Rasantes Pedalspiel auf dem Schmuckstück

Von: Johannes Gottwald
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Mit allen Registern bei der Sache: Zum 50. Jahrestag der Orgeleinweihung in der Erlöserkirche von Übach-Palenberg gab Professor Johannes Geffert, Musikhochschule Köln, ein Konzert mit Orgelmusik aus vier Jahrhunderten, bis hin zu Jazzharmonien. Foto: Johannes Gottwald

Übach-Palenberg. Ein außergewöhnliches Konzert aus besonderem Anlass genossen jetzt die Gäste in der evangelischen Erlöserkirche in Palenberg. Die Musik kam von der jetzt 50 Jahre alten Stahlhut-Orgel.

Die Orgelbaufirma Stahlhut gehört im Raum Aachen zu den traditionsreichsten Werkstätten ihrer Art. Schon 1864 ließ sich der aus Hildesheim gebürtige Orgelbauer Georg Stahlhuth in Aachen-Burtscheid als selbstständiger Meister nieder. Seine Lehrjahre hatte er hauptsächlich in Brüssel bei dem renommierten Orgelbauer Joseph Merklin absolviert.

Schon bald blühte Stahlhuths neuer Betrieb auf; seine Orgeln waren aufgrund ihres weichen, romantischen Klanges hochgeschätzt. Er erhielt zahlreiche Aufträge aus dem gesamten Rheinland, lieferte aber auch eine Anzahl Instrumente in die benachbarten Beneluxländer. Noch heute zeugt die große Orgel im luxemburgischen Dudelange von seinem hohen Können. Bis 1916 blieb die Firma im Besitz der Familie, dann folgten andere Inhaber, die das Unternehmen erfolgreich bis in die heutige Zeit weiterführten.

Im Jahre 1963 erhielt auch die hiesige evangelische Erlöserkirche eine Stahlhut-Orgel. Aus Anlass des 50. Jahrestages ihrer Einweihung konnte man jüngst ein Konzert erleben, für das man Professor Johannes Geffert von der Musikhochschule Köln als Solisten eingeladen hatte.

Der Interpret war gewissermaßen „erblich vorbelastet“, denn sein Vater Hans Geffert, ebenfalls ein bedeutender Organist, hatte seinerzeit vor 50 Jahren auf dem neuerbauten Instrument in der Erlöserkirche das erste Konzert gegeben. Da war es auch kein Zufall, dass die Programme eine deutliche Ähnlichkeit aufwiesen, womit ein zusätzlicher historischer Brückenschlag gelungen war.

Eröffnet wurde das Konzert mit „Präludium und Fuge in D-Dur“ von Dietrich Buxtehude, in dem sich in typischer Manier des norddeutschen Barocks virtuose tokkatenartige Passagen mit fugierten Abschnitten abwechseln. Hier konnte Johannes Geffert seine meisterliche Technik souverän zur Geltung bringen, ebenso in dem heiter-verspielten „Air und Variation“ von Charles Avison. Zu diesem Stück hatte der Solist seit seiner Jugendzeit eine besondere Affinität, denn sein Vater hatte es oft bei Orgeleinweihungen vorgeführt.

Danach folgten fünf Bearbeitungen von Chorälen aus der Osterzeit. Zwei traditionelle frühklassische Choralvorspiele aus der Feder des Dresdner Kreuzkantors Gottfried August Homilius wurden dabei von drei zeitgenössischen Kompositionen begleitet. Sehr reizvoll und mit farbiger Registrierung – etwa nach Art von Ernst Pepping – entfaltete sich das Fantasiestück über „O herrlicher Tag, o fröhliche Zeit“ , wobei der Cantus firmus, die festgelegte Melodie, meist in herber Zweistimmigkeit erklang. Die Melodie ist auch im katholischen Gotteslob unter dem Text „Ist das der Leib, Herr Jesu Christ?“ bekannt.

Dagegen tauchten in dem Orgelchoral „Erfreue dich Himmel“ von Lieselotte Kunkel unverkennbar Jazzharmonien und Ragtime-Rhythmen auf. Besonders originell waren dabei die Teilzüge von Registern, die mit ihrem „verstimmten“ Klang für eigenartige Verfremdungseffekte sorgten.

Etwas konventioneller dagegen fiel das von markanter Rhythmik und spröden Quartharmonien geprägte Choralvorspiel über „Christ ist erstanden“ von Karl Friedrich Albes aus; Stilverwandtem kann man bei Hermann Schroeder begegnen.

Einen Ausflug in die englische Romantik boten zwei Stücke von Samuel Sebastian Wesley. „Holsworth Church Bells“ wurde von dem prächtigen Geläut einer Dorfkirche in Cornwall inspiriert, während das dunkler gefärbte Larghetto in fis-moll stellenweise Anklänge an Felix Mendelssohn-Bartholdy zeigte.

Zum Abschluss präsentierte Johannes Geffert noch Präludium und Fuge D-Dur BWV 532 von Johann Sebastian Bach, ein von „Sturm und Drang“ geprägtes Frühwerk, dass vermutlich aus der Weimarer, vielleicht aber noch aus der Mühlhausener Zeit des Komponisten stammt. Das von rasanten Pedalsoli und rauschenden Läufen und Arpeggien erfüllte Stück hätte vielleicht noch etwas mehr jugendliches Feuer vertragen können, dennoch gelang dem Interpreten eine glänzende und insgesamt überzeugende Wiedergabe.

Der Applaus der rund 50 Besucher, darunter auch Bürgermeister Wolfgang Jungnitsch, war so groß, dass Johannes Geffert an einer Zugabe nicht vorbeikam. Ein „Krönungshymnus“ von Händel erklang in einer Version für vier Hände und zwei Füße – wobei der Interpret von seinem Registranten Jörg Lochter Unterstützung bekam.

Im Anschluss waren die Zuhörer noch zu einem kleinen Sektempfang in den Gemeindesaal eingeladen, wo man auf das Jubiläum anstoßen und zahlreiche Bilder aus der Geschichte der Orgel betrachten konnte.

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