Ranteln: Uralte Tradtion wird Ostern gepflegt

Von: Markus Bienwald
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Die hölzernen Ranteln und der Korb mit Palmzweigen sind das Handwerkszeug für Stefan Nobialek (l.) und Alexander Jansen, wenn sie der Tradition des „Rantelns“ in Prummern nachgehen. Foto: Markus Bienwald

Geilenkirchen. Wenn andere am Morgen des Karfreitag noch das Bett hüten, sind zwei Jungs aus Prummern garantiert schon unterwegs. Denn dann pflegen Alexander Jansen und Stefan Nobialek eine Tradition, die mindestens schon ein Jahrhundert alt ist. „Wie lange schon im Dorf gerantelt wird, ist nicht klar“, sagt Alexander Jansen. Beide vermuten, dass diese Tradition in der Region so eigentlich nur noch in Prummern gelebt wird.

Sicher ist, dass neben dem frühen Aufstehen auch eine gehörige Portion Krach am Feiertag mit dazugehört. Denn das „Ranteln“, das andernorts auch „Rasseln“ genannt wird, umschreibt eine uralte Tradition, bei der die Dorfgemeinschaft mittels Holzrassel geweckt, an den Mittag erinnert und später auch in den Abend geschickt wird.

Hintergrund sind die österlichen Gepflogenheiten in der katholischen Kirche: Mit dem Palmsonntag, an dem die geweihten Palmzweige verteilt werden, beginnt die Karwoche, die auf Ostern vorbereiten soll. Als Zeichen der Trauerzeit wird ab der Messe am Gründonnerstag bis auf zwei Stücke aufs Orgelspiel im Gottesdienst und auf das sonst obligatorische Läuten der Glocken verzichtet. Bevor dann in der Osternacht auf Ostersonntag Glocken und Orgel wieder zum Einsatz kommen, sind die Messdiener in Prummern gefragt. „Es heißt immer so schön, dass die Glocken nach Rom fliegen, und erst am Ostersonntag wieder zurückkommen“, sagt Stefan Nobialek. Natürlich bleiben sie aber fest an ihrem Platz in der Kirche von St. Johannes Evangelist, sie dürfen sich nur eine Pause gönnen.

Dafür haben dann die teils uralten Rasseln ihren Einsatz. Mit einem bestimmten Rhythmus, der in Prummern schon seit Jahrzehnten so gerantelt wird, wie man hier sagt, ziehen dann die Messdiener durch die Straßen. „Das machen wir eigentlich bei jedem Wetter“, betont Alexander Jansen. Eigentlich, denn natürlich gab es auch schon einmal den Fall, dass es so kräftig regnete, dass die Rantelei ausfallen musste. „Dann rufen die Leute auch schon mal an“, ergänzt Stefan Nobialek.

Für die Messdiener wie auch die Menschen im Ort ist es jedenfalls ein schönes Stück Tradition. „Beschwerden über zu viel Lärm hatten wir jedenfalls noch nie“, so Alexander Jansen. Mitmachen dürfen die Messdiener schon kurz nach der Erstkommunion, so war das auch bei den Beiden, die nun mit teils viel jüngeren Kollegen durch die Straßen ziehen, um drei Mal täglich die Rasseln zu betätigen. „Ich war neun Jahre alt, als ich das erste Mal mitging“, erinnert sich der 19-jährige Alexander Jansen. Beim 18-jährigen Stefan Nobialek ist es ähnlich, beide sind damit sicherlich „Alte Hasen“, wenn es darum geht, die Rasseln zu schwingen.

Da es vom Original des hölzernen Geräuschemachers nur noch vier Stück gibt und mangels Nachfertigungen aus dem Handwerk, werden die Instrumente so schonend wie möglich behandelt. „Das gilt allerdings nur für die Ranteln, denn durch die stete Bewegung kann man sich schonmal dicke Blasen an den Fingern holen“, sagt Alexander Jansen.

Da sich immer mehr als vier Messdiener an der Aktion beteiligen, kommen auch moderne Rasseln zum Einsatz, gerne auch mit schwarz-rot-goldener Farbgebung, wie sie jeder Fußball-Fan kennt.

Die Ringe unter den Augen, die angesichts des frühen Aufstehens am Karfreitag und Karsamstag zu erwarten sind, machen den Messdienern nichts aus. Denn zum einen wissen sie ja, dass die Glocken in der Osternacht wieder frisch aus Rom zurückkommen, und dann die Orgel auch wieder spielen darf. Zum anderen gibt es noch eine Belohnung für den freiwilligen Einsatz im Sinne des Brauchtums. „Am Ende steht immer ein gemeinsames Beisammensein, dazu bekommen wir von den Menschen noch Spenden“, sagt Stefan Nobialek. Die dabei eingesammelte Schokolade dient natürlich erst nach dem offiziellen Ende der Fastenzeit als Stärkung. Und das ebenfalls gesammelte Geld wird für gemeinsame Projekte und Unternehmungen der Messdienergemeinschaft verwendet. So lohnt sich das Aufstehen, während andere noch die Wärme des Bettes genießen können, dann wirklich.

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