellwerksgebäude verschwindet

Schandfleck: Stellwerksgebäude verschwindet

Von: Markus Bienwald
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Am Ort des Geschehens, dem Geilenkirchener Bahn-Diskussionsthema schlechthin, der großen Schranke an der Konrad-Adenauer-Straße, trafen sich Bahnvertreter Herbert Dopstadt, Grünen-Sprecher Jürgen Benden und die Grüne Bundestagsabgeordnete Bettina Herlitzius (v.l.). Foto: mabie
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Ein Abriss der Ruine des alten Stellwerksgebäudes in Geilenkirchen soll noch in diesem Jahr erfolgen.

Geilenkirchen. Als Schandfleck sehen wohl die meisten Geilenkirchener das alte Stellwerksgebäude an der großen Bahnschranke der Konrad-Adenauer-Straße. Doch damit ist noch in diesem Jahr Schluss. „Der Abriss erfolgt dieses Jahr“, so Herbert Dopstadt, Leiter Fahrplan bei der Regio Bahn West, „wann genau, kann ich aber noch nicht sagen.“

Gemeinsam mit der Grünen Bundestagsabgeordneten Bettina Herlitzius war er auf Einladung des Stadtverbandes Geilenkirchen von Bündnis 90/Die Grünen unter Leitung von Jürgen Benden zum Stadtgespräch in die Nikolaus-Becker-Stube gekommen. Einen besseren Ort konnten die Veranstalter kaum aussuchen, schließlich ärgert sich die Besitzerfamilie Jansen schon seit vielen Jahren über ihren schienengebundenen Nachbarn.

Mit einem Blick auf die zukünftige Entwicklung der Bahnstrecke Aachen-Mönchengladbach seitens der Bahn verbanden an diesem Abend rund 20 Besucher die Hoffnung, dass sich hinsichtlich einiger Missstände etwas bewegt. Doch ins Rollen kamen eigentlich nur die drei Ur-Geilenkirchener Bahn-Diskussionspunkte Bahnübergang, behindertengerechter Gleiszugang und Stellwerkhäuschen.

Während bei dem Stellwerkhäuschen gegen Ende der lebhaften, rund zweistündigen Diskussion ein Ergebnis feststand, konnte Herbert Dopstadt als offizieller Vertreter der Deutschen Bahn zu den beiden anderen Punkten eher nur mit den Schultern zucken.

Bei dem barrierefreien Zugang zu den Gleisen 2 und 3 konnte Dopstadt nur die Auskunft geben, dass Geilenkirchen nicht mit einem Aufzug oder einer Rampe ausgestattet werde. „Es gibt hier zu wenig Ein- und Aussteiger“, betonte er.

Damit wollten sich die Besucher an diesem Abend nicht zufrieden geben, es wurde der Bahn unter anderem vorgehalten, dass die entsprechenden Zählungen zu verkehrsarmen Zeiten erfolgten. „Das entscheidet die Bahn nicht mehr alleine, hier sitzen die Besteller und Entscheider beim AVV und im Ministerium in Düsseldorf“, so der Bahnvertreter weiter.

Auch die Zählungen erfolgten im Auftrag des Verkehrsverbundes, der als Besteller der Leistungen im Nahverkehr auch für den Zustand der Bahnhöfe verantwortlich sei. Der zweite große Diskussionspunkt, der symbolhaft für die enge Verzahnung und Hassliebe der Geilenkirchener mit der Bahn steht, ist die Schranke an der Konrad-Adenauer-Straße.

Hier liegt noch der frische Ratsentscheid gegen den Bau einer Unterführung für Kfz wie Fußgänger und Radler vor. Doch Jürgen Benden will den Kampf für die Unterführung nicht aufgeben. „Hier hat die Bahn ihre Hausaufgaben gemacht, und wir Grüne haben Kante gezeigt“, meinte Benden im Nachklapp. Doch auch mit dem Hinweis auf die Geldnot im Haushaltssicherungskonzept wollte er nicht von dem Vorhaben abrücken, da hier eventuell neue Förderanträge gestellt werden müssten und das Problem des Zwischenverkaufs und der Zwischennutzung des dann benötigten alten Postgrundstücks besteht.

Die Unterführung fällt weg, wenn der augenzwinkernd vorgebrachte Vorschlag eines Bürgers, die Bahn wie in Stuttgart ab Hommerschen und bis hinter Süggerath unterflurig fahren zu lassen, nicht durchkommt.

Doch dieses „GK 21“ hat noch einen weiteren Hintergrund: die langen Standzeiten an den Bahnübergängen in der Stadt. In Frelenberg, rechnete ein Gast vor, sei die Sache nach 70 Sekunden erledigt, in Geilenkirchen seien es im Schnitt fünf bis sechs Minuten. „Normalerweise darf die Schranke nicht länger als vier Minuten unten sein“, erläuterte Dopstadt dazu, „doch wenn ein Gegenzug kommt, bleibt die Schranke natürlich unten“.

Hier wünschten sich die Gäste eine starke Verkürzung, Gastronom Sascha Jansen lud den Bahnvertreter bei freier Kost ein, einmal den ganzen Tag in der Nikolaus-Becker-Stube zu verbringen, um die Kluft zwischen Anspruch und Vorschriften und der Wirklichkeit in Geilenkirchen zu überprüfen.

Doch auch beim letzten Thema, dem Lärmschutz, der bei „voraussichtlich moderat steigendem Schienenverkehr“ (Dopstadt) mehr an Bedeutung gewinnt, wurde wenig Hoffnung gemacht.

Die Ortslage Geilenkirchen komme bei einem Lärmbelastungs-Koeffizienten von etwas über zwei für einen Ausbau mit Lärmschutz nicht in Betracht. Derzeit würde nachträglicher Schutz erst bei einem Koeffizienten von rund zehn verbaut, und Neu- oder Ausbaustrecken, die mit einem Lärmschutz versehen werden, kommen hier nicht. So verwies Herbert Dopstadt nur auf die neue, leisere Technik, die besonders im schienengebundenen Güterverkehr eine Linderung bringen soll.

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