Rücktritt: CDU-Spitze kehrt der Partei den Rücken

Von: Jan Mönch
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Theresia Hensen ist ab sofort nicht mehr Parteivorsitzende der Geilenkirchener CDU, Wilhelm-Josef Wolff (Mitte) tritt als ihr Stellvertreter zurück und wird nach mehr als zweieinhalb Jahrzehnten nicht mehr die CDU-Fraktion im Rat anführen. Bernd Krückel (links), Vorsitzender des Heinsberger CDU-Kreisverbandes, hatte sich noch vor wenigen Tagen deutlich gegen entsprechende Forderungen aus CDU-Kreisen ausgesprochen. Foto: Jan Mönch

Geilenkirchen. Die Woche nach der Bürgermeister-Stichwahl in Geilenkirchen endete mit dem größtmöglichen Knall: Am Freitagmittag gaben die Parteivorsitzende Theresia Hensen sowie ihre drei Stellvertreter Wilfried Kleinen, Leonhard Kuhn und Wilhelm-Josef Wolff bekannt, dass sie ihre parteipolitischen Ämter niederlegen und geschlossen aus der CDU austreten.

Ihre Mandate im Rat, als Ortsvorsteher (Hensen und Kuhn) sowie stellvertretender Bürgermeister (Kuhn) wollen sie jedoch behalten. Ferner ist Markus Holländer nach Informationen unserer Zeitung als Ortsvorsteher von Gillrath zurückgetreten.

Der Rücktritt der CDU-Führung ist die Konsequenz aus den monatelangen Querelen innerhalb der Partei. Damit verbunden war die Niederlage bei der Bürgermeisterwahl, bei der der parteilose, aber von der CDU aufgestellte Ronnie Goertz gegen den Einzelbewerber Georg Schmitz in der Stichwahl deutlich unterlegen war. Die Mitglieder des CDU-Verbandes hatten sich zum Teil geweigert, den eigenen Kandidaten zu unterstützen. Das Wahlergebnis war auch als Protest gegen die etablierte Politik und hier insbesondere die mächtige CDU in Geilenkirchen gedeutet worden. 

In der gemeinsamen Pressemitteilung erhebt die bisherige Vorstandsspitze schwere Vorwürfe gegen die Mitglieder Barbara Slupik, die bereits vor der Wahl als Pressesprecherin zurückgetreten war, sowie gegen Beisitzer Karl-Peter Conrads.

Deren „in die Öffentlichkeit getragenen Vorwürfe, Behauptungen und Titulierungen“ gegen Theresia Hensen und Ronnie Goertz seien „haltlose und verletzende Behauptungen, die sich niemand bieten lassen muss“. Obgleich der Stadtverbandsvorstand am Mittwoch die Vertrauensfrage einstimmig positiv beantwortet habe, sehe man „keine rückhaltlose Unterstützung“.

Slupik und Conrads indes hatten noch Anfang der Woche Hensens Rücktritt gefordert.

Offen ist, was die Personalien für die zukünftige Arbeit im Rat bedeutet. Wilfried Kleinen schloss am Freitag gegenüber unserer Zeitung nicht aus, dass man zu viert eine eigene Fraktion gründen werde. Überdies steht der CDU-Verband am Beginn einer neuen Zeitrechnung: Wilhelm-Josef Wolff war zweieinhalb Jahrzehnte lang Fraktionsvorsitzender und galt auch als der starke Mann in der CDU insgesamt.

Krückel spricht von „Heckenschützen“

Der CDU-Kreisvorsitzende und Landtagsabgeordnete Bernd Krückel hat sich mit teils drastischen Worten zum Parteiaustritt der Geilenkirchener Ortsverbandsspitze geäußert. Für ihn bestehe kein Zweifel daran, dass die Christdemokraten Barbara Slupik und Karl-Peter Conrads der Partei „bewusst, gezielt und nachhaltig“. Schaden zugefügt hätten. Bei dem gescheiterten CDU-Kandidaten Ronnie Goertz hingegen bedankte er sich. Dieser könne sicher „nur entsetzt darüber sein, dass wir ihn vor Heckenschützen aus den Reihen der CDU nicht schützen konnten“. Das Ansehen der Geilenkirchener CDU sei „vermutlich irreparabel geschädigt“ worden.

Erfahrungen in ähnlichen Fällen, so Krückel weiter, zeigten leider, dass ein Vorgehen gegen Slupik und Conrads vor einem Partei-Schiedsgericht keinen Erfolg haben würde. Der Kreisvorstand werde keinesfalls einfach zur Tagesordnung überzugehen. Theresia Hensen, die nun zurückgetretene Vorsitzende, wandte sich unterdessen in einer persönlichen Mail an einen Kreis von CDU-Mitgliedern. „Die Vorkommnisse der vergangenen Wochen und Monate haben mich zutiefst bestürzt und verletzt“, schreibt Hensen darin. „Die Werte, die die Christlich Demokratische Union verkörpern soll, wurden durch Handlungen und Äußerungen einiger weniger Parteimitglieder, die ebenfalls dem Parteivorstand und der Fraktion angehören, missachtet und geschädigt.“

Weiter spricht Hensen von gezielt öffentlicher „Verleumdung, Hetze und Angriffen“. „In tiefstem Herzen war und bin ich ein Teil dieser Partei, sehe mich aber nicht mehr in der Lage, diese nach außen zu vertreten“. Auch Wilfried Kleinen sagte zu unserer Zeitung, dass „wir im Herzen Christdemokraten bleiben“. „Nur stellen wir uns christdemokratische Arbeit eben völlig anders vor. Wir konnten damit nicht mehr umgehen.“ 

Völlig offen ist, was die Personalien für die zukünftige Arbeit im Rat bedeutet. Wilfried Kleinen schloss am Freitag gegenüber unserer Zeitung nicht aus, dass man zu viert eine eigene Fraktion gründen werde. Überdies steht der CDU-Verband vor dem Beginn einer neuen Zeitrechnung: Wilhelm-Josef Wolff war zweieinhalb Jahrzehnte lang Fraktionsvorsitzender und galt auch als der starke Mann in der CDU insgesamt.

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