Gangelt-Birgden - Ruhige, dezente Mandolinen- und Gitarrenklänge

Ruhige, dezente Mandolinen- und Gitarrenklänge

Von: Johannes Gottwald
Letzte Aktualisierung:
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Für Dirigentin Christel Haak und ihr Orchester gab es für das großartige Konzert stehende Ovation und stürmischen Beifall. Foto: Johannes Gottwald

Gangelt-Birgden. In der St. Urbanus-Kirche funkelten bereits die Christbäume, als Christel Haak den Taktstock hob, um mit dem Konzert des Mandolinenorchesters „Wandervogel“ zu beginnen. Dabei hätte man angesichts des ungewöhnlich milden Wetters eher von einem Frühlingskonzert sprechen können, aber die Kirche war bis auf den letzten Platz mit einem Publikum gefüllt, dass sich auf die kommenden Weihnachtstage einstimmen wollte.

Und die Besucher kamen in jeder Beziehung auf ihre Kosten: Gleich die einleitende „Fantasia alpine“ aus der Feder des italienischen Spätromantikers Giacomo Sartori setzte ein glanzvolles Signal. Wie der Titel schon andeutet, beschreibt aus dem Trentino stammender Komponist in diesem Werk seine Heimat.

Dies geschieht in Form von blühenden, weit gespannten Melodien und einer mit vielen Modulationen und chromatischen Durchgängen angereicherter Harmonik, die deutlich an Schubert, Brahms und Verdi gemahnt. Mit anderen Worten: Ein ziemlich anspruchsvolles Werk, das jedoch von den „Wandervögeln“ überaus souverän gemeistert wurde. Lateinamerikanische Tänze klangen auf in der dreisätzigen „Suite Latina“ von Klaus Schindler, wobei Kalle Kontio für die rhythmische Untermalung sorgte.

Auftritt mit Kantele

Aber nicht nur er, sondern auch seine übrige finnische Familie sollte im weiteren Verlauf des Abends noch öfter in Erscheinung treten. Zunächst aber führte die „Rhapsodie Tzigane“ in die ungarische Pußta. Obwohl das Werk aus der Feder eines Italieners entstammt (Mario Maciocchi), stellt es eine nahezu perfekte Stilkopie dar – es könnte auch von Liszt oder Léhar geschrieben worden sein. Dann folgte der erste Auftritt des finnischen Ehepaares Matti und Sinikka Kontio, wobei das Publikum mit einem finnischen Nationalinstrument, der Kantele, Bekanntschaft machte. Technisch gesehen ähnelt die Kantele der mitteleuropäischen Zither, klingt aber weitaus dezenter und feiner.

Bei dem deutschen Volkslied „Süßer die Glocken nie klingen“ konnten Matti und Sinikka Kontio ihren beiden Instrumenten unwirklich zarte, fast schon sphärische Klänge entlocken. Fast banal wirkte danach der Zuckowski-Schlager „In der Weihnachtsbäckerei“, wobei aber die klanglich sehr interessante schwedische Tastengeige eingesetzt wurde und die kleine Saara Kontio mit einem bemerkenswert klangreinen Violin-Solo die Melodieführung übernahm.

Bei der Filmmusik „Let it go“ aus „Die Eiskönigin“ traten dann alle Mitglieder der Familie Kontio auf den Plan. Mit dem Preludio „Canestro di fiori“ war noch ein weiteres Sartori-Werk im Programm vertreten. Ruhige, dezente Mandolinen- und Gitarrenklänge zeichneten ein musikalisches „Blumenkästchen“, wie es die Überschrift angekündigt hatte.

Prächtiges Soloduett

In die Karibik entführte das schwungvolle „Feliz Navidad“, dessen Komponist J. Feliciano keineswegs aus Spanien, sondern aus Puerto Rico stammt. Mit einem prächtigen Soloduett gefielen Enni Kontio und Peter Schlitt bei dem Gesang „Gib einem Kind die Hand“. Beim Weihnachtspotpourri „Im Lichterglanz“ klangen viele bekannte Weisen auf, bei denen manche Zuhörer leise mitsummten: „O du fröhliche“, „Ihr Kinderlein kommet“ und „Stille Nacht“ waren darin sicher die bekanntesten „Ohrwürmer“. Den Abschluss bildete dann die melodisch wie rhythmisch sehr elanvolle „Petersburger Schlittenfahrt“, bei der man sich sehr anschaulich eine Spritztour durch eine russische Winterlandschaft vorstellen konnte.

Am Ende gab es stürmischen Beifall und sogar stehende Ovationen für das Orchester, die Solisten und natürlich die Dirigentin Christel Haak, die in monatelanger sorgfältiger Probenarbeit wieder ein großartiges Konzert auf die Beine gestellt hatte. Selbstverständlich gab es noch eine Zugabe – das amerikanische Genrestück „White Christmas“ – in Anbetracht der Außentemperaturen freilich ein frommer Wunsch. Trotzdem fand der anschließend an die Besucher ausgeschenkte Glühwein reißenden Absatz.

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