Richard Riediger mit Kunst- und Kulturpreis ausgezeichnet

Von: Markus Bienwald
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Im Beisein seiner Lebensgefährtin Renate Lehnen nahm Richard Riediger von Bürgermeister Wolfgang Jungnitsch den Kunst- und Kulturpreis der Stadt Übach-Palenberg entgegen. Foto: Markus Bienwald

Übach-Palenberg. Wenn gleich vier Redner einem Menschen dessen eigenes Leben im Zeitraffer präsentieren, hier und da stoppen, um an markanten Punkten etwas weiter auszuholen, und dann zum Schluss kommen, dass das Lebenswerk dieses einen Menschen der Allgemeinheit etwas gebracht hat, dann kann man schon einmal sentimental werden.

Und so unterdrückte der inzwischen siebte Träger des Kunst- und Kulturpreises der Stadt Übach-Palenberg, Richard Riediger, am Sonntag bei der Preisverleihung im würdigen Rahmen von Schloss Zweibrüggen seine Gefühle auch nicht. Vielmehr ließ er die Tränen hier und da kullern, blickte mit seinen wachen Augen in die Runde und suchte immer wieder den Kontakt zu seiner steten Begleiterin Renate Lehnen.

Worte des Dankes oder überhaupt eine Ansprache hatte Riediger wohl auch aus gesundheitlichen Gründen für die rund 60 Gäste nicht dabei. Und trotzdem schaffte er es, Anker im Gedächtnis nicht nur der Festredner zu hinterlassen. So dachte Thomas Pennartz als Vertreter der Kreissparkasse Heinsberg laut darüber nach, wie ein Besuch in Riedigers Wohnhaus und Sammlung in Palenberg seinen Blick auf die Welt nachhaltig verändert hat. „Ich bin danach mit ganz anderen Augen durch die Welt gelaufen“, sagte er.

„Ich kenne nur einen Menschen, der sich über eine Gewitterwarnung freut“, ergänzte Thomas Giessing von der Volksbank Heinsberg und spielte damit auf die weltberühmte Blitzsammlung des Preisträgers an. „Sie zeigen mit Ihrer archäologischen Privatsammlung, wie wichtig es ist, die Vergangenheit zu kennen, um die Gegenwart zu verstehen“, unterstrich Bürgermeister Wolfgang Jungnitsch.

Ihm und dem Team des Rathauses um Martina Waliczek vom Kulturbüro gelang eine perfekte Feierstunde. Bis hin zur von Frank Ollertz meisterhaft interpretierten Musik war alles ideal auf den Preisträger zugeschnitten. So passte der ausgewählte Titelsong zur Zeichentrickserie „Lucky Luke“ perfekt zur Persönlichkeit des Palenberger Heimatforschers.

Der kantigen Cowboy-Figur nicht unähnlich, ließ sich Riediger nie in seiner Leidenschaft für die Historie der Region und vor allem für die Liebe zur Teverener Heide stören. Wie Laudator Willi Goertz eindrucksvoll in einem rund 20-minütigen Vorschlag darstellte, erbte Richard Riediger das Interesse für die Historie, das Suchen nach Spuren der Vergangenheit und das Bewahren der sonst vergessenen Geschichte und Geschichten von seinem Vater. „Ihre Urkunden sind aus Stein, nicht im Museum oder einem Archiv gefunden“, so Goertz.

Der schlug den gedanklichen Bogen von den Stein gewordenen Denkmälern der Welt zu den Denkmälern, die schon zu Lebzeiten eine Legende sind, wie Richard Riediger. Die Musik unterstrich dies mit „All Things You Are“, denn es waren vor allem die unzähligen Steinzeitfunde, die Riediger für eine Zeit lang zum im Wortsinn steinreichen Mann machten.

Mehr als 100.000 Stück waren es schon einmal, darunter beispielsweise Faustkeile, die Siedlungsgeschichte bis über 200.000 Jahre zurückverfolgbar machten. Und bis zu zwei Meter lange Blitzröhren waren es, die Riediger mit Engelsgeduld in der weitläufigen Heide aufspürte, ausgrub und so sichtbare Zeugnisse eines ultrakurzen Lichtintervalls dauerhaft konservierte.

Zu Fuß oder wie früher so oft mit dem Rad kann sich der Preisträger zwar nicht mehr auf den Weg machen, aber seine Augen ließen durchblicken, dass die Leidenschaft für die Historie der Heimat und für Blitze ihn wohl nie mehr verlassen werden. Einen Kommentar zu einer möglicherweise verpassten Chance, dieses in den 1990er-Jahren mit dem Rheinlandtaler gewürdigte Engagement in einem Museum in der Stadt nachhaltig zu platzieren, gab es an diesem Festtage zwar nicht. Wohl aber eine wie Bürgermeister Jungnitsch unter dem Applaus der Besucher sagte, „angemessene Würdigung“ dessen, was Riediger ohne wissenschaftliche Ausbildung in Sachen Heimatgeschichte geleistet hat.

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