Geilenkirchen - Raymond Ley zeigt den Film „Meine Tochter Anne Frank“

Raymond Ley zeigt den Film „Meine Tochter Anne Frank“

Von: Dettmar Fischer
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Uwe Böken (l.) hatte den Grimme-Preisträger Raymond Ley (r.) nach Geilenkirchen geholt. Foto: Dettmar Fischer

Geilenkirchen. Raymond Ley und Uwe Böken verbindet ein Schicksal. Es ist das Schicksal von Jenny Böken. „Tod einer Kadettin“ heißt der Film, den Raymond Ley 2017 über die Ereignisse drehte, die zu Jenny Bökens Tod führten.

Jenny Böken tat auf dem Segelschulschiff Gorch Fock als Sanitätsoffiziersanwärterin Dienst, als sie in der Nacht vom 3. auf den 4. September 2008 über Bord gegangen war.

Beim Filmdreh hatten sich Böken und der Grimme-Preisträger Ley kennengelernt. Ley kam nun nach Geilenkirchen, um im Rahmen der Veranstaltungen zur Pogromnacht von 1938 seinen Film „Meine Tochter Anne Frank“ zu zeigen. Gemeinsam mit der Anton-Heinen-Volkshochschule hatte die Anita-Lichtenstein-Gesamtschule in ihre Aula zur Filmpräsentation eingeladen. Schulleiter Uwe Böken begrüßte die zahlreich erschienenen Besucher und verwies darauf, dass die Anita-Lichtenstein-Gesamtschule mit diesem Filmabend ihre Tradition fortsetze, das Datum des 9. November 1938 durch thematisch passende Veranstaltungen zu besetzen.

Sein Dank galt der stellvertretenden VHS-Leiterin Dr. Ulla Louis-Nouvertné für die vertrauensvolle Zusammenarbeit. Kurz bevor es dunkel wurde im Kinosaal, wünschte Raymond Ley allen Zuschauern „Gute Unterhaltung“ und fügte hinzu, „soweit das eben möglich ist“.

Raimond Ley hat ein Doku-Drama geschaffen, das dem Genre entsprechend, dokumentarisches Filmmaterial, wie die Befragung von Zeitzeugen, und Spielszenen mischt. Wer im Vorfeld des Kinoabends die Gelegenheit nutzte, mit Raymond Ley bei einem Kaffee im Schatten von St. Marien über seinen Film zu sprechen, wird vielleicht erst einmal gestutzt, gedacht haben, von wem redet der Mann da eigentlich, als sei es ein alter Freund, den man kennen müsste? Immer wieder sprach er von einem Otto? Wenn er von Anne sprach . . ., klar, da meinte er sicher Anne Frank. Otto war wohl Fabrikant in Frankfurt gewesen. Es sollen noch kleine Werbefilme existieren für ein besonderes Pülverchen, das Franks Firma herstellte. Dass es so schlimm kommen würde, wie es dann kam, soll Otto nicht für möglich gehalten haben, erzählte Ley. Otto Frank war Annes Vater.

Rund um den Globus sei er gereist, erzählte Ley, um mit Überlebenden des nationalsozialistischen Völkermords Interviews zu führen. Es ging dabei, wie der Film verrät, um ganz „normale“ Dinge. Ein alter Herr erzählt, wie er sich mit Anne Frank ein Fahrrad teilte auf dem Weg zur Schule, als Juden in Hitlers Deutschland noch Fahrradfahren durften. Eine Freundin Annes berichtet, Anne habe sich schon für Jungs interessiert. Annes Versteck vor den Häschern des Naziregimes lag in einem Hinterhaus an der Prinsengracht in Amsterdam, leerstehender Teil von Ottos Firmengebäude. Im Versteck gab es für die 13 und später 14 Jahre alte Anne nur noch einen Jungen, Peter. Kam der als Heiratskandidat in Frage?

Vier Millionen Zuschauer

Raymond Ley und sein Team haben den sehr begrenzten Lebensraum Anne Franks vor ihrer Deportation anhand vieler Fotos aus den Originalräumen in einem Berliner Filmstudio nachgebaut. Ein paar Zentimeter mehr Raum wurde den Kameras zugestanden. Eine sehr intensive Szene des Films zeigt Vater Otto (gespielt von Götz Schubert), wie er nach der Deportation Annes in deren Versteck kommt. Wissend, dass seine Tochter (gespielt von Mala Emde) nicht wiederkommen wird, erscheint sie ihm vor dem inneren Auge. Anne hängt ein paar Fotos an eine imaginäre Wand, die sich zwischen ihr und dem Zuschauer befindet. Raymond Ley: „Glücklicherweise hatten wir bei den Vorbereitungen des Films, die ursprüngliche Fassung des Anne Frank Buches zur Verfügung, die kurz zuvor veröffentlicht worden war.“

Dass Otto einige Stellen schwärzte in den Aufzeichnungen seiner Tochter, versteht Raymond Ley durchaus. Heftig teilte Anne in ihren Tagebucheintragungen aus, vor allem gegen die Mutter. Sie reklamierte den Schreibtisch in der acht Personen kleinen Notgemeinschaft täglich von 15 bis 17 Uhr für sich, hat Ley recherchiert. Raymond Ley hat sich in die Geschichte Anne Franks vertieft, so tief, dass es manchmal wohl schmerzte.

Eine Fülle von Eindrücken und Informationen hat Ley zu einem Film verwoben, der Anne Frank neu erlebbar macht, den Menschen Anne hinter dem Mythos Anne Frank erscheinen lässt.

„Ich weiß nicht“, sagte Raymond Ley, „ob sich die Deutschen für das Schicksal eines jüdischen Mädchens wirklich interessieren?“ Immerhin, knapp vier Millionen schalteten ein, trotz Fußball auf dem anderen Kanal, als der Film im Fernsehen erstausgestrahlt wurde. In Geilenkirchen kamen noch ein paar Menschen hinzu.

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