Reichspogromnacht: Ein Baum für das Gedenken

Von: Markus Bienwald
Letzte Aktualisierung:
13426873.jpg
Hetty Falkenstein, Josef Backhaus vom Initiativkreis „Stolpersteine“, Gangelts Bürgermeister Bernhard Tholen und Eddy Falkenstein (v.l.) pflanzten den Erinnerungsbaum. Foto: Markus Bienwald
13426877.jpg
Schüler der Gesamtschule in Gangelt trugen ihrer Gedanken zum Leben eines Baumes vor.

Gangelt. Die Verlegung der Stolpersteine in Erinnerung an die vom NS-Regime ermordeten Mitglieder der Familie Falkenstein in Gangelt hatte schon viele Emotionen hervorgebracht. Für Eddy und Hetty Falkenstein war es eine bewegende Zeit, die sie am Tag des Gedenkens an die Reichspogromnacht wieder aufleben ließen.

Denn das Ehepaar stiftete nicht nur eine Tibetanische Zierkirsche als Erinnerung an einen würdevollen Umgang mit den Opfern der NS-Vergangenheit, sondern enthüllte am Gangelter Rathaus auch einen Gedenkstein.

„Die Welt ist wie eine sehr schmale Brücke: man muss wachsam sein, um nicht herunterzufallen“, sagte Eddy Falkenstein. Er bedankte sich nicht nur beim Initiativkreis „Stolpersteine“ um Josef Backhaus, sondern auch bei den Menschen aus Gangelt für die liebevolle, bewegende Aufnahme bei der Steinlegung am 14. Februar. „Das war sehr schön und dafür möchten wir uns revanchieren“, so Eddy Falkenstein in seinen Worten.

Bürgermeister Bernhard Tholen sah das Datum als „den richtigen Tag für die Baumpflanzung“. Und gemeinsam mit dem Stifter hob der Verwaltungschef das schon jetzt vielästige Gewächs an seinen neuen Standplatz direkt vor dem Rathaus.

Warum es im Umfeld so vieler heimischer Bäume unbedingt die Tibetanische Zierkirsche sein musste, erläuterte Josef Backhaus: „Der Baum ist schön und repräsentativ, seine rote Farbe wird im Laufe der Jahre noch stärker werden und er passt auch hinsichtlich der Größenverhältnisse gut hierhin.“ So sind Tibetanische Zierkirschen mit ihren meist vier Stämmen aus einer Wurzel bei rund acht Metern maximaler Höhe und einer Kronenbreite von bis zu fünf Metern vor dem gut zehn Meter hohen Rathaus gut sichtbar.

„Möge dieser Baum wachsen und gedeihen“, wünschte sich Backhaus. Sein Dank galt nicht nur dem Spenderpaar Falkenstein, sondern auch der Firma Trepels, die für den Transport des Findlings sorgte, der als Basis für die Gedenktafel galt. Nicht anwesend sein konnte Ludwig Dohmen aus Birgden, der sich um die Beauftragung des Schildes und dessen Befestigung kümmerte. Anwesend waren hingegen Schüler der weiterführenden Schulen im Ort, wobei die Gesamtschüler ihre Gedanken zum Leben eines Baumes vorbrachten.

„Er ist ein Sinnbild des Lebens“, sagte einer der Schüler. Das bejahten die rund 70 Anwesenden gerne, die später auch zur offiziellen Gedenkfeier in Gangelt auf dem jüdischen Friedhof mit einem von Eddy Falkenstein verlesenen jüdischen Totengebet geladen waren. Und schon jetzt sprach Josef Backhaus eine Einladung für die kommende Verlegung von 15 neuen „Stolpersteinen“ des Künstlers Gunter Demnig aus, die am 3. Februar nächstes Jahr stattfinden soll.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert