Geilenkirchen - Reuven Moskovitz: Unermüdlicher Mahner für den Frieden

Solo Star Wars Alden Ehrenreich Kino Freisteller

Reuven Moskovitz: Unermüdlicher Mahner für den Frieden

Von: Renate Kolodzey
Letzte Aktualisierung:
11229052.jpg
Hans Stenzel, Mitglied der evangelischen Kirchengemeinde und Reuven Moskovitz im Dialog mit dem Publikum im Evangelischen Gemeindezentrum. Foto: Renate Kolodzey
11229101.jpg
Das neue Buch von Reuven Moskovitz „Ein Leben für Gerechtigkeit, Liebe und Wahrheit“. Foto: Renate Kolodzey

Geilenkirchen. Gerade erst in diesem Sommer hat der jüdische Autor und Träger des internationalen Aachener Friedenspreises Reuven Moskovitz sein neuestes Buch veröffentlicht, mit dem er einen erneuten Versuch unternimmt, den Menschen die Augen vor den aus seiner Sicht immensen Ungerechtigkeiten in Israel zu öffnen.

 Dieses schwierige Thema, bei dem sich Kritiker und Anhänger Israels unversöhnlich gegenüberstehen, erschwert es Unbeteiligten, neutrale Informationen zu bekommen. Moskovitz, ein scharfer Kritiker der Politik des gegenwärtigen israelischen Ministerpräsidenten Netanjahu, wird von seinen Anhängern als glaubwürdig eingestuft, da er selbst Jude ist und zudem Überlebender des Holocaust.

Im Gemeindesaal der evangelischen Kirchengemeinde hatten sich die Interessierten versammelt. Hans Stenzel, Mitglied der Kirchengemeinde und langjähriger Freund des 87-jährigen Schriftstellers, begrüßte die Gäste zur Lesung aus dessen „brandneuem Buch“, und dankte Pfarrerin Tanja Bodewig „dass wir hier sein dürfen“.

„Du bist jetzt drei Tage in dieser Stadt“, richtete er das Wort an Moskovitz, „und zu drei verschiedenen Terminen unterwegs, gönnst dir keine Ruhepause.“ Der Träger des Aachener Friedenspreises sei „getrieben von der Suche nach Gerechtigkeit“, und seine Dynamik, immer wieder darauf hinzuweisen „mit diesem Weg, den wir gehen, wird es nie Frieden geben“ habe nicht nachgelassen.

„Ich bin sehr dankbar, hier sein zu dürfen“, ergriff der aus seiner Heimat Israel angereiste Autor das Wort, „ich bin kein Prophet und auch nicht der Sohn eines Propheten, doch ich vergesse nicht, was passiert ist und nie wieder passieren darf. Unsere Minister sagen: nie vergessen und nie verzeihen, doch ich sage: nie vergessen, aber verzeihen.“

„Wieso sind wir so kalt? Weshalb entfremden wir uns voneinander? Berthold Brecht meinte, wenn wir uns nicht anders entwickeln, könne etwas passieren, womit niemand rechne, und Albert Camus beklagte, der Dialog zwischen den Menschen sei abgebrochen, es sei eine endlose ‚Verschwörung des Schweigens‘. Was ich mein ganzes Leben lang tue, ist dagegen anzukämpfen.“

Blickt besorgt in die Zukunft

Moskovitz, der seit Mitte der 70er Jahre Jahr für Jahr Deutschland bereist, sieht besorgt in die Zukunft: „Zwei Drittel unseres Volkes hat überlebt, und wir haben einen erfolgreichen Staat aufgebaut, doch heute können die Waffen Israels jede Ecke der Welt gefährden – wir sind ein gefährlicher Staat geworden. Macht kann Menschen soweit verführen, dass sie sich selbst zerstören, auch, wenn sie dies nicht glauben. Das beste Beispiel sind die beiden Weltkriege: Was hat die Staaten dazu getrieben? Maßlosigkeit.“

„Wir leben im Terror von Ideologien – Syrien ist das Ergebnis dieser Arroganz – doch in dieser Welt kann man auch in Frieden leben. Worte sind stärker als Kugeln? Worte sind leider oft nur Parolen. Die Demokratie, die Freiheit, sogar die Erdkugel sehe ich in Gefahr. Die Frage ist: Was lernen wir aus der Vergangenheit? Einen dritten Weltkrieg darf sich die Menschheit nicht leisten.“

Er betont: „Das Wichtigste sind Herz und Frieden. In Israel ist Frieden, ‚Schalom‘, fast ein Schimpfwort geworden. ‚Wer will Frieden?‘, fragt man dort, ‚das ist etwas für Schwächlinge‘. Wir Juden waren am Rande des Abgrundes, doch die Frage ist: Was lernen wir daraus? Es sind nur noch wenige Minuten vor zwölf‘. Empörungsschreie kommen nur von wenigen Menschen. Wollen wir lieben oder hassen? Hass macht krank – Liebe heilt. Die Menschen wollen nicht hinter Mauern leben. Dies ist meine Botschaft.“

Nach diesem ausführlichen Statement las der Autor einige Passagen aus seinem Werk, dessen Titel deutlich machen soll: Israel muss auf der Basis der Gerechtigkeit den Weg des Friedens gehen, die politisch Verantwortlichen müssen ihre Verantwortung einlösen.

Im anschließenden Dialog mit seinem Publikum konstatierte er: „Ich bin am Ende meines Lebens und lebe nur noch, weil ich den Optimismus nicht aufgebe, meinem Volk zu sagen: Ihr seid auf dem Irrweg. Nicht die Stärke des Militärs ist die Sicherheit für Israel, sondern der Dialog mit den Nachbarn, den Palästinensern.“

Die sichtlich beeindruckten Zuhörer verabschiedeten Moskovitz mit lang anhaltendem Applaus.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert