Geilenkirchen - Raus aus dem toten Winkel: Schüler absolvieren Übung

Raus aus dem toten Winkel: Schüler absolvieren Übung

Von: Markus Bienwald
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Mit Frank Meuffels von der Kreispolizeibehörde Heinsberg erlebten die Fünftklässler vom Bischöflichen Gymnasium St. Ursula, wie groß der „tote Winkel“ eines Lkw wirklich ist. Foto: Markus Bienwald
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Schulleiter Jürgen Pallaske durfte sich hinter dem Steuer des Lkw selbst anschauen, wie weit der „tote Winkel“ reicht.
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Vom Fahrerhaus aus sind Kinder selbst in der Gruppe erst ab gut drei Metern Abstand wahrnehmbar.

Geilenkirchen. „Wir fahren selbst mit dem Bus zur Schule“, sagt Eva Maria Vogt, die mit ihrer Freundin Ana Alves Horta eine der Busschülerinnen von St. Ursula Geilenkirchen ist. Dass es aber auch bei der Fahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln ganz plötzlich zu brenzligen Situationen kommen kann, erfuhren sie am Donnerstag aus nächster Nähe.

So standen sie nur rund fünf Meter vom „Unfallgeschehen“ entfernt, als eine offensichtlich durch ein Smartphone abgelenkte Person nach dem Verlassen des Busses von einem Kleintransporter ergriffen und hoch durch die Luft geschleudert wurde.

Zum Glück handelte es sich bei dieser Person nur um eine große Schaumstoffpuppe, die von Frank Meuffels von der Kreispolizeibehörde des Kreises Heinsberg vor den mit Tempo 30 vorbeifahrenden Wagen geworfen wurde. Und zum Glück handelte es sich um eine nachgestellte Szene, die Eva Maria und Ana wie auch ihren Stufenkameraden aus der Jahrgangsstufe fünf des Bischöflichen Gymnasiums St. Ursula in Geilenkirchen zeigen sollte, wie wichtig es ist, im Straßenverkehr die Sinne beisammen zu haben. Aber der Schockeffekt dieses nachgestellten Crash-Szenarios wirkte nach, wie an den Gesichtern der Kinder gut abzulesen war.

Der „tote Winkel“ spielte bei der Aktion im hinteren Teil des west-Betriebsgeländes, dort, wo üblicherweise Busse parken oder auch gewartet werden, die größte Rolle. Dazu hatte die Kreispolizei in Zusammenarbeit mit der Stadt Geilenkirchen, der west Verkehr, der Kinder-Unfallhilfe und Unternehmen aus der Region ein Übungsszenario aufgebaut, das schnell verdeutlichte, welche Gefahren auf unachtsame Fußgänger und Radler zukommen können, wenn Kraftfahrer sie nicht sehen können.

Die Aktion mit der Puppe war dabei ein echter Knalleffekt, denn wer hinter einem parkenden Bus ohne zu gucken einfach die Straße überquert, der taucht für andere Verkehrsteilnehmer oftmals wie aus dem Nichts auf. „Darum ist es das Beste, einfach den Bus wegfahren zu lassen, wenn man ausgestiegen ist, dann seid Ihr viel besser zu erkennen“, rief Frank Meuffels den jungen Schülern zu. „Auch, wenn Ihr dadurch zu spät kommt: Es ist besser, eine Minute später da zu sein, als gar nicht anzukommen“, riet er den Kindern. Um sich einmal in die Lage eines Lkw-Fahrers zu versetzen, durften Schüler, aber auch Schulleiter Jürgen Pallaske einmal selbst hinter dem Steuer eines 38-Tonners Platz nehmen. Obwohl das Führerhaus auf gut zwei Metern Höhe liegt und so Übersicht über den Verkehr suggeriert, war eine Schülergruppe, die rund zwei Meter vor dem Fahrzeug stand, von der Fahrzeugkabine aus nicht zu sehen.

Erst ab etwa drei Metern Entfernung vom Kühlergrill war die Gruppe erkennbar. „Dann ist es natürlich zu spät für den Fahrer“, weiß Frank Meuffels, selbst bei Blitzreaktionen sind hier Unfälle nicht zu vermeiden. Unfälle waren an diesem informativen Vormittag übrigens ein gutes Stichwort: Nicht erst der jüngste Vorfall, der mit dem „toten Winkel“ zu tun hat, in dem ganze Schulklassen unsichtbar werden können, und der am 12. Mai dieses Jahres in Heinsberg einer Radfahrerin das Leben kostete, zeigt, wie wichtig die Aufmerksamkeit aller Verkehrsteilnehmer ist, um Unfälle zu vermeiden. Immer wieder gibt es Nachrichten von Menschen jeden Alters, die im Verkehr zu Schaden kommen, weil andere Verkehrsteilnehmer sie schlicht und einfach nicht sehen konnten. Das Beispiel, bei dem Frank Meuffels selbst die anwesenden 30 Kinder locker im „toten Winkel“ gleich schräg neben dem Lkw unterbringen konnte, ohne dass der Fahrer sie erspähen konnte, sorgte für beeindruckte und nachdenkliche Teilnehmer dieser Verkehrsübung.

Letztere wird übrigens auch mit Bussen der west Verkehr in jedem Jahr mit kreisweit rund 2500 Schülern absolviert. „Denn natürlich gibt es auch bei Bussen die toten Winkel“, sagte west-Geschäftsführer Udo Winkens dazu. Darum freute er sich mit Frank Meuffels und dessen Polizeikollegen über die von der Aktion Kinder-Unfallhilfe gesponserten Aufkleber. Sie werden nicht nur bei der west Verkehr, sondern auch bei den beteiligten Unternehmen künftig am Heck großformatig in Schwarz und Gelb darauf hinweisen, dass es gerade bei größeren Fahrzeugen einen „toten Winkel“ gibt, in dem Menschen nicht wahrnehmbar sind. „Ich kannte den toten Winkel schon, aber dass er so groß ist, das wusste ich nicht“, meinte Ana Alves Horta am Ende der Vorführungen.

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