Rewe-Markt schließt: „Das ist der letzte Sargnagel für Palenberg“

Von: Markus Bienwald, Jan Mönch und Georg Schmitz
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Noch gehen im Palenberger Rewe Waren über´s Band. In rund drei Wochen ist damit Schluss. Der gute Teil der Nachricht: Keiner der Beschäftigten verliert seine Arbeit. Foto: Georg Schmitz (2), Markus Bienwald

Übach-Palenberg. Wilfried Dohmen lässt es nicht an Deutlichkeit fehlen. „Der letzte Sargnagel“ für Palenberg sei eingeschlagen. Alte Menschen müssten wohl demnächst mit ihren Rollatoren zum Bahnhof oder gar zu Fuß zu den Einkaufszentren in Übach oder Marienberg pilgern, um sich mit Lebensmitteln zu versorgen, prophezeit der Bauunternehmer.

Der Grund für seinen Ärger: Am 5. April schließt der Rewe-Markt in Palenberg seine Pforten. Und Dohmen, Eigentümer der Immobilie, sieht die Nahversorgung für die Menschen in Palenberg dahinschwinden. Dabei habe der Konzern zugesichert, dass der Markt in Palenberg neben dem großen Rewe im neuen Einkaufszentrum erhalten bleibt.

Es ist längst nicht der erste Rückschlag, den Palenberg als Geschäftszentrum hinnehmen muss. Wer weiter zurückblättert, erinnert sich an das längst geschlossene Kaufhaus KaDeCe, ebenso gab es in Zeiten des noch nicht genormten Ladenmaßes einen Aldi mitten im Zentrum. Laufkundschaft brachte auch die ehemalige Tankstelle, die Filiale von Schlecker ist seit der Insolvenz des Konzerns verschwunden. Der Plus ist von der einstigen Nähe zum Palenberger Zentrum auch schon vor vielen Jahren abgerückt und hat schon vor der Umfirmierung in Netto ein Stück weiter an der Peripherie Palenbergs niedergelassen – verkehrsgünstig gelegen zwar, aber ohne direkten Anschluss an die übrige Geschäftswelt.

Die Liste der Einzelhändler, die in Palenberg früher einmal Rang und Namen hatten, ist noch länger, darunter waren bei Marketingexperten so gern als „zentrumsrelevant“ bezeichnete Branchen wie Mode, Uhren und Schmuck, Unterhaltungselektronik, Computer oder auch Dienstleister vertreten. Selbst einen Möbelhändler gab es einmal in unmittelbarer Nähe zum (noch) Geschäftszentrum genannten Ortsteil. Nur vereinzelt füllen Filialisten oder betont billige Anbieter die Lücken. Interessenten an Geschäftsfläche gibt es kaum.

Recht gelassen bleibt in der Sache Frank Fischer, Betreiber des Rewe. Er nämlich zieht ganz einfach dorthin um, wo sein Vermieter Dohmen die Wurzel des Ungemachs wähnt: Wenige Tage nach der Schließung des Rewe in Palenberg wird Fischer als Betreiber der größeren Filiale im Einkaufszentrum am Wasserturm seinen Einstand geben. Auch die Belegschaft braucht sich nicht zu fürchten: Jeder einzelne Mitarbeiter, verspricht Fischer, zieht mit ihm um. Sein jetziger Markt, und das sei kein Palenberger Phänomen, habe einfach zu wenig Fläche gehabt, um sich in der knallharten Branche zu halten. Dennoch sei es natürlich richtig, dass die Situation durch die Ermöglichung von Konkurrenz bedingt sei.

Und genau das bringt Dohmen auf die Palme. Bei der Vorstellung des Lidl-Marktes in Marienberg habe die Stadt argumentiert, dass man es den älteren Menschen nicht zumuten könne, von Marienberg über die Wurmtalbrücke nach Palenberg zum Einkaufen zu laufen. Genau dies, nur in die entgegengesetzte Richtung, solle aber nun von den Palenberger Bürgern in Kauf genommen werden.

Wenn nun Anfang April das Einkaufszentrum am Wasserturm öffne und auch noch der Rewe im Mühlenhof schließe, sei zu befürchten, dass sich in Palenberg gar nichts mehr abspiele. Dohmen hat für das Großprojekt selbst die Tiefbauarbeiten erledigt. Allerdings unter der Prämisse, dass etwa der Rewe hierdurch nicht in Gefahr gerate. Nun fühlt er sich hinters Licht geführt. Denn auch eine dm-Filiale werde er als Mieter verlieren. „Dabei hätte ich den Bebauungsplan verhindern können.“

Wilfried Dohmen ist sich sicher, dass es zu weiteren Schließungen kommen wird – nicht zuletzt auf Kosten der Senioren in der Stadt, deren Mobilität bekanntlich mit zunehmendem Alter nachlässt. Die Nahversorgung sei dann auf keinen Fall mehr gewährleistet. Der letzte Sargnagel für Palenberg sei nun eingeschlagen worden. Er fragt: „Was versteht man hier eigentlich unter Stadtmarketing?“

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