Heinsberg/Übach-Palenberg - Projekt „Warming Hands“ hilft Obdachlosen in den Wintermonaten

Projekt „Warming Hands“ hilft Obdachlosen in den Wintermonaten

Von: Kristina Toussaint
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Im Einsatz gegen Kälte und Not bei Wohnungslosen und Bedürftigen: Nadine Phieler, Helga Frohn, Sarah Reichert, Claudia Rom, Jennifer Gorke und Kerstin Knops. Foto: imago, Kristina Toussaint
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Im Einsatz gegen Kälte und Not bei Wohnungslosen und Bedürftigen: Nadine Phieler, Helga Frohn, Sarah Reichert, Claudia Rom, Jennifer Gorke und Kerstin Knops. Foto: Kristina Toussaint

Heinsberg/Übach-Palenberg. Weihnachten bei Wasser und Brot oder gar bei Eiseskälte auf der Straße – auch im Kreis Heinsberg ist das für viele Menschen Realität. 53 Personen gelten im Kreis offiziell als wohnungslos, deutlich mehr schlagen sich nur mit Hilfe von Bekannten oder entsprechenden Einrichtungen durch.

„Manchmal stolpert man und braucht jemanden, der einem wieder aufhilft“: Für die Frauen und Männer, die sich seit einigen Wochen in der Obdachlosenhilfe engagieren, fasst das den Kern dessen zusammen, was sie mit ihrem Projekt „Warming Hands“ erreichen wollen – Soforthilfe in den kalten Wintermonaten und nachhaltige Unterstützung durch das Finden von Kooperationspartnern.

Nicht mehr in der Lage

Das Verständnis für Menschen, die sich nicht aus eigener Kraft versorgen können, musste bei einigen jedoch erst einmal wachsen, erzählt Projektleiterin Jennifer Gorke. „Warum müssen Menschen, denen es ohnehin schon schlecht geht, anfangen zu trinken?“ oder „Wieso muss sich jemand, der sich die lebensnotwendigsten Dinge nicht leisten kann, einen Hund zulegen?“ seien Fragen gewesen, die sich zu Beginn der Auseinandersetzung mit dem Thema viele noch gestellt hätten.

„Man begreift dann aber schnell, dass es eben Situationen gibt, in denen Menschen nicht mehr in der Lage sind, Termine einzuhalten und eine Regelmäßigkeit zu bewahren, die ihnen die Unterstützung durch den Staat sichert, beispielsweise durch Krankheit“, ergänzt Kerstin Knops, die für „Warming Hands“ die Pressearbeit übernommen hat.

Auch die übrigen neun Beteiligten haben alle bestimmte Aufgaben übernommen: Marketing, Werbung, Spendenakquise – die Hilfe für Obdachlose soll möglichst professionell aufgezogen werden. Im Rahmen einer sechsmonatigen beruflichen Weiterbildung, die sie mit der Qualifizierung zur Assistenz für Unternehmens- und Projektmanagement abschließen, gilt es, ein eigenes Projekt auf die Beine zu stellen. Ihr Augenmerk fiel schnell auf die Obdachlosigkeit: „Ein Problem, das sich unmittelbar vor unserer Haustür befindet“, sagt Knops.

Ab sofort versorgt „Warming Hands“ den Verein Obdachlosenhilfe in Übach-Palenberg mit Sachspenden. Gefragt sind neben warmer Kleidung zum Beispiel Winterschlafsäcke, Hygieneartikel wie Seife, Deodorant, Haftcreme, Tampons oder Windeln.

In der Einrichtung des Vereins bekommen Bedürftige und Menschen ohne Wohnung einmal in der Woche eine warme Mahlzeit und die Ausstattung, die sie benötigen. Im Schnäppchenmarkt werden Deko und kleine Hausratsartikel verkauft, der Erlös fließt zurück in die Obdachlosenhilfe.

Offiziell gibt es in Übach-Palenberg nur einen Obdachlosen. Die Tatsache, dass neben einer wechselnden Anzahl Erwachsener inzwischen 45 Kinder das wöchentliche Mittagessen in Anspruch nehmen, zeigt jedoch, dass die Dunkelziffer derer, die sich nicht aus eigener Kraft versorgen können, deutlich höher sein muss. „Zu uns kommen die, die wirklich nichts mehr haben“, sagt Hartmann.

Wenn jemand akut einen Schlafplatz braucht, setzt Hartmann alle Hebel in Bewegung, um eine Unterkunft in einer der Notschlafstellen in Geilenkirchen oder Heinsberg zu organisieren. Die zwölf festen Schlafplätze der Fachberatungsstelle in Geilenkirchen sind laut Einrichtungsleiter Frank Wittke ausgelastet und auch die vier Plätze für Notfälle häufig belegt.

„Jeder versucht, so lang wie möglich hinauszuzögern, dass er hier landet“, sagt Wittke, „man kommt bei Bekannten unter, schlägt sich so durch.“ Dadurch bleibe die Wohnungslosigkeit in vielen Fällen verdeckt. Auffällig sei, dass die Besucher der Einrichtung immer jünger werden, oft erst 18 oder 19 Jahre alt sind. Der Druck auf dem Wohnungsmarkt verstärke das Problem.

Die Unterstützung, die „Warming Hands“ leistet, soll über die spendenreiche Weihnachtszeit hinausgehen. Im Aufbau ist ein Kooperationsnetz mit Supermärkten und anderen Lebensmittelzulieferern wie Bäckern oder Metzgern, die regelmäßig übriggebliebene Nahrungsmittel zur Verfügung stellen oder Essenspakete schnüren.

Und in noch einem Bereich wird ein Netzwerk aufgebaut: drei Tierärzte stehen den Besuchern der Obdachlosenhilfe in Übach zur Seite, wenn mit ihren Tieren – 70 Hunde und 40 Katzen – etwas nicht stimmt. Unter den Sachspenden sei Tiernahrung eines der beliebtesten Güter, erzählt Gorke. „Viele dieser Menschen haben das Vertrauen in die Ämter und ihre Mitmenschen verloren. Ein Hund ist da oft der einzige, dem sie noch vertrauen.“

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