Prozessauftakt: Fünf Messerstiche in die Brust

Von: Wolfgang Schumacher
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Tatort Asylcontainer: Noch in der Tatnach wurde die Leiche des Opfers gefunden und geborgen. Auch die anschließende Fahndung führte schnell zum Erfolg. Foto: Georg Schmitz

Aachen/Geilenkirchen. Mit fünf wuchtigen Messerstichen in die Brust seines Gegners soll der in einem Geilenkirchener Übergangswohnheim lebende Jurij L. (57) einen Mitbewohner getötet haben. L. ist seit Donnerstag vor der ersten Schwurgerichtskammer am Aachener Landgericht wegen Totschlags angeklagt.

Der aus Kasachstan stammende und seit 1999 in Deutschland lebende gelernte Koch berichtete, er habe das Opfer am 24. November 2013 wegen dessen Tätlichkeiten gegenüber einer weiteren Person zur Rede stellen wollen. Den ganzen Tag über habe es Streit gegeben, der später Getötete habe aus heiterem Himmel auf den Kumpel eingestochen und ihn verletzt. Jurij L. und andere hätten den Täter gezwungen, den Freund ins Krankenhaus zu bringen, um dort dessen Verletzungen versorgen zu lassen.

„Als sie am Abend wieder kamen, habe ich beschlossen, den Schuldigen zur Rede zu stellen“, beschrieb der Angeklagte, der nur gebrochenes Deutsch spricht, in russischer Sprache die Situation. Der ursprüngliche Angreifer wohnte wohl nebenan in einem Container und sei „meistens zugedröhnt“ gewesen, so der selber regelmäßig und viel Alkohol konsumierende Angeklagte vor Richter Arno Bormann. Dort sei es dann plötzlich wieder ernst geworden. Als er ihn wegen des Vorfalls zur Rede stellte, habe sein Nachbar ihn nur mit „stieren Augen“ angestarrt. Dann habe er wieder das Messer ergriffen, mit dem er Stunden zuvor bereits den Freund attackiert hatte, berichtete Jurij L.

Als das spätere Opfer dann mit dem Messer auf ihn zu gestürmt sei, habe er durch die Türe fliehen und sich retten wollen. Doch die Tür ging nur nach innen auf, er habe festgesessen. Rettung habe ein Küchenregal gebracht, auf dem ein Küchenmesser gelegen habe. Das habe er genommen, daran erinnerte sich der Angeklagte.

Nach Sekunden habe der Gegner auf dem Boden gelegen, mit einem Messer in der Brust, der Mann starb an rapidem Blutverlust – er hatte insgesamt fünf Stiche abbekommen. Der Vorsitzende Richter Arno Bormann wollte es genauer wissen: „Wie haben sie denn zugestochen?“, fragte er und bezweifelte deutlich, dass der Angeklagte sich nicht an den genauen Ablauf erinnern könne.

Nein, könne er nicht, blieb L. bei seiner Darstellung. Aber es sei eine Situation der Notwehr gewesen. „Der oder ich“, das seien die Alternativen gewesen. Der Prozess wird am 19. Mai fortgesetzt.

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