Restauration von St. Marien: Vom Desaster zum Glücksfall

Von: Andrea Schever
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Vertreter aus den sieben Pfarreien trugen gemeinschaftlich die Fürbitten vor. Foto: Andrea Schever
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Architekt Axel Schlimm erläuterte die Ideen bei der neuen Gestaltung der Kirche. Unter anderem, warum die Apostelfiguren nun weiß sind.

Geilenkirchen. „Es ist geschafft!“ Besser konnte Hans Nijs vom Pfarreirat wohl nicht auf den Punkt bringen, was die zahlreichen Gäste am Eröffnungstag der sanierten Kirche St. Mariä Himmelfahrt im Stadtzentrum am Sonntag dachten. „Was zunächst als Katastrophe angesehen wurde, erwies sich als Glücksfall“, sagte er weiter, „die Kirche neu zu gestalten.“

Nijs verwies dabei auf den Gedanken des Zweiten Vatikanischen Konzils, dessen Bestrebungen unter Papst Johannes XXIII. und Papst Paul VI. ein „aggiornamento“, eine (pastoralen und ökumenischen) Erneuerung der Kirche war. Die Kirche muss sich der realen Welt und ihren Bedürfnissen anpassen – ob nun als Gesamtes oder als einzelnes Bauwerk.Und so wurde nach dem Brand auch in Geilenkirchen darauf geachtet, was die Gemeinde braucht und wie man dies zeitgemäß, aber auch unter Berücksichtigung des Gegebenen realisiert.

Der Tag der großen Wiedereröffnung begann mit einer Eucharistiefeier am Vormittag. Die Gäste waren so zahlreich erschienen, dass viele noch hinter den voll besetzten Sitzbänken stehend verweilen mussten. Die wohl größte Veränderung in der Kirche fiel allen sofort ins Auge: Die Verlagerung des Altars in die Mitte der Schiffe, direkt unter die Kuppel auf einer eine Stufe hohen Insel. Eingerahmt von einem runden Leuchter kam der helle Altar aus hohlem Stahl ideal zur Geltung. Auch ein in gleicher Optik gehaltener Ambo und ein Taufbecken stehen im Zentrum.

Thematisch im Mittelpunkt stand an diesem feierlichen Tag die Communio, die Gemeinschaft der Gläubigen. Ihre Verbundenheit ausdrückend, hatte Pfarrer Peter Frisch Vertreter aus allen sieben Geilenkirchener Pfarreien eingeladen, um diese Eröffnungsmesse mitzugestalten. Sie lasen die Fürbitten vor und platzierten die aus ihren Pfarren mitgebrachten Kelche auf dem Altar, um sie für die spätere Kommunionsausteilung zu nutzen.

Die Gemeinschaft betonte auch das Vaterunser, bei dem sich die Gläubigen an den Händen hielten und gemeinsam beteten. Zudem führte Pfarrer Frisch eine neue Ordnung beim Austeilen der Kommunion ein: Die Gläubigen stellen sich in einer Reihe vor den jeweils vordersten Sitzbänken auf und verweilen dort, bis alle in der Reihe ihre Kommunion erhalten haben. Ob diese Ordnung so angenommen und sich etablieren wird, muss die Zeit zeigen, doch verdeutlichte sie sehr schön den Charakter des Tages.

Im Anschluss an die Eucharistiefeier waren alle Gläubigen in den Pfarrsaal der Oase eingeladen, um bei einer warmen Mahlzeit ins Gespräch zu kommen und sich für den späteren offiziellen Festakt zu wappnen.

Bei diesem Festakt konnten sich die Gäste eine Einführung aus verschiedenen Blickwinkeln in die neu gestaltete Kirche geben lassen. Nach der Begrüßung durch Hans Nijs vom Pfarreirat und Ansgar Lurweg vom Kirchenvorstand kam Architekt Axel Maria Schlimm zu Wort. Er hatte, gemeinsam mit seinen Kollegen Matthias Paulssen, Andreas Klinkenberg, Andreas Römner die Entwürfe für die Sanierung St. Mariens geliefert.

In angenehm lockerer und verständlicher Art erklärte er den Anwesenden, auf welche Grundlage sie zu Beginn der Arbeiten trafen, welche Ideen sich herausbildeten und mit wie sie diese dann umsetzen. Auch erklärte er, dass Änderungen wie zum Beispiel am Altar dem Wunsch geschuldet waren, diesen jederzeit zugunsten anderer Nutzung beiseite schieben zu können. Das Farbschema der Kirche wurde von Ocker, Gelb und Weiß in die Töne Grau, Blau und Weiß geändert. Dem hellen Raum passte man dann auch die zwölf Apostelfiguren an: Sie wurden komplett weiß gestaltet – mit Blick auf mögliche zukünftige Umgestaltungen ist dies allerdings leicht rückgängig zu machen.

Der für die Sanierung verantwortliche, abgebrannte Beichtstuhl im linken Teil der Kirche ist noch nicht wieder ersetzt worden. Derzeit verdeckt eine weiße Wand das Loch, aber, so erklärte Architekt Schlimm bei seiner Ansprache, dort soll ein Ersatz aufgestellt werden, in dem zugleich noch die Gesangsbücher untergebracht werden können. Das neben der Brandstelle hängende Bild des Kreuzweges, Station fünf, sei wegen der gravierenden Schäden nicht mehr so herzustellen, wie es einmal war. Der nun dort hängende Ersatz könne ein Mahnmal für das in der Kirche Geschehene sein. Dass die Kirche nun deutlich anders aussieht, ist nicht zu leugnen. Und ein „neues Sichverlieben“ in den Kirchenraum, so sagte Pfarrer Frisch, sei für manch einen wohl nötig.

Musikalisch begleitet wurde der Festakt vom Jülicher Bläserensemble Juliacum Brassers und Kantor Bernd Godemann an der Orgel. Während dieser ersten Veranstaltungen gab es noch kleine Tonprobleme, über die die Gäste jedoch hinwegsahen, da zu bedenken war, dass die Anlage erst zwei Tage zuvor eingerichtet wurde.

Die Liste derer, denen von den unterschiedlichen Rednern an diesem Tag gedankt wurde, war lang und umfasste von den großen Organisatoren bis hin zu den einzelnen fleißigen Handwerkern, die die Kirche in den vergangenen Monaten hergerichtet haben, viele Personen. Ihnen allen verdankt Geilenkirchen die in neuem Glanz erstrahlende Pfarrkirche St. Mariä Himmelfahrt, in die nun wieder der Alltag einkehren kann.

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