Raucher halten sich fast überall an das Verbot

Von: Daniel Gerhards
Letzte Aktualisierung:
7661723.jpg
Eigentlich sollte niemand mehr in der Kneipe Qualmen. Dass manche Wirte das Rauchen trotzdem erlauben, scheint ein offenes Geheimnis zu sein. Foto: stock/imagebroker

Geilenkirchen/Übach-Palenberg/Gangelt. Das strikte Rauchverbot in NRW gilt seit einem Jahr. Die Bilanz: Die Ordnungsämter in Geilenkirchen, Übach-Palenberg und Gangelt sehen keine Probleme. Wirte klagen über Umsatzrückgänge. Und: Wer drinnen rauchen will, findet wohl einen Wirt, der das trotz Verbot erlaubt.

Für Susanne Apfelstädt gibt es beim Rauchverbot zwei Seiten einer Medaille. Die Inhaberin des City Hotels Geilenkirchen mit dem angeschlossenen Café Fleur sieht „gravierende Folgen“ des strengen Verbots. Als im Café Fleur noch geraucht werden durfte, sei dort mittags viel los gewesen. Angestellte hätten dort ihre Mittagspause verbracht, junge Leute auf den Bus gewartet. „Die Leute haben hier geraucht“, sagt sie.

Jetzt ist mittags wenig los. Gäste und Umsatz sind weg. Und beides wird auch nicht in gewohnter Form wiederkommen, sagt sie. Trotzdem hatte das Verbot für Apfelstädt auch etwas Gutes. Denn das Café ist gleichzeitig der Frühstücksraum des Hotels. Qualm im Café schade also dem Hotelbetrieb, sagt sie. Denn die Gäste wollten ihr Frühstück nicht im abgestandenen Dunst des vergangenen Abends einnehmen.

Deshalb, so sagt Apfelstädt, würde sie beim strikten Rauchverbot bleiben, selbst wenn das Gesetz noch einmal gelockert würde. Man müsse sich eben neue Konzepte ausdenken. Kontrollen braucht sie also nicht zu fürchten. Und sie sei auch noch nie kontrolliert worden, sagte sie.

Mit Feingefühl

Dabei betont Armin Kaumanns, Ordnungsamtsleiter der Stadt Geilenkirchen, dass alle Gaststätten und Spielhallen kontrolliert worden seien. Verstöße habe man bei diesen Kontrollen nicht festgestellt. „Das Thema wurde nie so hoch gekocht, wie befürchtet. Ich muss den Betrieben ein großes Lob dafür aussprechen, wie sie das Verbot umgesetzt haben“, sagt Kaumanns. Lediglich zwei, drei Ordnungswidrigkeitsverfahren hätte die Stadt gegen Wirte eingeleitet. Die seien am Ende immer mit einem Verwarnungsgeld von bis zu 50 Euro davongekommen. Ein Raucher-„Problem“ in der Linderner Bahnhofsgaststätte habe man mit „einem gewissen Feingefühl“ gelöst, sagt Kaumanns.

Dass es beim Rauchverbot in den Augen des Ordnungsamtes zu so wenigen Problemen gekommen ist, führt Kaumanns darauf zurück, dass man die Wirte frühzeitig informiert habe.

Auch im Ordnungsamt der Stadt Übach-Palenberg ist man „überrascht, wie positiv die Sache abgelaufen ist“, sagt Leiterin Maria-Luise Hermanns. Man habe keine „Jagd“ auf die Raucher gemacht. „Dafür hätten wir gar nicht das nötige Personal. Wir sind aktiv geworden, wenn wir Anzeigen oder Hinweise bekommen haben“, sagte sie. Dabei hätten die Ordnungshüter Raucher und Wirte bloß belehrt, in Übach-Palenberg sei kein einziges Bußgeld verhängt worden.

Auch in Gangelt fehle dem Ordnungsamt das Personal, um jede Kneipe zu kontrollieren, sagt Fachbereichsleiter Helmut Görtz. Da sich niemand über Qualm in einer Gaststätte beschwert habe, habe man dort auch nicht kontrolliert. Nur in Jugendheimen habe es einige Beschwerden gegeben.

Von einer Kontrolle habe Willi Jabusch in seinem Hotel-Restaurant am Geilenkirchener Markt noch nie etwas mitbekommen. „Die laufen ja oft hier vorbei und sehen, dass hier nicht geraucht wird“, sagt er. In Jabuschs Schankraum werde das Verbot strikt eingehalten, auch „gute Freunde“ müssten draußen rauchen. Aber er erzählt von Wirten, die sich über das Verbot hinwegsetzen. „Ich kann die Kollegen verstehen, die es zulassen. In eine Dorfkneipe gehen die Leute, um ein Bier zu trinken und eine Zigarette zu rauchen. Wenn man die rausschickt, kommen die nicht mehr wieder“, sagt er. Susanne Apfelstädt hat weit weniger Verständnis für die „schwarzen Schafe“ unter den Wirten. Sie meint: Entweder müssen sich alle daran halten oder keiner. Für Kaumanns sind die Schilderungen der Wirte kein Grund, neue Kontrollen einzuleiten: Wer sich beschweren will, „soll Ross und Reiter nennen“, dann gehe das Amt der Sache nach.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert