Sandhasen: Turbulente Session auch ohne Tollitäten

Von: Wilfried Rhein
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Rassige Showeinlagen auf den Bühnen liefern die drei Tanzgruppen, die den Karnevalisten der „Stöher Sankhase” angeschlossen sind. Wie hier die „Temptations” im Vorjahr bei der Frauensitzung in Stahe. Foto: agsb

Gangelt-Stahe/Niederbusch. „Sankhas höpp!”, ein dreimal kräftiges! Auf den Verein, auf den Elferrat - nur nicht auf die Tollitäten. Die kann der Karnevalsclub aus den östlichen Gemeindeteilen Gangelts in dieser Session nicht aufbieten. Das Präsidium nimmt es nicht tragisch: „Das ist doch klar, wir feiern Karneval auch ohne Prinzenpaar.”

Dieser Spruch ist so überzeugend, dass er jetzt sogar als Sessionsmotto dient. Bis zum kalendarischen Start in die Zeit der Jecken am 11. November haben die „Sandhasen” mit Kandidaten gesprochen, gewartet, gehofft. Ein Prinz, im Paar mit einer Prinzessin, noch mal ein Dreigestirn? Alles Fehlanzeige. Bewerber fanden sich nicht zwischen Stahe und Niederbusch.

„Das liegt garantiert nicht am finanziellen Einsatz”, versichert K.C.-Präsident Theo Lang. Der sei auch in einer langen Session überschaubar. Es mag mehr die Zeit gewesen sein, die man fürs närrische Ehrenamt aufwenden muss, wenn man den Verein repräsentiert.

Beginn mit den „Jonges”

„Aber was tun, bei 18 Mitgliedern?”, bedauert Theo Lang. Denn wer bei den „Stöher Sankhase” das Zepter oder die Pritsche des Prinzen schwingen, sich im Spiegel der Jungfrau erkennen oder den Dreschflegel des Bauern tragen möchte, muss Clubangehöriger sein. Das ist die grundlegende Voraussetzung, und das klappt eben nicht immer. Noch im Vorjahr verkörperten Agnes Friedrichs, Hedwig Eigelshoven und Karin Jendrusch die Symbole.

„Vielleicht ist das jetzt genau die Motivation, die wir fürs nächste Jahr brauchen”, hofft der engagierte Präsident der Karnevalisten, die einen roten Hasen mit geschulterter Schippe im Wappen führen. Der Sandhase ist noch nicht so alt wie das Jubiläum, das der närrische Verein 2012 feiern möchte, das 40-Jährige.

Denn der heutige K.C. betrachtet sich als legitimer Nachfolger des 1972 gegründeten Karnevalsclubs „Löstige Jonges”. Aus dem zunächst knappen Dutzend von Mitgliedern gab es jedes Jahr zwar einen Prinzen für den Doppelort, aber plötzlich nur noch drei Vereinsangehörige bei den lustigen Jungs.

Der Club öffnete sich im Jahr 2000 auch für interessierte Damen. Das klappte, „da gab es ganze Familienzuzüge”, erinnert sich Theo Lang. Die „Jonges” waren nicht mehr unter sich, die Zeit der „Hasen” brach an.

Die zuverlässigen Kräfte aus der Zeit davor sind aber immer noch aktiv, lobt der 55-jährige Präsident beispielsweise Friedel Dahlmanns: „Der ist Ehrenvorsitzender und 70 Jahre alt - und packt immer noch mit an beim Wagenbau und anderen Vorbereitungen.”

Davon gibt es genug für die Vereinsmitglieder. Auch ohne Tollitäten. Denn durch diesen Mangel sollen, siehe Sessionsmotto, die Abläufe von karnevalistischem Frühschoppen - übrigens eine Galasitzung großen Stils - bis zum Preiskostümball nicht leiden. Und auch nicht die traditionellen Besuche bei befreundeten Gesellschaften. Auch ohne prinzliche Mitfahrt hat die Niederbuscher Sandhasen-Freundin Annette Koch-Mingers erneut einen K.C.-Einsatzwagen bereitgestellt.

Demnächst werden wieder Vereinsmitglieder an ihren in Bezirken unterteilten rund 350 Adressen in Stahe und Niederbusch anklopfen. Es ist Zeit für die „Kamelle-Sammlung”: Geschäfte und Haushalte bekommen den aktuellen Sessions-Programmzettel des K.C. und stiften ihren Obolus für den Verein. Die Bitte um „Candies & Chocolate” für das „give-away” im Karnevalszug gibt es sogar in englischer Sprache.

Dieser Rosenmontagszug hat im Vorjahr eine Streckenänderung bekommen. Er ist nun um knapp einen Kilometer kürzer von der Reithalle am Lambert-Schlun-Weg bis zur Staher Kirche rund 2000 Meter unterwegs, dort steht das Festzelt. Denn vor zwei Jahren standen die „Stöher Sankhase” in der Diskussion, ob man die Veranstaltungen von der Halle Goebbels, obschon gebührenfrei, lösen sollte zugunsten eines Festzelts gegen Miete, aber bei eigenem Ausschank. „Es wurde in der Versammlung einstimmig dafür gestimmt, dass wir den neuen Weg gehen, um den Verein für die Zukunft finanziell zu stärken”, erläutert Theo Lang den Wechsel.

Ehefrau verlässt die Bütt

Der K.C.-Präsident, im Beruf Personalsachbearbeiter beim Caritasverband für die Region Heinsberg, darf sich bereits über die Finanzierbarkeit neuer Schutzjacken freuen, in Schwarz mit rotem Namenszug. Auch 18 glänzende massive Halsorden für die K.C.-Mitglieder arrangierte Theo Lang, seit 2003 Schatzmeister und seit Sessionsbeginn 2007 auch erster Mann der Staher-Niederbuscher Gesellschaft. Beim jecken Tun stets unterstützt von Ehefrau Gusti, die leider ihren Abschied als Büttenrednerin erklärt hat.

Aktiv sind und bleiben die drei Tanzkorps der „Sankhase” mit ihren Trainerinnen: die (kleinen) „Secret Shadows” von Marion Eigelshoven, Ruth von Tongelen und Silvia Wolters, die jugendlichen „Temptations” von Caroline Ritterbecks sowie die „Dancing Devils” von Steffi Bierbaum. Mit den mehr als 40 Tänzerinnen lässt sich auf jeder Bühne Staat machen.

Aber keine Prinzessinnen, bedauert Theo Lang. Die jungen Damen sind zwar dem K.C. angeschlossen, aber nicht dessen Mitglieder. Und das ist ja die Voraussetzung in Stahe-Niederbusch, wie der Präsident erinnert. Auch im kommenden Jubiläumsjahr.
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