Renaturierung der Wurm: Zurück zum Ursprung

Von: Jan Mönch
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Alles im grünen Bereich? Auf den ersten Blick ja. Die starren Ufer und der – relativ – gerade Verlauf der Wurm haben jedoch eher wenig damit zu tun, wie der Fluss einst im natürlichen Zustand aussah. Fotos (3): Jan Mönch Foto: Jan Mönch
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Die Wurm – beziehungsweise die entlang ihres Ufers verlaufenden Wege – sind bei großen und kleinen Radsportlern beliebt. Daran wird auch die Renaturierung des Flüsschens nichts ändern. Foto: Jan Mönch
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Die Pläne für den Bereich Burg Trips stehen. Gebietsingenieur Erfried Lorenz (links) und Sprecher Marcus Seiler vom WVER haben mit Heinsberg-Porselen bereits den nächsten Wurm-Abschnitt ins Auge gefasst. Foto: Jan Mönch

Geilenkirchen. Die Barbe wird sich freuen. Da sind der Wasserverband Eifel-Rur (WVER) und die Kölner Bezirksregierung sich einig. Und überhaupt sollen Flora und Fauna sich wieder so entwickeln, als hätte der Mensch nie in den Verlauf der Wurm eingegriffen.

Fast zumindest. „Hundertprozentig kriegt man den natürlichen Zustand selbstverständlich nicht wieder hin“, sagt WVER-Gebietsingenieur Erfried Lorenz. Das ist schon deshalb nicht möglich, weil die Wurm ja durch diverse Städtchen verläuft. Am Flussabschnitt im Bereich Burg Trips wird sich aber in nächster Zeit einiges ändern. Genau 1,024 Millionen Euro hat die Bezirksregierung für die Renaturierung des rund 840 Meter messenden Teils der Wurm bewilligt.

Dies entspricht 80 Prozent der voraussichtlichen Kosten. Im Laufe des kommenden Jahres sollen die Maßnahmen abgeschlossen sein. Jogger, Spaziergänger, Radler und vor allen Dingen die Barbe als Leitfischart finden dann einen geschlängelten Fluss vor anstatt einen – mehr oder weniger – schnurgeraden Fluss wie im Moment noch. Neben der Barbe werden auch die Bestände von Schmerle, Rotauge, Döbel, Gründling und vielen weiteren Arten sich erholen.

Dazu trägt auch das Entfernen sogenannter Sohlgleiten bei – dabei handelt es sich um künstliche Neigungen im Flussbett –, die die Fische in ihrem Bewegungsraum einschränken. Die Bezirksregierung spricht bereits von einem Anglerparadies. Wichtigster Punkt des Plans ist aber, ein neues Flussbett auszuheben und den Lauf der Wurm ein gutes Stück in Richtung Martin-Heyden-Straße zu verlegen. Das alte Bett wird kurzerhand mit dem ausgehobenen Erdreich zugeschüttet.

Der bei Hundebesitzern und Radsportlern gleichermaßen beliebte Spazierweg, der vom Krankenhaus St. Elisabeth aus entlang des jetzigen Verlaufs der Wurm in Richtung Trips führt, bleibt trotzdem erhalten – dank zweier neuer kleiner Brücken, unter denen die Wurm dann hindurchplätschert. Außerdem wird die bestehende Brücke zwischen Martin-Heyden-Straße und der Burg erneuert. Auch einige Tümpel sollen sich da bilden, wo zurzeit eine saftig grüne Wiese das Bild prägt.

Die jüngsten Überschwemmungen, die vor einigen Wochen noch dem Altenheim bei Burg Trips bedrohlich nahe kamen, sind übrigens kein direkter Auslöser für die Bewilligung der Fördermittel. Denn die Pläne für die Renaturierung des Wurm-Abschnitts sind schon älter. Gleichwohl spielt der Hochwasserschutz eine gewisse, wenn auch gegenüber dem Naturschutz untergeordnete Rolle.

Negative Folgen der in den Jahrzehnten nach dem Krieg begradigten Flussläufe sind nämlich, dass die Flüsse schneller fließen, eine geringere Strecke zurücklegen und sich in ihren engen Flussbetten nicht ausbreiten können. Davon abgesehen sind stärkere Neigungswinkel ein Resultat, wodurch das Wasser abermals schneller fließt. Dabei ist es durchaus gewünscht, dass die Wurm bei extremen Regenfällen wie zuletzt über die Ufer tritt – nur eben so, dass sich die Ausbreitung des Wassers unter Kontrolle halten lässt. Der Bereich Burg Trips eignet sich dafür laut WVER gut.

Aus heutiger Sicht ist vieles, was in vergangenen Jahrzehnten mit Deutschlands Flüssen angestellt wurde, eine Umweltsünde. Allerdings hatte man in der Nachkriegszeit wohl auch andere Sorgen als das Wohlbefinden von Fischarten oder gar Insekten. Problematisch sei jedoch auch gewesen, erklärt WVER-Sprecher Marcus Seiler, dass früher in Sachen Flussbewirtschaftung ein gewisses „Kirchturmdenken“ vorgeherrscht habe.

Anders als heute seien so jeweils eigene Einrichtungen für obere, mittlere und untere Wurm verantwortlich gewesen. Dabei liegt es ja in der Natur der Sache, dass das, was flussaufwärts geschieht, sich auch auf die flussabwärts gelegenen Gemeinden und Anwohner auswirkt. Der WVER denkt, plant und wirkt heute ganzheitlich.

Ein kleines lokales Vorhaben ist das Unternehmen Wurm-Renaturierung nicht. Ganz im Gegenteil: Die Renaturierung ist Teil der Wasserrahmenrichtlinien, mit deren Umsetzung die Europäische Union ihre Mitgliedsstaaten beauftragt hat. In ganz Europa also werden Flüsse Abschnitt für Abschnitt möglichst nahe an ihren natürlichen Zustand gebracht.

Das ist nicht immer unproblematisch, weiß Marcus Seiler. Belgien etwa müsse erst einmal die Leistungsfähigkeit seiner Kläranlagen verbessern, um die Richtlinien umsetzen zu können. Und in Spanien kollidieren die Vorgaben der EU mit einem nationalen Wasserentwicklungsplan, der vorsah, das Wasser des Ebro zur Bewässerung der südlichen Landesteile zu nutzen.

Verhältnismäßig unkompliziert gestaltet sich da das Unternehmen Wurm-Renaturierung, das ja auch schon einige Etappen hinter sich hat. So wurde die Renaturierung eines vergleichbar langen Abschnitts bei Zweibrüggen bereits im vergangenen Jahr abgeschlossen. Das gefiel nicht nur den heimischen Fischen, sondern auch Badegästen besonders gut. Das nun seichte Wasser machte es möglich. Hinterlassener Abfall sorgte manches Mal für gerümpfte Nasen, Anwohner schlugen gar eine Einzäunung des Gebiets vor. So weit kam es jedoch nicht.

Übrigens wurde im Hause WVER auch schon der nächste Wurm-Abschnitt ins Auge gefasst, bei dem es zurück zur Natur gehen soll: Dieser liegt in Heinsberg-Porselen. Bis die Sache ganz konkret wird, schätzen Lorenz und Seiler, schreiben wir allerdings bereits 2016 oder 2017.

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