Geilenkirchen - Romantische Lesung zwischen Pferden und Heuballen

Romantische Lesung zwischen Pferden und Heuballen

Von: Renate Kolodzey
Letzte Aktualisierung:
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Frank Rimbach, Beatrix Hötger-Schiffers, Heidi Hensges, Heike Dahlmanns und Kurt Lehmkuhl (v.l.n.r.) lasen in einer schummrig beleuchteten Scheune zwischen Pferden, Heuballen und Traktoren aus ihren Werken. Foto: Renate Kolodzey

Geilenkirchen. „Romantische Geschichten unterm Sternenhimmel“ in Kraudorf sollten es werden, doch es wurden „Romantische Geschichten unterm Scheunendach“. Dahin war die Veranstaltung kurzerhand verlegt worden, nachdem es den ganzen Tag vom Himmel nur so geschüttet hatte.

Die Scheune gehört der Familie von Beatrix Hötger-Schiffers, die zusammen mit Heidi Hensges, Heike Dahlmanns, Frank Rimbach und Kurt Lehmkuhl – allesamt Autoren aus der Region – eine Lesung an einem besonderen Ort bestreiten wollte. Doch nicht nur der Veranstaltungsort war ungewöhnlich – auch die Zeit, denn die Darbietung startete erst zwei Stunden vor Mitternacht.

Die Zuhörer waren gebeten worden, ihre Sitzgelegenheiten mitzubringen, und viele hatten auch warme Decken im Gepäck – eben alles, was man braucht für einen langen Abend. Lehmkuhl charakterisierte das Innere des großen, hohen Raumes mit Strohballen und Leitern sowie die Stimmung, die sich automatisch einstellte, treffend mit den Worten: „Man sieht niemanden hier, weil es so dunkel ist, das ist spannend – eine ‚schräge‘ Atmosphäre!“ Allerdings hörte man ab und an das kräftige Schnauben und Prusten von zwei Pferden, die friedlich in einem abgetrennten Bereich in einer Box standen.

Lehmkuhl erklärte: „Auf dem Friedhof in der Mittsommernacht zu lesen ist schön, das haben wir gemacht – und so sind wir auf die Idee gekommen, etwas Ähnliches in Kraudorf zu arrangieren. Wir fünf kennen uns alle von einem Schreibkurs an der VHS, haben die ‚Selfkant-Geschichten‘ zusammen geschrieben. Die Einnahmen dieses Abends gehen an das Hospiz in Erkelenz.“ Er stellte die einzelnen Autoren kurz vor: Beatrix Hötger-Schiffers aus Kraudorf sei bekannt durch Krimis und Lyrik, Heidi Hensges aus Hülhoven schreibe an einem Liebesroman, Heike Dahlmanns aus Gangelt mache Lyrik, und Frank Rimbach aus Erkelenz sei in vielen Genres zu Hause und organisiere unter anderem die „Open-Stage-Bühne“ in seiner Heimatstadt. Lehmkuhl selbst – Autor, VHS-Dozent, ehemaliger Redakteur und Herausgeber von Geschichten – veröffentlichte bisher mehr als 20 Bücher und wohnt ebenfalls in Erkelenz.

Rund 50 Gäste warteten gespannt auf den ersten literarischen Leckerbissen – und bekamen ihn serviert von Heidi Hensges: Ein Gedicht über den Mond mit dem Titel „Insomnia“ – Lateinisch für „Schlaflosigkeit“ – das für Amüsement sorgte. Frank Rimbach schloss sich an mit einer nachdenklich stimmenden Erzählung von ungewöhnlichen Menschen, die trotz ihrer Besonderheiten von allen gemocht wurde. Der Autor verstand es, das Publikum zu fesseln – las mal laut, mal leise, dazu eindringlich und geheimnisvoll.

Inzwischen war es stockdunkel in der Scheune, und bis auf wenige flackernde Kerzen auf dem Tisch, an dem die Autoren saßen, sowie in großen, auf dem Boden stehenden Laternen gab es kein Licht. Die Autoren nahmen Taschenlampen zu Hilfe, um überhaupt ihre Texte lesen zu können, und Lehmkuhl hatte sich eine Stirnlampe übergestreift, die an einen Höhlenforscher erinnerte. Das Unheimliche wurde noch verstärkt durch Geräusche: Wenn in der Dunkelheit die Pferde heftig schnaubten, lief es manch einem kalt über den Rücken, da man im ersten Moment nicht realisierte, woher das Geräusch kam. Von draußen erinnerten in enormer Lautstärke quakende Frösche eines nahen Teiches daran, dass die Lesung, wie ursprünglich geplant, „mitten in der Natur“ stattfand.

Nichtsdestotrotz bezauberte Heike Dahlmanns die Gäste gefühlvoll mit Worten wie „Es entspannt sich meine Seele“ ihres romantischen Gedichts „Streublumenwiese“, während Beatrix Hötger-Schiffers augenzwinkernd von „Freddy auf Freiersfüßen“ berichtete, der in einem Lokal eine peinliche Überraschung erlebt. Lehm-kuhl streute spontan zwei Gedichte ein: „Man glaubt es kaum, der Gatte, den sie hatte, fiel vom – Baum!“ und „Die Leiter, die ihn tragen sollte, kippte um – weil sie es wollte!“, ehe er in einer seiner Geschichten preisgab, wie ein Mann im Urlaub eine wundersame Begegnung hatte und dadurch von seiner Krankheit genas.

Noch viele Gedichte und Erzählungen erfreuten in dieser Nacht die Zuschauer, wofür sie sich zwischendurch und am Schluss mit vehementem Applaus bei den fantasiereichen Autoren bedankten. Lehmkuhl konstatierte: „Es ist toll, hier in diesem kleinen Dorf so viele Zuhörer zu haben – in Köln wären ganz sicher nicht mehr gekommen. Kraudorf ist also das ‚Zentrum der Literatur‘!“

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