Geilenkirchen - Rauschender Abschluss des Klaviersommers

Rauschender Abschluss des Klaviersommers

Von: Johannes Gottwald
Letzte Aktualisierung:
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Die Preisträger und Finalteilnehmer des Euregio Piano Award 2015 (v.l.) Ayata Shigeno, Quang Hong Luu, Elizaveta Iwanova, Mikoko Oshima, Pavel Zemen. Foto: Johannes Gottwald
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Die Preisträger der Kategorie A (v.l.) Shiyao Wang, Hanshi Hunag, Kajsi Rrustja, Nanaka Mitsubori, Lisa Itakura und Rune Leicht Lund.
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Mit bezaubernder Leichtigkeit gestaltete Elizaveta Ivanova die Sonate in F-Dur von Joseph Haydn und des Nocturne op. 27 Nr.2 von Chopin.

Geilenkirchen. Mit einem rauschenden Galakonzert der Preisträger des Klavierwettbewerbs ging der Klaviersommer 2015 zu Ende. Und wie bei der Eröffnung war auch diesmal die Filiale der Kreissparkasse Heinsberg bis auf den letzten Platz besetzt. Auch zahlreiche Vertreter von Rat und Verwaltung der Stadt hatten sich eingefunden.

In einem kurzen Grußwort bedankte sich Florian Koltun für die Unterstützung durch die Sponsoren und das Kulturamt und nicht zuletzt bei der Jury, die mit namhaften Fachleuten (unter anderem aus Russland, Polen, Japan, Israel und Spanien) besetzt war. „Wir sind in den letzten Tagen fünf Jahre älter geworden, haben aber auch fünf Jahre an Erfahrung gewonnen“ – sicherlich auch ein Hinweis darauf, dass die zurückliegende Woche ziemlich stressig gewesen ist.

Eröffnet wurde das Konzert mit einer Preisverleihung – zunächst für die Teilnehmer der Kategorie A (bis 13 Jahre). Dabei waren einige Auszeichnungen mehrfach vergeben worden: So wurde der dritte Preis Pavel-Theodor Chatzipavlidis (Bulgarien) und Nanako Mitsubori (Japan) zugesprochen. Der zweite Preis ging ausschließlich an asiatische Bewerber: Hanshi Huang (China), Shiyao Wang (China) und Lisa Hakura (Japan).

Diplome bekamen Kejsi Rrustja (Albanien) und Levin Zou (China). Den ersten Preis erhielt der zwölfjährige Däne Rune Leicht Lund, der anschließend auch den 1. Satz der Sonate c-moll op. 10 Nr.1 von Beethoven vortragen durfte, der mit seiner stürmisch-leidenschaftlichen Stimmung und seinem jugendlichen Impetus geradezu auf die Person des jungen Pianisten zugeschnitten schien.

In der Kategorie B (14 bis 17 Jahre) hatte die Jury zwar keinen dritten Preis vergeben, wohl aber zwei zweite Preise: Josefa Schmidt (Deutschland) und Boyao Qu (China) waren die glücklichen Gewinner. Auch der erste Preis war nach langer Beratung zweigeteilt worden. Hier hatte man sich für Alexandra Momet und Zeyue Yang (China) entschieden.

Auch diese beiden gaben sogleich zwei Kostproben ihres Könnens: Momet stellte mit der Etüde Nr. 4 „Fanfares“ von Geörgy Ligeti das erste zeitgenössische Stück des Abends vor. Mit traumhafter Sicherheit meisterte sie die rasanten Läufe und die überaus komplizierte polytonale Akkordik – eine imponierende Leistung, zumal (wie bei Klavierkonzerten üblich) alles auswendig gespielt wurde.

Ebenso prächtig gelang danach Zeyue Yang das „Rondo“ von Dimitri Kabalewski. Es zeigte eine deutlich hervortretende formale Anlage: Ein von düsteren, lastenden Akkorden geprägter Mittelteil wird von zwei äußerst lebhaften Abschnitten eingerahmt.

In der Kategorie C (ab 18 Jahre), wo bereits semiprofessionelles Niveau verlangt wurde, aber sehr wohl auch Amateure teilnahmen, wurden Diplome an Jekaterina Fedosejewa (Russland), Kai Hu (China), Yury Sokol (Ukraine), Jeremias Mameghani (Deutschland) und Geon il Seo (Südkorea) vergeben. Den dritten Preis erhielt Ying Lian (China), der zweite Preis wurde Mayu Murakami (Japan) und Bomnal Kim (Südkorea) zugesprochen. Leider konnte die Gewinnerin des ersten Preises, die Japanerin Megu Yoshida, wegen plötzlicher Erkrankung nicht erscheinen.

Ihr Können präsentiert

So ließ man gleich die Preisverleihung für den „Euregio Piano Award“ folgen. Hier konnten alle drei Preisträger den Zuhörern ihr Können präsentieren. Zunächst brachte Ayaka Shigeno aus Japan (dritter Preis) „Le jeu des Contraires“ aus der Feder des erst 2013 verstorbenen Henri Dutilleux zu Gehör. Hier konnte man ein Beispiel hochmoderner Musik erleben: Das Werk entfaltete sich – dem Titel entsprechend – überaus kontrastreich, die atonale Klangstruktur trug wesentlich zu der unwirklich-sphärischen Stimmung bei. Ein gutes Beispiel dafür, dass auch „schräge Klänge“ beim Publikum ankommen, zumal wenn sie meisterlich gestaltet werden.

Nach der Pause war dann mit Quang Hong Luu aus Vietnam der Träger des zweiten Preises an der Reihe. Er hatte sich das „Valée d’Obermann“ von Franz Liszt ausgewählt, ein vorwiegend ruhiges und ausdruckstiefes Werk, das aber gleichwohl auch hochvirtuose Passagen aufweist. Luu gelang eine vorzügliche Wiedergabe, wenn auch die Mimik und Gestik ein wenig theatralisch anmuteten.

Ganz klassisch wurde es dann bei Elizaveta Iwanova (Russland), die den ersten Preis abgeräumt hatte. Mit herrlich spritzigem Spiel und perlenden Klängen verzauberte sie auf Anhieb die Zuhörer. Die Sonate in F-Dur von Joseph Haydn gehörte übrigens zum Pflichtprogramm des Wettbewerbes. „Eine klassische Sonate gehört immer dazu“ erläuterte Florian Koltun. „Denn dabei lässt sich immer erkennen, ob ein angehender Pianist Form- und Stilgefühl hat. Nur wer die Klassik beherrscht, kann auch die Romantiker gut interpretieren.“

Und dies stellte Iwanova auch nachdrücklich unter Beweis mit dem bezaubernd schönen „Nocturne“ op. 27 Nr.2 in Des-Dur von Chopin, für das stürmisch applaudiert wurde. Eine Zugabe mit den „Rumänischen Volkstänzen“ von Bela Bartók rundete den Abend ab. Man kann sich schon jetzt auf den „Klaviersommer 2016“ freuen.

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