Geilenkirchen-Bauchem - Quartiersentwicklung: Ältere Menschen aus der Einsamkeit holen

Quartiersentwicklung: Ältere Menschen aus der Einsamkeit holen

Von: Udo Stüßer
Letzte Aktualisierung:
13743331.jpg
Quartiersentwicklerin Melanie Hafers-Weinberg will gemeinsam mit den Menschen in Bauchem etwas bewegen und Senioren aus der Einsamkeit holen. Sie sollen so lange wie möglich in vertrauter Umgebung leben. Foto: Udo Stüßer
13746310.jpg
Johannes Henßen, Ortsvorsteher von Bauchem: „Besonders das neue Sozialzentrum wird für Bauchem positiv sein.“ Foto: Udo Stüßer

Geilenkirchen-Bauchem. Die drei älteren Damen, die das Bauchemer Pfarrzentrum nach dem Adventsbasar mit Hilfe ihres Rollators verlassen, sind sich einig: „Endlich ist in Bauchem mal was los“, sagt eine der Seniorinnen und spricht damit vielen weiteren Besuchern aus dem Herzen, die den Nachmittag in geselliger Runde bei Kaffee und Kuchen und vor allem bei guten Gesprächen genossen haben.

Auch Melanie Hafers-Weinberg ist mehr als zufrieden. Als Quartiersentwicklerin in Bauchem möchte die junge Frau ältere Menschen aus der Einsamkeit holen, möchte Nachbarschaft und Nachbarschaftshilfe initiieren und fördern.

Möglich ist das durch eine Initiative des nordrhein-westfälischen Gesundheitsministeriums, das den Aufbau von altengerechten Quartieren fördert. Die Stadt Geilenkirchen und die Franziskusheim gGmbH sind in diesem Fall Kooperationspartner, die Franziskusheim gGmbh hat für das bis Februar 2018 befristete Projekt die in Burg Trips arbeitende Fachwirtin für Gesundheits- und Sozialwesen Melanie Hafers-Weinberg freigestellt. Geilenkirchen ist die einzige Stadt im Kreis Heinsberg, in der ein solches Projekt vom Ministerium gefördert wird.

Bereits im Oktober 2015 hat Melanie Hafers-Weinberg ihre Arbeit aufgenommen. „Seitdem ist in Bauchem viel Positives passiert“, zieht sie nun nach mehr als einem Jahr eine erste Bilanz. Auf der Grundlage einer Sozialraumanalyse und des Sozialstrukturatlasses des Kreises Heinsberg hat sie sich zunächst mit Bauchem vertraut gemacht.

„Über 40 Prozent der Bevölkerung sind derzeit im Alter zwischen 45 und 60 Jahre, sieben Prozent sind zwischen 60 und 65 Jahre alt, 15 Prozent zwischen 66 und 95 Jahre plus“, erklärt sie. Die Konsequenz für Bauchem? „Hier wird in Zukunft der Strukturwandel besonders ausgeprägt sein“, weiß sie. Auch hat sie sich im Stadtteil bekannt gemacht, hat Kindergärten, Haus Beatrix, das Wohnheim Mutter Teresa und Vereine aufgesucht, hat sich den Bürgern bei jeder sich bietendenden Gelegenheit vorgestellt und mit Menschen auf der Straße gesprochen. Im Förderverein Bauchem ist sie mittlerweile auch aktiv.

Bei dem Projekt geht es zwar um altengerechte Quartiersentwicklung in Bauchem. Aber: „Das Zusammenleben der Generationen ist wichtig. Man muss junge Familien und alte Menschen zusammenbringen“, sagt sie.

Sicherlich wollen die meisten Menschen in ihrem Wohnort alt werden. Dafür sind nicht nur geeignete Wohnobjekte und eine entsprechende Nahversorgung erforderlich. „Die alten Menschen dürfen dann nicht alleine in ihren Wohnungen sitzen und vereinsamen. Dafür brauchen wir nachbarschaftliches Engagement.“

Was brauchen alte Menschen? Was fehlt in Bauchem? Um Antworten auf diese Fragen zu finden, hat Melanie Hafers-Weinberg den Bürgerstammtisch ins Leben gerufen. Er findet an jedem dritten Donnerstag im Monat von 19 bis 20 Uhr im Pfarrzentrum Bauchem statt und ist offen für alle Bürger. Hafers-Weinberg hofft, dass sich dieser Bürgerstammtisch weiterentwickelt. „Ich mache den Menschen keine Angebote, die müssen von den Bürgern selbst kommen. Es wird das getan, was die Bürger wollen und nicht, was ich vorgebe“, sagt die Quartiersentwicklerin.

Ein Ergebnis dieses Stammtisches, an dem neben engagierten Senioren mittlerweile auch junge Mütter teilnehmen, ist beispielsweise das Rollatortraining. „Viele alte Menschen fühlen sich im Umgang mit dem Rollator unsicher, deshalb bleiben sie zu Hause und vereinsamen“, hat Hafers-Weinberg festgestellt. Zwischen 17 und 22 Senioren haben sich jeweils zu den Trainingsstunden eingefunden. Auch in diesem Jahr will die Quartiersentwicklerin diese Kurse wieder anbieten.

Ganz vorne auf der Wunschliste der Bauchemer Bürger ist ein Treffpunkt für Vereine, aber auch für vereinsunabhängige Einwohner. Da es bislang keine geeigneten Räumlichkeiten in Bauchem gibt, stellt Melanie Hafers-Weinkamp ihr nicht ganz so kleines Büro im Pfarrzentrum gerne für Treffen zur Verfügung.

Wie wichtig solch ein Treffpunkt gerade für ältere Menschen ist, hat die Quartiersentwicklerin beim Adventsbasar festgestellt: „Manche Senioren haben drei Stunden bei Kaffee und Kuchen zusammengesessen und haben sich über diese Abwechslung gefreut.“ Gelöst ist das Problem spätestens dann, wenn die Franziskusheim gGmbh das Sozialzentrum in Bauchem gebaut hat. Die Pläne sehen nämlich auch einen Quartierstreff vor, der allen Bürgern offen steht.

Großen Anklang hat auch das kulinarische Quartiersfest im Herbst gefunden. Hier saßen die Bauchemer bei Spezialitäten aus Pakistan, Polen, Russland und dem Kongo zusammen. „Und auch die deutsche Currywurst hat nicht gefehlt“, blickt Hafers-Weinberg zurück. Auch hier wurden neue Pläne geschmiedet: „Man sprach von künftigem nachbarschaftlichem Grillen und von Straßenfesten“, so die Quartiersentwicklerin. Etablieren wird sich in Bauchem sicherlich das gemeinschaftliche Boulespiel auf dem neuen Platz am Ehrendenkmal.

Wie unsicher alte Menschen oft auf der Straße sind, hat die Sozialwirtin beim Rollatortraining festgestellt. Um sie aus der Einsamkeit zu holen, sucht Hafers-Weinberg Spazierpaten. „Wenn man im Alter einen Begleiter hat, fühlt man sich sicherer und genießt seine Umwelt. So kommen die Senioren raus aus ihren vier Wänden.“

Vier Frauen aus Bauchem haben bereits zugesagt, Senioren zu begleiten. Sie werden zunächst geschult und lernen dabei den richtigen Umgang mit demeziell erkrankten Menschen. Dann werden geeignete Routen augewählt, die nicht so beschwerlich sind und auch Bänke für eine kurze Rast bieten. Weitere Begleiter sind willkommen. Interessenten können sich bei Hafers-Weinberg unter Telefon 02451/913034 melden.

„Es sind unzählige kleine Begegnungen, die die Quartiersarbeit ausmachen und die sich fortentwickeln sollen. Ich kann nur Anstöße geben und hoffen, dass die Begegnungen unter dem Motto ‚Raus aus der Einsamkeit und gesellschaftliche Teilhabe‘ intensiviert werden“, meint Hafers-Weinberg.

Das Projekt wird bis April 2018 vom Ministerium gefördert. Hafers-Weinberg hofft aber, dass es fortgeführt wird. Das wäre auch der Zeitpunkt, zu dem das Sozialzentrum mit Mietwohnungen, Tagespflege und Quartiersttreff gebaut wird.

„Quartiersarbeit kann man nicht nach zweieinhalb Jahren beenden. Ich freue mich aber erst einmal auf das kommende Jahr und auf die Begegnungen mit den Menschen.“

Zwei Fragen an Johannes Henßen, Ortsvorsteher von Bauchem

Was hat die Quartiersentwicklung für Bauchem gebracht?

Henssen: Nach dem Brand in der Kirche waren wir Bauchemer froh, dass Frau Hafers-Weinberg dem Förderverein ihr Quartiersbüro zur Verfügung stellt. Hier können wir uns regelmäßig treffen, diskutieren und Anregungen austauschen. Sie und Hanno Frenken und Andreas Seidler von der Franziskusheim gGmbH unterstützen unsere Bauchemer Veranstaltungen.

Was erhoffen Sie sich künftig von der Quartiersentwicklung in Bauchem?

Henssen: Wir bleiben weiter an dem Thema dran. Besonders das neue Sozialzentrum wird für Bauchem positiv sein. Die Vereine werden es annehmen.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert