Rimburg droht ab 2016 der Ausschluss vom Busnetz

Von: Markus Bienwald
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Der Bus kommt – noch. Geht es allerdings nach den niederländischen Verkehrsplanern, würde die Linie 23 zwischen Übach-Palenberg und Landgraaf im Jahr 2016 eingestellt. Foto: Markus Bienwald

Übach-Palenberg/Landgraaf. Jacques-Michel Bloi ist sauer. Da gibt es eine – auf deutscher Seite vielleicht unbekannte – Buslinie 23, die einmal stündlich dafür sorgt, dass das 600-Seelen-Dorf Rimburg am Rand zur deutschen Partnerstadt Übach-Palenberg an die Umgebung angeschlossen bleibt. Er selbst nutzt sie regelmäßig, wie auch die umliegenden Zugverbindungen. Aber da gibt es einen auf zehn bis 15 Jahre angelegten Plan für den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV), der vorsieht, diese Linie 23 wieder abzuschaffen.

„Den Bus gibt es seit 2006, davor gab es bis 1998 gar keinen ÖPNV bei uns“, sagt Michel, wie er hier von allen angesprochen wird, über sein Dorf. Er kennt hier jeden Stein, erzählt im Vorübergehen die Geschichte der alten Schule, die vor einigen Jahren abgebrannt ist und noch auf die vom Investor versprochene Umgestaltung in ein Appartementhaus wartet.

Er weiß auch von den Leerständen, die sich entlang der Hauptverkehrsstraße ein wenig wie Perlenketten aufreihen. Er weiß als Mitarbeiter der Provinz Limburg aber auch genau darüber Bescheid, dass hier die Menschen – wie auf der anderen Seite der Grenze auch – immer älter werden und dass die Bedeutung des ÖPNV im Rahmen des demografischen Wandels wieder zunehmen wird.

„Von Seiten der Verkehrsplaner wird argumentiert, dass nur 20 Menschen pro Tag diesen Bus nutzen“, sagt Bloi und zuckt mit den Schultern. Für ihn sind diese statistischen Zahlen nicht nachvollziehbar. Was er aus den vielen Gesprächen mit Menschen aus dem Dorf und auch mit Busfahrern allerdings weiß, ist, wie wichtig diese Verbindung als Nabelschnur für die immer weiter konzentrierten Versorgungsstrukturen gerade in ländlichen Gebieten ist.

„Die Menschen brauchen diesen Bus“, sagt er und hat deswegen eine Internet-Petition zum Erhalt der Linie 23 gestartet (s. Kasten). „Eine Busverbindung gab es zwischen 1998 und 2006 gar nicht“, sagt Bloi, und in dieser Zeit sei die Verbindung sehr vermisst worden. Vor allem auch der Anschluss an das deutsche Bahnnetz über den Palenberger Bahnhof und das niederländische Schienennetz über Landgraaf und Heerlen würde dann fehlen.

Schicksal für Roda-Städte?

„Wenn man Menschen von Regierungsseite aus auffordert, immer mehr Eigeninitiative zu zeigen, muss man auch die Möglichkeiten dazu bereithalten“, sagt der 26-Jährige, der auch für einige Zeit im niederländischen Regierungssitz in Den Haag gearbeitet hat und daher weiß, wie Politik funktioniert.

Zehn bis 15 Jahre Planungsvorlauf für den ÖPNV sind da normal, und wenn die Linie 23 in Rimburg stirbt, gibt es für die Menschen vor Ort für viele Jahre keine Verbindung mehr nach Heerlen, Landgraaf oder eben Übach-Palenberg. „In Zeiten des stets propagierten europäischen Gedankens ist das schon sehr bedenklich“, drückt sich Michel sehr diplomatisch aus.

Ein ähnliches Schicksal ist übrigens auch für die Linie 30 als grenzüberschreitendes Verkehrsmittel zwischen den Roda-Städten Herzogenrath und Kerkrade vorgesehen. Doch für Bloi dreht sich momentan alles um die Petition zum Erhalt der Linie 23. Fünf Minuten dauert derzeit eine Fahrt zu den deutschen Nachbarn und zurück. „Sollte die Linie sterben, müssen Menschen, die nach Heerlen wollen, einen gut einstündigen Umweg mit mehrfachem Umsteigen in Kauf nehmen, auch nach Übach-Palenberg wird das so kommen“, weiß Bloi.

So möchte er zwei Dinge erreichen: zum einen auf die Verkehrspolitik im östlichsten Zipfel der Niederlande hinweisen, zum anderen auch die grenzüberschreitende Verbindung bekannter machen. „Da der Bus mit Taxi-Schriftzug herumfährt, aber tatsächlich ein öffentlicher Bus mit festem Fahrplan ist, wird er von deutscher Seite oft fälschlicherweise als Taxi wahrgenommen“, so Bloi zu einem weiteren Problem.

Dazu wünscht er sich, dass die Fahrpläne auch an allen Halten des grenzüberschreitenden Busprojektes immer aktuell sind. „In der Vergangenheit waren die Pläne schon mal falsch, was natürlich potenzielle Fahrgäste abschreckt“, sagt er. Und er hofft, dass seine Mitte Februar zu schließende Petition nicht nur viele Unterstützer, sondern auch Gehör bei den Verkehrsplanern findet. Sonst könnte für die Einwohner in Rimburg künftig der letzte öffentliche Verkehrsstrohhalm fehlen.

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