Runder Tisch bietet Flüchtlingen Hilfe an

Von: Robert Baumann
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In Geilenkirchen leben aktuell 99 Flüchtlinge, 16 von ihnen kommen aus Serbien und Mazedonien. Asylbewerber von dort können nun laut Gesetz schneller abgeschoben werden. Runder Tisch für Flüchtlingsarbeit bietet seit 20 Jahren konkrete Hilfe. Foto: dpa
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Mitglieder des Runden Tisches für Flüchtlingsarbeit: (v.l.) Pfarrerin Tanja Bodewig, Margret Pauli, Nicole Abels-Schell, Helmi Meisters, Bernhard Kozikowski. Foto: Robert Baumann

Geilenkirchen. 99 Flüchtlinge leben aktuell in Geilenkirchen, Tendenz steigend. 16 von ihnen kommen aus den Balkanländern Serbien und Mazedonien, Flüchtlinge aus Bosnien-Herzegowina gibt es derzeit nicht in der Stadt.

Der Bundesrat hatte in der vergangenen Woche einem Gesetz zugestimmt, das Serbien, Mazedonien und Bosnien-Herzegowina als sichere Herkunftsländer einstuft. Asylbewerber von dort können nun schneller abgeschoben werden. „Die Balkanländer als 'sichere' Länder für Roma einzustufen, trifft nach meinen Gesprächen mit Betroffenen nicht die Wirklichkeit dort“, kritisiert Pfarrerin Tanja Bodewig vom Runden Tisch für Flüchtlingsarbeit in Geilenkirchen das Gesetz.

Um die Zustimmung einer ausreichenden Zahl von Bundesländern für das Gesetz zu erreichen, hatte die Union den Grünen einen Kompromiss angeboten, der die Lebensverhältnisse von Flüchtlingen und Asylbewerbern verbessern soll. „Aus meiner Sicht wäre es angemessener gewesen, diese Verbesserungen im Interesse der Menschen auf den Weg zu bringen. Und nicht als Mittel für einen Gesetzeskompromiss“, sagt Bodewig.

Das Gesetz sieht vor, dass Asylbewerber leichter ihren Wohnort wechseln und eine Arbeit aufnehmen können. Sachleistungen werden zum Teil durch Geldzahlungen ersetzt. Außerdem sollen die Kommunen bei den Kosten für die Unterbringung der Flüchtlinge Hilfe erhalten. „Ich finde es sehr erfreulich, dass sich die Situation von Flüchtlingen insofern verbessern wird, dass sie sich freier in Deutschland aufhalten können und mehr persönliche Spielräume und eigene Gestaltungsmöglichkeiten und Verantwortlichkeiten erhalten“, sagt Bodewig dazu.

Der Runde Tisch für Flüchtlingsarbeit besteht seit 20 Jahren in der Stadt Geilenkirchen, setzt sich für menschenwürdige Lebensbedingungen ein und bietet in Einzelfällen konkrete Hilfe. Zu den Mitgliedern zählen die Stadt, ehrenamtlich Engagierte, evangelische und katholische Kirchengemeinde, Caritas, Diakonisches Werk, Arbeiterwohlfahrt und Parteien. Über die aktuelle Flüchtlingssituation machen sich die Mitglieder viele Gedanken. „Flüchtlinge werden häufig nur unter dem Kostenaspekt gesehen“, kritisiert Helmi Meisters, gemeinsam mit der ehemaligen CDU-Stadtverordneten Margret Pauli Begründerin des Runden Tisches. „Und sie werden nur verwaltet und nicht betreut.“

Dabei würden Flüchtlinge einen Ort auch bereichern, findet sie. Fakt ist: Die Zahl der Asylbewerber in Geilenkirchen steigt rasant. Anfang 2013 lebten 25 Flüchtlinge in Geilenkirchen, aktuell sind es 99. „Ich habe Sorge, dass es ein Zuständigkeitsgerangel gibt, wenn die Zahlen weiter steigen. Ich hoffe, dass dann alles menschenwürdig abläuft. Der Wille der Beteiligten ist da, und die Zusammenarbeit mit Stadt und Verwaltung ist gut“, sagt Pastoralreferent Bernhard Kozikowski.

Untergebracht sind die Flüchtlinge momentan am Limitenweg in Süggerath, in einem Container hinter dem Bahnhof, im städtischen Haus an der Flurstraße, und in der Fliegerhorstsiedlung werden zwei Häuser für die Asylbewerber angemietet. „Wir sind aber weiterhin dringend auf der Suche nach Wohnraum“, sagt Meisters.

Der Runde Tisch für Flüchtlingsarbeit wirbt vor allem für mehr Integration der Flüchtlinge ins Stadtleben. „Ich bin Geilenkirchenerin, und diese Menschen sind meine Mitbürger. Deshalb sollte man auch für sie bürgerschaftliches Engagement zeigen und sich ihren Problemen annehmen“, sagt Nicole Abels-Schell, Gemeindesozialarbeiterin des Caritasverbandes für die Region Heinsberg.

Die Hilfestellungen des Runden Tisches sind vielfältig. Die Flüchtlingskinder werden beispielsweise in die Kindergärten und Schulen gebracht, und Schulmaterial wird zur Verfügung gestellt. Zudem begleiten die Mitglieder die Flüchtlinge bei Arzt- und Behördengängen. „Wenn ein Mensch krank wird, kann man nicht drei Wochen warten, bis klar ist, welche Behörde zuständig ist“, sagt Abels-Schell. „Wir versuchen direkte Hilfe zu leisten.“ So stellt der Runde Tisch den Flüchtlingen auch 30 Fahrräder zur Verfügung, mit denen sie in die Stadt oder zu ihren Deutschkursen fahren können.

In anderen Fällen organisieren die Mitglieder Dinge fürs tägliche Leben, wie beispielsweise eine Wickelkommode, oder helfen bei Umzügen. Ein 16-jähriges Mädchen aus dem Iran, das den schwarzen Gürtel in Taekwondo hat und unbedingt den Sport weitermachen wollte, brachten sie in einem Frelenberger Taekwondo-Verein unter. „Wir wollen die vielen Probleme der Flüchtlinge bekannt machen. Bei uns läuft vieles nach dem Prinzip: Wer kennt wen, der einen kennt“, erklärt Kozikowski.

Arbeitsverbot abschaffen

Was die Ehrenamtler alle gemeinsam fordern, ist die Abschaffung des Arbeitsverbotes für die Flüchtlinge. „Es gibt viele junge Männer, die gerne arbeiten wollen, aber nicht dürfen“, sagt Meisters. Und Abels-Schell ergänzt: „Ich kenne jemanden, der seit vier Jahren in Deutschland ist, richtig gut Deutsch spricht, einen Realschulabschluss gemacht hat, aber nicht arbeiten darf.“

Ob sich durch das neue Gesetz daran etwas verbessert, bleibt abzuwarten. Der Runde Tisch wird unabhängig davon aber engagiert weiterarbeiten. „Wenn ich manche Flüchtlingsfamilien sehe, macht mich das oft sehr traurig, und ich fühle mich hilflos. Es gibt noch so viel zu tun“, sagt Bodewig.

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