Säen und Ernten wie zu Zeiten der Großeltern

Von: Jan Mönch
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Hans-Leo Schaps zeigt einige der Erzeugnisse von dem Grundstück in Schinveld, die er auf seinem Hof in Waurichen stehen hat. Die in der Mitte der Plastiktonnen steckenden Mistgabeln, Stücke und Schaufeln sorgen dafür, dass Feuchtigkeit abgeleitet wird. Bei den Jutesäcken ist dies nicht nötig, das Material lässt im Gegensatz zu Kunststoff genügend Feuchtigkeit entweichen. Foto: Jan Mönch
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„Die beiden hängen aneinander“, sagt Hans-Leo Schaps über die beiden Kaltblutpferde Udo (vorne) und Mary. Foto: Jan Mönch

Geilenkirchen. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass Udo und Mary sich darüber im Klaren sind, aber wenn Udo und Mary fressen, dann fressen sie das, was ihre Vorfahren vor Jahrzehnten und Jahrhunderten bekamen. Und für die Ernte wurden keine Maschinen eingesetzt, sondern alte Pflüge und Eggen, gezogen mit Udos und Marys Muskelkraft. Auch das kannten ihre Vorfahren so oder so ähnlich.

Udo und Mary sind zwei Kaltblutpferde, acht und 22 Jahre alt, und ihre Lebensweise hängt in erster Linie mit dem Hobby ihres Besitzers Hans-Leo Schaps zusammen. Schaps lebt in Geilenkirchen-Waurichen auf einem alten Hof und ist an einem historischen Landwirtschaftsprojekt beteiligt. In Schinveld (Niederlande) werden Getreidesorten angebaut, die eigentlich gar nicht mehr ohne Weiteres erhältlich sind. „Wir wollen alte Getreidearten kultivieren, erhalten und weitergeben“, sagt Hans-Leo Schaps, um die 40 Sorten wachsen auf dem sechs Hektar großen Gelände um das kleine Bauernmuseum Nonke Buusjke.

Zu seinem sicher außergewöhnlichen Hobby kam Schaps über die Liebe zu Kaltblutpferden. 2003 legte er sich zum ersten Mal eines der Tiere zu, später war er bei der Gründung der Aachener Kaltblutfreunde dabei. Die wiederum fanden schnell Kontakt zu ihrem niederländischen Pendant. Und 2012 wurde die Stiftung „Historische Landbouw“ gegründet. Dass es eine Stiftung („Stichting“) ist, hat mit dem niederländischen Recht zu tun, „bei uns in Deutschland hätte man wohl einen Verein eintragen lassen“, schätzt Schaps. Die Stiftung besteht aus neun Leuten, unter denen Schaps der einzige Deutsche ist, außerdem gibt es einige gelegentliche Helfer. Und neun Pferde, die darf man nicht vergessen. Vor wenigen Wochen fand die letzte Ernte statt.

Ein Teil des Ertrages steht in Plastiktonnen und Jutesäcken auf Schaps’ Hof, Dinkel zum Beispiel und schwarzer Hafer, außerdem eine Hafersorte, die ungewöhnlicherweise im Herbst gepflanzt werden muss, aber auch einige herkömmliche Getreidesorten.

Den Dinkel, sagt Schaps, habe ein 70-Jähriger für die Stiftung gedroschen, trotz jahrzehntelanger Erfahrung habe der das noch nie zuvor gemacht. Das zeige ja, wie ungewöhnlich der Anbau dieses Getreides heutzutage sei. Dadurch, dass Udo und Mary – unter anderem – diese Getreidesorten dann auch zu fressen bekommen, entsteht ein richtiger Kreislauf.

Das Hobby von Schaps und seinen acht niederländischen Freunden ist mehr als eine ungewöhnliche Freizeitbeschäftigung, sondern auch für Wissenschaft, Naturschutz und Kulturbetrieb interessant. So steht man im Austausch mit der Universität Wageningen, der Organisation Vereniging Natuurmonumenten oder dem Openluchtmuseum Arnhem (Freilichtmuseum Arnheim). Schritt für Schritt ist die Stiftung, an der Schaps sich beteiligt, Teil eines Netzwerkes geworden, dass sich dem Erhalt alter Pflanzen und auch Tiere verschrieben hat.

Dieses Netzwerk dient beispielweise dazu, die Erzeugnisse untereinander auszutauschen. Denn je mehr diese verbreitet werden, desto besser ist das für ihr Überleben. Aus genau diesem Grund wird neben dem Gelände in Sittard auch noch – in deutlich kleinerem Maßstab – auf zwei Privatgrundstücken angebaut. So sichert man sich auch dagegen ab, dass ein Unwetter oder eine hungrige Krähenfamilie womöglich die Vielfalt beeinträchtigt.

Die Wissenschaft, sagt Schaps, interessiere sich wohl auch deshalb für die alten Getreidesorten, weil diese teils robuster und genügsamer sind, als die, die sich in der Massenproduktion durchgesetzt haben. Er gibt aber zu, dass die ganze Sache mit den alten Getreiden für ihn eher ein Nebeneffekt ist. „Mich interessiert viel mehr das Arbeiten nach alter Sitte“, sagt Hans-Leo Schaps. Er ist zwar selbst kein Bauer, sondern arbeitete vor seinem Ruhestand als technischer Planer bei der Telekom, doch die Großeltern betrieben noch Landwirtschaft. „Ich habe das als Kind live miterlebt“, sagt er. Die Begeisterung hat sich bei ihm bis zum heutigen Tage erhalten.

Nicht nur die Kaltblüter Udo und Mary arbeiten also wie ihre Vorfahren, sondern auch Hans-Leo Schaps selbst.

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