Prozess: „Schwarze Witwe“ schweigt vor Gericht

Von: Wolfgang Schumacher
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Ortstermin 2009: Mitglieder des Aachener Schwurgerichts begehen den Tatort, das Übach-Palenberger „Waschparadies“. Foto: Georg Schmitz

Aachen/Übach-Palenberg. Im Fall der sogenannten schwarzen Witwe Erzebet F. (45) aus Übach-Palenberg wurden am Freitag vor dem Aachener Schwurgericht weitere Zeugen gehört. Erzebet F. wird vorgeworfen, die Anstifterin für die Tötung ihres damals 62-jährigen Ehemannes Christian J. gewesen zu sein, der am 5. April 2009 ermordet in den Räumen seiner Waschstraße in Boscheln gefunden wurde.

Nach wochenlangen Ermittlungen wurden der Kraftfahrer Ronny B., damals 33 Jahre alt, und der Pächter des unmittelbar an die Waschstraße grenzenden Bistros festgenommen. Ronny B. war anwesend und belastete auch die Ehefrau des Ermordeten, die jetzige Angeklagte, schwer.

Sie soll, so steht es in der Anklageschrift, dem Bistrowirt Khalil H. (58) 20.000 Euro versprochen haben, wenn der ihren Ehemann umbringe oder eben zusammen mit einem Mittäter umbringen lasse. Während B. die Tat gestand, pocht der ehemalige Bistrobetreiber bis heute auf seine Unschuld, beide wurden aber noch im selben Jahr zu lebenslanger Haft wegen Mordes verurteilt. Erzebet F. hatte sich inzwischen in ihre serbische Heimat abgesetzt.

Die Aachener Schwurgerichtskammer unter Vorsitz von Richter Roland Klösgen muss nun die mögliche Motivlage der Angeklagten, die sich bislang schweigend verteidigt, aufarbeiten. Das Ehepaar lebte zur Tatzeit bereits in Trennung. Der Waschstraßenbesitzer war ausgezogen und schlief regelmäßig in einem Zimmer in seiner Waschanlage.

Von wem die Scheidung ausgegangen war, konnte bisher nicht zweifelsfrei geklärt werden. Die wahrscheinlichere Variante ist, dass Christian J. die Scheidung wollte. Es gab immer wieder lautstarke Auseinandersetzungen des Paares in der Öffentlichkeit, so auch in den Räumen des Bistros. Sie habe immer mehr Geld eingefordert, als das Geschäft abwarf, berichtete am Freitag eine damalige Mitarbeiterin.

„Freundlich und hilfsbereit“

Waschstraßenbetreiber J. hatte bereits eine Anwältin beauftragt, die Scheidung zu klären, ebenso hatte es die Angeklagte getan. Die ehemalige Vermieterin des Ehepaares berichtete, Erzebet J., so hieß sie damals noch, sei „eine sehr freundliche und hilfsbereite“ Person gewesen. Erst als Christian J. zum vierten Mal auszog und die schriftliche Kündigung einreichte, wusste sie Genaueres.

Im Prozess gegen die beiden rechtskräftig verurteilten Mörder spielte die Scheidung eine große Rolle. Die Ehefrau habe sich eben nicht scheiden lassen wollen, eine Lebensversicherung sei vorhanden, hieß es damals. Ein ehemaliger Mitarbeiter der Sparkasse erklärte als Zeuge, die geschäftliche Lage der Waschstraße sei nicht gut gewesen, man habe um die Rückzahlungen der Kredite fürchten müssen. Der Prozess wird kommende Woche fortgesetzt.

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