Reserveflächen für Friedhöfe gut kalkuliert

Von: Wilfried Rhein
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Zwischen Kirche und Friedhofshalle liegt in Gangelt der Platz, auf dem die Urnenwände errichtet worden sind. Die Nachfrage steigt; Heinz-Gerd Trepels (r.) kennt die Kapazitäten und kann die Wandblöcke variabel vorhalten. Auch die übrige Reserveflächenverwaltung, so Beigeordneter Gerd Dahlmanns (l.), funktioniert.

Gangelt. Die Gemeinde sieht sich nicht in Platznot. Der Wandel in der Bevölkerungsdichte und deren Altersstruktur wird zwar in der Verwaltung aufmerksam verfolgt, die Veränderungen hier jedoch sind kommod. Die Konsequenzen daraus treffen auch einen der endgültigen Punkte kommunaler Vorsorge: die Bereitstellung von Grabflächen.

Beim Stichwort Friedhofsunterhalt ist Gangelt ein Beispiel für Flexibilität. Mit einer auf Jahrzehnte ausgelegten Flächennutzung haben die Gangelter im Gegensatz zu anderen Kommunen kein Problem damit, vorzeitig erworbene oder ausgewiesene Reservegrundstücke abstoßen oder umwidmen zu müssen, zu Bauland vielleicht oder für kommunale Aufgaben. Denn es gibt sie nur in geringem Umfang. Damit wird der Gebührenhaushalt der Gemeinde geschont, weil keine überflüssigen Ausgaben für den Unterhalt der Areale anfallen.

Acht kommunale Gräberfelder beaufsichtigt Heinz-Gerd Trepels vom Gangelter Friedhofsamt seit vielen Jahren. Er kann in Zahlen nennen, wie sich das Bestattungswesen mit der Zeit auch im dörflich-konservativen Umfeld verändert hat. In den ersten sechs Wochen diesen Jahres sind in der Verwaltung 22 Sterbefälle beurkundet worden. Die folgenden Beisetzungen fanden in zwölf Fällen nach Einäscherungen in der Urne statt.

Der Zeitraum ist zwar nicht repräsentativ, Fakt ist aber der unter die Hälfte gesunkene Prozentsatz der klassischen Erdbestattungen. Und die erkennbaren Trends unterstützen die Annahme eines Kulturwandels, der nicht nur von Angehörigen eingeleitet wird, sondern vielmehr von den Lebenden - teils testamentarisch - verfügt wird. Im Jahr 2008 wurden von den 106 Verstorbenen 36 ins Krematorium gebracht. Schon 39 waren es nach 101 Sterbefällen im Zeitraum 2009. In den Jahren zwischen 1992 und 2002 haben nach den Aufzeichnungen von Heinz-Gerd Trepels insgesamt 23 Urnen-Beisetzungen in der Gemeinde stattgefunden.

Auf allen acht Friedhöfen der Gemeinde sind die möglichen Bestattungsformen anwendbar. Für die Urnen: in der Wand oder in der Stele, in Bodenlage von Beton umschlossen mit einer Namensplatte oder eine Aschenkapsel im anonymen Grabfeld unter Rasen. Eine in Mode gekommene Beisetzungsform, weil in der Pflege unaufwändig und folglich kostenerträglich.

Selbst das Verstreuen von Totenasche ist seit knapp zwei Jahren auf Gemeindegebiet möglich. Auf dem Friedhof in Breberen, so bietet die Friedhofsverwaltung an, ist eine heckengeschützte Nische dafür reserviert. In der Umwälzung der Beerdigungsriten - unbenommen der Zeremonien der Kirchen und Glaubensgemeinschaften auf Wunsch Angehöriger - sieht Heinz-Gerd Trepels eine Konsequenz: „In fünfzig Jahren wird wohl keine Erdbestattung im Sarg mehr möglich sein.”
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