Gangelt - Ritterspiele in Gangelt: Mit „Met” und Kettenhemd ins Nachtlager

Ritterspiele in Gangelt: Mit „Met” und Kettenhemd ins Nachtlager

Von: Karl-Heinz Hamacher
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Die Ritter und Gefolge kommen!
Die Ritter und Gefolge kommen! Gangelt stand am Wochenende ganz im Zeichen des dritten Ritterfestes mit über 400 Teilnehmern und vielen Tausend Besuchern. Es gab mehr Platz als früher aufgrund des Umzugs an den Ortsausgang Richtung Hastenrath.. Foto: Karl-Heinz Hamacher

Gangelt. Mit der dritten Auflage scheint sich das Ritterfest in Gangelt etabliert zu haben. Mehr als 400 Darsteller in diversen Heerlagern, Handwerker, Gaukler und manch obskures Volk boten den Gästen einen bunten Ausschnitt aus dem Leben vor rund 500 Jahren.

Hatten die Gangelter vor Wochenfrist beim zweiten Mercatorvortrag von Lutz Vorbach noch gelernt, wie düster, fortschrittsfeindlich und menschenverachtend diese Periode in Wirklichkeit war, so stellte das Ritterfest auch das einfache Leben, Arbeiten und Lieben der Bürger dar. Wenn da nicht die Herrschaften in ihren Blechbüchsen, Kettenhemden und schweren Stiefeln wären, die - damals wie heute - keiner Prügelei aus dem Weg gehen. Ist kein Grund zum Streiten da, wird einer gesucht.

Diesmal war es eine holde Maid, die zwischen die Ritterfronten geriet, und an ihr wurde nicht nur als „Hexe von Gangelt” ein denkwürdiger Einblick in die Arbeit der mittelalterlichen Justiz zeigt. Sie war auch der Grund dafür, warum das Ganze am Ende wie so oft in einer prächtigen Keilerei ausartete.

Manche Besucher sahen erschreckt, viele mit Bewunderung, wie täuschend echt die Kampfszenen mit schweren Streitäxten, Morgensternen oder massiven Schwertern ausgetragen wurden. Dabei muss immer bedacht werden, dass an beiden Veranstaltungstagen herrliches Sommerwetter herrschte und die schweren Rüstungen keinen atmungsaktiven Goretex-Anteil enthalten.

Das war eben noch nicht erfunden, aber es wurde ein Junge geboren, dessen Fähigkeiten als Geograph die Welt verändern sollten. Gerhard Mercator feiert in diesem Jahr seinen 500. Geburtstag und war auch Bestandteil des Ritterfestes. Bürgermeister Bernhard Tholen, als Knappe gewandet, wies darauf in seiner Begrüßung hin und konnte den Rittern knapp 80 Gäste aus der Partnergemeinde Rupelmonde in Belgien vorstellen; einem Ort, von dem aus Mercator später nach Löwen und Duisburg gehen und berühmt werden sollte. Bürgermeister Antoine Denert, ein Mann, der mit seinen wallenden Bart bestens ins Mittelalter gepasst hätte, hatte die Stadträte Irene Gorrebeeck und Frans van der Meiren mitgebracht.

Die klassischen Gastgeschenke wurden ausgetauscht, und dann kam ein bewegender Moment, als Bürgermeister Bernhard Tholen von den belgischen Gästen ein über 20 Meter langer Schal überreicht wurde, „der die Freundschaft zwischen den Menschen aus Gangelt und Rupelmonde auf ewig wärmen soll”, so Irene Gorrebeeck. Ein ähnlicher Schal hängt in Rupelmonde von einem Turm herunter, und Bernhard Tholen versprach, in Gangelt einen ähnlich markanten Platz für das Geschenk zu finden.

„Das ist ja kein schlechter Platz hier, um sich auf die Einnahme von Gangelt vorzubereiten”, richtete sich der Bürgermeister an das Heer der Ritter und erinnerte daran, dass man sich nun nicht mehr vor den Toren am Burgturm befindet, wo die ersten beiden Feste ausgetragen wurden, sondern auf der anderen Seite des Ortes, an der deutlich mehr Platz angeboten werden konnte.

Dieser Platz war auch nötig, denn alleine jedes der 26 Heerlager hatten neben dem Hauptzelt oft noch ein Dutzend Schlafzelte zusätzlich. Fein säuberlich parzelliert fand man da in teils friedlicher Eintracht die Hammersteiner Ritterschaft neben den Rittern der Alemannen, dem Teplum Colonia oder derer von Wolf Ritter von Eckbertstein. Auch Gruppen aus den Niederlanden und Belgien waren vor Ort.

Veranstalter dieses für die Gäste kostenfreien Ritterfestes ist die Gemeinde Gangelt. Hier ist Gerda Piepers verantwortlich. Ein Großteil Organisation wurde von Thorsten Zeise, einem der Ritter-Schildwächter zu Gangelt, erledigt. Thorsten Zeise und Gerda Piepers wurden von Bernhard Tholen ebenso geehrt wie die Stadtführerin Monika Tholen, die ebenfalls am Fest beteiligt war, wie auch Albert Baeumer, der mit seinen Videos (www.ritterfest-gangelt.de) zum Gelingen des Festes beigetragen hat.

Während es am Tage die diversen publikumsträchtigen Aktivitäten rund um das Rittertum zu bestaunen gab, war es am Abend das herrliche Bild des von hunderten Fackeln dezent beleuchteten Zeltdorfes, das sich vom Farbenspiel der untergegangen Sonne abhob. Da feierten viele Ritter und ihre Gäste aus nah und fern aber schon eine Erfindung aus dem Königreich Bitburg: „Met” in praktischen Dosen.
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