Retten kleine Löschzwerge die Feuerwehr?

Von: Katrin Fuhrmann
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Den Ernstfall üben: Die Jugendfeuerwehr Übach-Palenberg probt regelmäßig die Abläufe, damit bei Einsätzen auch alles nach Plan läuft. Foto: Markus Bienwald
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Blicken mit geschmischten Gefühlen auf das neue Gesetz: Armin Pennartz und Michael Meyer von der freiwilligen Feuerwehr Geilenkirchen. Foto: kf

Geilenkirchen. NRW will in einem neuen Feuer- und Katastrophenschutzgesetz, das noch in diesem Jahr im Landtag verabschiedet werden soll, die Einrichtung von Kinderfeuerwehren ermöglichen. Künftig sollen so bereits sechs- bis zehnjährige sogenannte „Löschzwerge“ Erste-Hilfe-Grundlagen und das richtige Verhalten im Brandfall erlernen.

Eine Entscheidung, die auch die Feuerwehren in Geilenkirchen, Gangelt und Übach-Palenberg begrüßen. „Es ist wichtig, die Kinder früh an die Feuerwehr zu binden und ihr Interesse für diesen Beruf zu wecken“, sagt der Leiter der Freiwilligen Feuerwehr Geilenkirchen, Michael Meyer. Konkret hieße das aber: Man müsse ein pädagogisches System erarbeiten, das den Kindern gerecht werde. Man dürfe sie nicht überfordern und müsse sie langsam an das Thema Feuerwehr heranführen. Das könne beispielsweise spielerisch in Form von Bastelarbeiten und mit Puzzles passieren – natürlich auf einem einfachen und leicht verständlichen Niveau.

Die Freiwillige Feuerwehr Geilenkirchen ist zurzeit gut aufgestellt. In den drei Abteilungen seien zurzeit rund 400 freiwillige Feuerwehrleute ehrenamtlich tätig. Somit kann die Feuerwehr Geilenkirchen zwar nicht klagen, aber an interessiertem Nachwuchs fehle es dennoch. „Wir haben zur Zeit knapp 40 Jungen und Mädchen, die sich in der Jugendfeuerwehr engagieren“, sagt Meyer. Das sei zwar eine erfreuliche Anzahl, man hätte trotzdem mit dem Nachwuchsmangel zu kämpfen. Es sei eben nicht einfach, Jugendliche für diese Arbeit zu begeistern.

Die Gründe dafür liegen laut dem stellvertretenden Leiter der Feuerwehr Geilenkirchen, Armin Pennartz, auf der Hand. „Die Freiwillige Feuerwehr bekommt Konkurrenz durch Vereine und den Ganztagsunterricht in der Schule. Jugendliche überlegen sich zweimal, ob sie der Feuerwehr beitreten sollen oder ob sie ihre freie Zeit lieber anders gestalten wollen“, sagt er. Doch zumindest in einer Sache kann man sich sicher sein: Entscheiden sich junge Mädchen und Jungen einmal für die Feuerwehr, bleiben sie auch dabei.

90 Prozent der Jugendlichen würden auch nach Vollendung des 18. Lebensjahres bei der Freiwilligen Feuerwehr in Geilenkirchen bleiben – aber die wenigsten wollen das ehrenamtliche Hobby zum Beruf machen.

In Gangelt sieht die Situation ähnlich aus. Man sei zwar momentan mit 180 aktiven Einsatzkräften gut ausgestattet, aber Nachwuchs werde händeringend gesucht. Rund 40 Kinder und Jugendliche zwischen zehn und 18 Jahren bilden zurzeit den Nachwuchs für die Einsatzabteilung.

„Das Eintrittsalter der Jugendfeuerwehr wurde zu Beginn des Jahres von zwölf Jahren auf zehn Jahre gesenkt. Eine weitere Senkung und somit die Gründung einer Kinderfeuerwehr ist aktuell nicht vorgesehen“, sagt Oliver Thelen, Pressesprecher der Feuerwehr Gangelt. Man wollte erst einmal die Jugendfeuerwehr weiter ausbauen und fördern, ehe man sich diesem Thema widme.

Die einzige Schwachstelle, mit der die Feuerwehr Gangelt derzeit zu kämpfen hat, sei die Besetzung innerhalb der Woche: An Werktagen sei man tagsüber nicht optimal besetzt. Denn nur wenige der 180 aktiven Feuerwehrangehörigen arbeiten in der Gemeinde Gangelt. „Die Schutzziele konnten zeitweise nicht rechtzeitig erreicht werden. Die Erkenntnis darüber hat dazu geführt, dass man im Juli dieses Jahres die Alarm- und Ausrückordnung (AAO) angepasst hat“, sagt Thelen. Heißt konkret: Werktags werden bei kritischen Einsätzen acht Löscheinheiten alarmiert.

Die Freiwillige Feuerwehr Übach-Palenberg hat zurzeit etwa 120 aktive Feuerwehrleute und ist laut Wehrleiter Detlef Mäntz technisch gut aufgestellt. Die Jugendfeuerwehr hat etwa 35 Kinder und Jugendliche im Alter von zehn bis 17 Jahren.

Die Nachwuchsarbeit laufe zufriedenstellend. Allerdings bedauert Mäntz, dass Quereinsteiger immer seltener werden. Ebenso begrüße er zwar die Idee der „Löschzwerge“, aber er weiß auch, dass die Umsetzung schwierig werden könnte, da es in den Entwürfen des Gesetzes heißt, dass für die Betreuung geschultes Personal vonnöten wäre. „Da müssen wir erst einmal schauen, ob wir das leisten können“, sagt Mäntz.

Nach Angaben von NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) führt die älter werdende Gesellschaft auch bei der Freiwilligen Feuerwehr zu personellen Engpässen. Die Kinderfeuerwehren seien eine gute Möglichkeit, die Kleinsten frühzeitig für die Feuerwehr zu begeistern.

Weitere Schwerpunkte des neuen Gesetzes sind zudem die Aufwertung des Katastrophenschutzes und die Stärkung des Ehrenamtes.

So erhalten Kreise die Möglichkeit, den Kreisbrandmeister nicht wie bisher nur im Ehrenamt, sondern hauptberuflich zu beschäftigen. Das „Gesetz zur Neuregelung des Brandschutzes, der Hilfeleistung und des Katastrophenschutzes in NRW (BHKG)“ – eine Novellierung des Gesetzes für Feuerschutz und Hilfeleistungen (FSHG) – findet in Gangelt ebenfalls Zustimmung. Schließlich sei es in enger Zusammenarbeit mit den Verbänden erarbeitet worden. „Ein weiterer wichtiger Punkt des Gesetzes ist aber auch die Verankerung der gegenseitigen landesweiten und auswärtigen Hilfe. Im Rahmen der vorgeplanten überörtlichen Hilfeleistung beteiligt sich auch die Gemeinde Gangelt mit Mannschaft und Fahrzeugen an Hilfseinsätzen in NRW wie zuletzt in Essen und Münster“, sagt Thelen. Das neue Gesetz setze die Hilfeleistung noch einmal auf eine andere Stufe.

Derzeit gibt es in NRW 15 000 hauptamtliche und 84 000 freiwillige Feuerwehrleute.

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