Quartett aus Lübeck in Schloss Zweibrüggen mit reichhaltigem Programm

Von: jope
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Faszination und Spielfreude du
Faszination und Spielfreude durch das Hanseatische Gitarrenquartett: Die Freunde der Kammermusik in Übach-Palenberg boten erneut einen musikalischen Leckerbissen. Foto: agsb

Übach-Palenberg. Gitarrenmusik und -unterricht spielte im kulturellen Leben der Stadt Übach-Palenberg seit jeher eine bedeutende Rolle: in der Arbeit der damaligen Musikschule, in den Konzerten der „Freunde der Kammermusik”.

Da ist es eigentlich logisch, dass im Jubiläumsjahr - 40 Jahre Konzertreihe des KammerMusikEnsembles (KME) der Kammermusikfreunde - diesem Instrument eine große Bedeutung zukommt. Zunächst machte Professor Reinhold Bohrer, aus Übach stammend und inzwischen im spanischen Pamplona beheimatet, der Heimat seine Aufwartung, nun der aus Merkstein stammende Professor Albert Aigner mit seinem „Hanseatischen Gitarrenquartett” aus Lübeck.

„So falsch können wir mit unserer Nachwuchsarbeit nicht liegen, wenn wir Talente aus Übach und dem benachbarten Herzogenrath gut auf den Weg gebracht haben”, befand Vereins-Vorsitzender Hanns-Paul Jouck bei der Begrüßung im dicht gefüllten Schloss Zweibrüggen. Und er betonte, dass durch die Kooperation mit der Stadt - Bürgermeister Wolfgang Jungnitsch sprach wie immer auch sein Grußwort - die Konzertreihe eine weitere Aufwertung in der Region erfahren habe.

Zwei Gründe waren ausschlaggeend dafür, dass die Gitarren-Künstler (Karin und Albert Aigner sowie Heike Krugmann und Peter Lohse) ihre In-strumente mehrmals nachstimmen mussten: die kalte Witterung und die virtuosen Koloraturen, die den Interpreten und auch den Saiten einiges abverlangten.

Sehr lebhaft ging es bereits bei der einleitenden Suite von Henry Purcell (1659 - 1695) zu: Nach höfisch-gediegenem Start steigerte sich das Ensemble in expressive Tänze, bei der die Rhythmik mit den Punktierungen exakt herausgearbeitet wurde.

Renaissance-Musik vom Feinsten hielt das Lübecker Quartett bei „The King´s Hunt” von John Bull (1562-1628) bereit: ein Marsch, der eine Jagd-Gesellschaft vorstellte. Dem Tango nuevo verpflichtet war das Stück „Grises Y Soles” von Maximo Diego Pujol (geboren 1957), das dem Titel entsprechend melancholische (graue) und heiter-temperamentvolle (sonnige) Passagen bereithielt. Einen interessanten Ausflug in die Musikhistorie und veränderte Aufführungs-Praxis ermöglichte die „Introduction und Fandango” von Luigi Boccherini (1743-1805). Ursprünglich für ein Quintett für eine Gitarre und Streichquartett gedacht und dann - wegen mangelnder Top-Gitarristen in jener Zeit - mit zwei Bratschen aufgeführt, erklang die Fantasie nun im reinen Gitarren-Sound.

Die Lübecker interpretierten subtil und mit schönen dynamischen Abstufungen: für manche Zuhörer ein Grund, sich wieder oder erstmals mit dem Zauber dieses Instruments zu beschäftigen. Ein Instrument, das - wie es der Konzerttitel richtig ausdrückte - „Faszination und Spielfreude” vermittelte. Diese setzte sich nach der Pause mit der Symphonie Nr. 5 in B-Dur von William Bopyce - ebenfalls eine Transkription von einer der acht überlieferten Boyce-Streichersinfonien - fort. Es gibt wohl kein „spanischeres” Instrument als die virtuos beherrschte Gitarre, und „Estrampas” von Federico Morena Torroba (1891 - 1982) führte genau in diese Welt ein.

Mit „Estrampas” schilderten Professor Aigner und seine Mitstreiter Szenen des spanischen Landlebens. Auf ihren vier Instrumenten entzündeten sie eine Glut, die in der Winterkälte unserer Region so richtig ein inneres Feuer entzündete.

Schon eher in die „nordische” Stimmung dieser Tage passte dann die „Suite aus Holbergs Zeit” von Edward Grieg. Der Beobachter kennt sie im Original der Streicher-Serenade und war positiv überrascht über die Kompatibilität mit Gitarren-Klang. Originale Gitarren-Musik dann wieder zum Finale: „Comme un tango” (Wie ein Tango) hieß das rhythmisch packende Stück des 1962 geborenen Komponisten Patrick Roux. Ein Konzert, das eine gelungene Werbung für ein im klassischen Konzertbetrieb nur am Rande beachtetes Instrument wurde, ging erst nach der obligaten Zugabe zu Ende.
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