Richter-Schülerin stellt in evangelischer Kirche aus

Von: Christina Kolodzey
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Dagmar Hiltenkamp und ihr Mann Volkhard Papenberg posieren vor den Gemälden „Tag“, „Mensch“, „Nacht“ im Pavillon der evangelischen Kirche. Foto: Christina Kolodzey

Geilenkirchen. „Du sollst dir kein Bildnis machen“, war der Gottesdienst überschrieben, den Pfarrerin Tanja Bodewig anlässlich der sogenannten Sommerkirche hielt. An sechs Sonntagen wird hierbei jeweils um 10 Uhr ein Gottesdienst für die ganze Region gefeiert und das Motto des Themenjahres 2015, „Bild und Bibel“, aufgegriffen.

Die Pfarrerin wies darauf hin, dass dies eine besondere Feier sei, da im Anschluss daran die Ausstellung „Gott ist“ im Rahmen der Aktion „Bild und Bibel“ eröffnet werde. Hierzu sind in einem Pavillon drei Bilder der Geilenkirchener Malerin Dagmar Hiltenkamp ausgestellt, die zur stillen Betrachtung einladen.

Die Gemälde stellen laut Bodewig den Morgen und den Abend dar, und inmitten der beiden Bilder sei die Darstellung eines Menschen auf der Erde zu sehen, der von einem wunderbaren Licht umgeben sei, das vom Himmel aus die Erde berühre. „Den allerstärksten Eindruck, den wir vom mittleren Bild im Pavillon haben, ist ein freier, lichter Raum. Wir als Betrachter sollen diesen Raum selbst füllen – mit dem, was wir erahnen und fühlen können von Gottes Gegenwart“, legte Bodewig den zahlreich erschienenen Besuchern ans Herz und wies darauf hin, dass dienstags und sonntags jeweils zwischen 11 und 16 Uhr eine Ansprechperson vor Ort sei.

„Ich wollte immer schon eine kleine Kapelle bauen“, verriet Dagmar Hiltenkamp, die seit 1990 als freie Künstlerin arbeitet. So habe sie das Projekt „Gott ist“ gerne in Angriff genommen, als Pfarrerin Anne Lungová sie darauf ansprach. Seit Januar dieses Jahres habe sie an den Gemälden gearbeitet, ebenso an den Entwürfen für den Pavillon, wofür sie sogar ein kleines Modell anfertigte, damit die ortsansässige Schreinerei Hartwig Bardenhewer die Wände gemäß ihrer Vorstellungen fachgerecht gestalten und zusammenbauen konnte, was hervorragend gelungen sei. Tatkräftig sei sie auch von ihrem Mann Volkhard Papenberg unterstützt worden, der die Wände schwarz gestrichen und beim Schleppen und Aufstellen in der Kirche nahe dem Eingangsbereich geholfen habe.

Im Pavillon – mit zwei Bänken zum entspannten Verweilen – sei so ein Andachtsraum innerhalb des großen Kirchenschiffs entstanden: klein und intim, symbolisch für unseren eigenen inneren „Seelenraum“, Konzentration und Stille initiierend als Gegenpol zur oft hektischen Außenwelt.

Auch zu den Gemälden hat sich die Künstlerin Gedanken gemacht. In ihnen stellt sie die Lebenssituation des Menschen bildhaft dar: Vom Morgen, dem aufgehenden Licht und Beginn unseres Lebens mit all seinen verheißungsvollen Möglichkeiten, bis zum Abend, dem Verschwinden des Lichts und dem Abschied. Dazwischen sehen wir den Menschen auf einem Hügel in einer senkrechten, weißen Farbfläche stehend, die an beiden Seiten von dunklen Flächen begrenzt wird. Er kehrt dem Betrachter den Rücken zu, ist letztlich allein und doch aufgehoben im göttlichen Licht. Die Bilder „Morgen“ und „Abend“ sind mit Ölfarbe teils in Orange- und Rottönen gemalt, wohingegen die Künstlerin für das Bild „Mensch“ Ölkreide gewählt hat, da sie, wie sie erklärt, hiermit die Strukturen gut herausarbeiten konnte.

Der Kontrast zwischen Hell und Dunkel und der Wechsel von flächigen und zeichnerischen Elementen bringt Dynamik in die Bildfläche, was die Gefühle und Gedanken versinnbildlicht, die den Menschen bewegen. An der renommierten staatlichen Kunstakademie Düsseldorf war Dagmar Hiltenkamp übrigens Schülerin von Gerhard Richter, dessen Werke auf dem Kunstmarkt bekanntlich als die teuersten eines lebenden Künstlers gehandelt werden.

Auch ihre Gemälde im Pavillon sind käuflich zu erwerben. Die Reaktionen der Gäste sind durchweg positiv. Inge Keller-Herings (57) hat sich vorgenommen, später nochmal herzukommen „wenn nicht so viele Leute da sind“. Sie findet, eine Kirche sollte „ein Raum sein, wo besondere Sachen stattfinden können“. Manfred Rose (65) gab jedoch zu: „Ich war zuerst erschrocken von der Größe des Pavillons, doch innen ist es sehr angenehm, denn der Raum ist klein, man kann sich auf die tollen Bilder einlassen, abschalten und nachdenklich werden.“

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