Geilenkirchen - Satirisch: Cartoonzeichner Utz Peter Greis liest im „Haus des Tiefsinns”

Satirisch: Cartoonzeichner Utz Peter Greis liest im „Haus des Tiefsinns”

Von: Angela Schollmeyer
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Utz Peter Greis lästerte über Arztbesuche und Gesundheitsreformen. Foto: Angela Schollmeyer

Geilenkirchen. Die seltsamsten Begebenheiten und Geschichten, die sich in der Welt zutragen, haben sich in Utz Peter Greis „Haus des Tiefsinns” versammelt. Bei genauem Zuhören sind sie aber vielleicht doch nicht so abwegig, wie es im ersten Moment scheint, sondern ähneln sehr unserer Realität.

Der satirische Autor und Cartoonzeichner war im Geilenkirchener Haus Basten eingekehrt, um dem Publikum einige seiner Satiren vorzulesen. Bei der ausführlichsten Geschichte handelte es sich um einen „Besuch beim Arzt”. Erzählt aus der Ich-Perspektive, berichtet ein Mann über den Besuch bei einem Internisten.

Manche, die des Öfteren selber einen Arzt aufsuchen, konnten sich vielleicht mit den Situationen bezüglich der Praxisgebühr, den Wartezeiten und den „gründlichen” Gesprächen mit dem Herrn Doktor sowie den unsagbar hilfreichen Ratschlägen des Apothekers identifizieren. Nicht grundlos lautete der Untertitel der Geschichte: „Warum man kerngesund sein muss, um den Besuch in der Arztpraxis zu überstehen.” Denn laut der Berichte des Patienten fühlt man sich nach einem Arztbesuch noch kränker und unsicherer als zuvor.

Die anfängliche Unruhe in der Brust wurde durch die Erfahrungen in der Praxis bloß noch gesteigert, und nach dem Aufsuchen einer Apotheke ist der Mann „mehr verwirrt als einverstanden”, hat „ungeheure Angst” und malt sich bereits die schlimmsten Ereignisse aus. Auch der Beipackzettel trägt nicht gerade zu seiner Beruhigung bei, und er hat endlose, unbeantwortete Fragen.

Satirisch wirkungsvoll war die Geschichte besonders durch die sehr detaillierten Beschreibungen des Autors sowie durch seine Gesten und Lautmalereien während des Vortrags.

Mit dem „Haus des Tiefsinns” kann Utz Peter Greis aber auch in die Zukunft blicken und berichtete den Zuhörern deshalb schon von der anstehenden 835. Gesundheitsreform im Jahr 2013. Erfahren konnte man hier bereits von weiteren Beitragserhöhungen und, dass der Solidatitätszuschlag „Aufbau Ost” in „Gesundheit West” umgewandelt werde.

Lohnfortzahlungen werde es nach der 835. Reform des Gesundheitswesen nur noch bei „akutfiebrieger Erkrankung” und bei „chronischer Erkrankung” geben. Die speziellen Bedingungen hierbei werden natürlich keinenfalls leichtverständlich, sondern etwas kompliziert ausfallen und weitere Reformen werden folgen.

Fernab von diesen öffentlichen Begebenheiten tragen sich im „Haus des Tiefsinns” des satirischen Autors aus Düsseldorf aber auch private Geschichten zu. Vorgelesen hat Greis die Geschichte von den „verschwundenen Brillen” und wie der Protagonist am Ende selbst das Problem löst anstatt damit zum Arzt zu gehen. Bizarrerweise spielten nämlich seine Lesebrille sowie seine Fernbrille verrückt.

Jedesmal, wenn er sie irgendwo hinlegte, waren sie auch nach kurzer Zeit schon nicht mehr an Ort und Stelle. Nach häufigem verzweifeltem Suchen entschloss er sich zwei Schlafschatullen für sie herzurichten, und in diese bettete er die Brillen jeden Abend mit einem feierlichen Ritual. Seine Freunde behaupten zwar, er sei verrückt, aber immerhin hat sich „sein Befinden erheblich verbessert”, und für die Brillen brauche er nun auch nicht mehr das ganze Haus vergeblich auf den Kopf stellen.

Stets treu dem Motto „Das ist doch krank!” präsentierte Utz Peter Greis als Zugabe einige Sprachspiele und wünschte sich am Ende, „dass wir alle wieder gesund werden.”

Wem die satirische Lesung gefallen hat oder wer Utz Peter Greis Werke kennenlernen möchte, hat im Rahmen der Gemeinschaftsausstellung „Knapp vorbei ist voll daneben” ab dem 29. April ebenfalls im Haus Basten die Gelegenheit dazu. Zu den Ausstellungen wird der vielseitige Künstler mit seinen Cartoonzeichnungen beitragen.
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