Raumnot: Zu wenig Platz für den Offenen Ganztag

Von: Manfred Hahn
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Leere Klassenzimmer gibt es im OGS-Betrieb selten: Die Raumnot führt in Geilenkirchen zu Abweisungen. Symbolfoto: Stefan Sauer/dpa

Geilenkirchen. Der Beifall nach rund eineinhalb Stunden hat es bewiesen: Die Mitglieder des Ausschusses für Bildung, Soziales, Sport und Kultur sind selten so umfangreich über ein Thema informiert worden wie am Dienstagabend, als Kerstin Knickmeier-Soudani die Arbeit des Malteser-Werks beim Projekt „Offene Ganztagsschulen“ (OGS) in Geilenkirchen vorstellte.

Die Koordinatorin für den Offenen Ganztag war auf Antrag der Grünen eingeladen worden. Sie blickte auf zehn Jahre Arbeit in Geilenkirchen zurück und nannte auch die aktuellen Probleme des OGS-Projektes.

Vor zehn Jahren waren es zunächst die beiden Geilenkirchener Grundschulen (KGS und GGS) sowie die Grundschulen in Gillrath und Teveren, die sich für den Offenen Ganztagsbetrieb entschieden, ein Jahr später kam die Realschule dazu, und seit einem Jahr ist auch die Grundschule Würm dabei. Die OGS-Schultage dauern bei unterschiedlichen Abholzeiten für die Eltern bis 16 Uhr. die Betreuung setzt ab 11.30 Uhr ein, umfasst die Essenszeit sowie Arbeitsgemeinschaften, Spiele oder weitere Aktivitäten.

Daneben gibt es die kurze Betreuung, die um 13 Uhr endet. In den Ferien und an Brückentagen werden die Kinder von acht bis 16 Uhr betreut, eine Ausnahme bilden die letzten drei Wochen der Sommerferien (die Phase der Grundreinigung an den Schulen) und die Tage zwischen Weihnachten und Neujahr.

Betreuung als Sprachschulung

Nach den Ausführungen von Kerstin Knickmeier-Soudani sind es vor allem Familien, in denen beide Elternteile berufstätig sind, die den OGS-Betrieb nutzen, daneben melden sich jedoch immer mehr Eltern, welche die Betreuung zum Beispiel auch als Sprachschulung für ihre Kinder sehen. Während pädagogische Probleme nicht mehr die große Rolle spielen, gibt es ein anderes: „Uns sind oft räumliche Grenzen gesetzt“, sagte Kerstin Knickmeier-Soudani.

Vor allem die Raumnot an den Grundschulen Gillrath und Teveren (auch wegen Benutzung durch andere Gruppen) bereiten für das kommende Schuljahr Sorgen. Die Raumnot führe auch zu Wartelisten oder gar zu Abweisungen – zwölf waren das gerade an der KGS Geilenkirchen. Diese Abweisungen behalte man aber im Auge und wende sich an die Eltern, sobald Plätze frei werden.

47 Mitarbeiter (darunter ein Mann) arbeiten derzeit im Geilenkirchener OGS-Bereich. Wie positiv diese zu ihrer Arbeit stehen, belegte unter anderem eine unter fünf Prozent liegende Fluktuationsrate. „Allerdings“, so die Koordinatorin, „gibt es auch die bittere Erkenntnis, dass die OGS keine Lobby hat“. In der späteren Diskussion ergänzte sie, dass manche Eltern auch vor den Kosten zurückschreckten und Elterninitiativen zur Betreuung bildeten oder die Angebote anderer Träger wie zum Beispiel die der Jugendeinrichtung „Zille“ nutzten.

Das führe zu einer Konkurrenzsituation, „die uns den Boden unter den Füßen wegziehen kann“, sagte Kerstin Knickmeier-Soudani, was sie ausdrücklich nicht als Kritik an „Zille“ verstanden wissen wollte, wie sie auf einen Einwand von Christoph Grundmann (SPD) betonte.

Finanziert wird die OGS durch Beiträge der Eltern von 65 Euro pro Monat plus 30 Euro, wenn auch Essen eingenommen wird. Für bestimmte Gruppen, zum Beispiel Hartz-IV-Bezieher, Asylbewerber oder Familien, die mehrere Kinder in der Betreuung haben, gibt es Ermäßigungen. Dass die finanzielle Seite der OGS für die Stadt durchaus positiv aussieht, bestätigte Beigeordneter Herbert Brunen. Bei Gesamtkosten von 780.000 Euro betrage nach Abzug der Elternbeiträge und Landeszuweisungen der städtische Anteil nur 65.000 Euro. Die Qualität der OGS, so Herbert Brunen, werde auch von den Schulleitern bestätigt.

Dass diese Schulleiter in der Sitzung des Sozialausschusses nicht anwesend waren, wurde von mehreren Politikern in der anschließenden Diskussion bemängelt. Dabei sprach Kerstin Knickmeier-Soudani nochmals die Raumnot an, was Grünen-Sprecher Jürgen Benden zu der Aussage brachte: „Wir dürfen drängende Probleme nicht auf die lange Bank schieben!“

In Gillrath zum Beispiel könne eine einfache Trockenbaumaßnahme (Wand) Abhilfe schaffen. Nach dem Vortrag dürfe es nicht dazu kommen „dass wir im Ausschuss alle sehr betroffen sind, aber nichts passiert“, sagte Benden und forderte von der Verwaltung die Vorlage eines Raumkonzeptes. Als Leiter des Amtes für Bildung und Wirtschaft reagierte darauf Gort Houben mit der Bemerkung „So ganz blöd sind wir auch nicht. Wir haben aber den Stein der Weisen nicht gefunden und sind bei der Raumfrage am Ende.“

Karola Brandt (Bürgerliste) fasste die Meinung der Ausschussmitglieder zusammen: „Wenn wir die Kinder nicht mitnehmen, landen sie auf der Straße“, sagte sie und wollte von der OGS-Koordinatorin wissen, was ihr dringendster Wunsch sei. Dazu Kerstin Knickmeier-Soudani: „Auch in Zeiten der Inklusion muss Schule wieder für Schüler da sein und zwar bis 16 Uhr.“

Auf das Thema Raumnot für die OGS kam übrigens Jürgen Benden (Grüne) bei einem anderen Punkt der Tagesordnung zurück. Beim Beschluss über den Bau einer neuen Turnhalle in Gillrath regte er an, hier zu prüfen ob man nicht zusätzlich Räume einplanen könne, da die Versorgungseinrichtungen einmal vorhanden seien. Ausschussvorsitzender Marko Banzet lehnte es ab, „beim Punkt Turnhalle ein neues Fass aufzumachen“. Dem Bau der neuen Turnhalle in der bereits vom Bau- und vom Haupt- und Finanzausschuss beschlossenen Variante stimmte der Sozialausschuss einhellig zu.

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