Profis klären auf: Chancen und Risiken des Internets

Von: Christina Kolodzey
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Michael Zeisberger, Bitkom-Projektleiter und Initiator des Projekts „erlebe IT“, beim Vortrag vor einer 6. Klasse des Carolus-Magnum-Gymnasiums in Übach-Palenberg. Fotos (2): Christina Kolodzey Foto: Christina Kolodzey
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René Hülswitt (l.) und Christoph Schlagenhof helfen den Schülern Silas Pietrowski (11), Lukas Schmidt (12) und Phil Kohnen (12) (v.l.n.r.) beim Durchführen der Vorsichtsmaßnahmen.

Übach-Palenberg. „Verführer“ Internet: Kaum jemand kann oder will ihm widerstehen. Doch er birgt Gefahren. Risiken, die schnell unkalkulierbar werden. Aufklärung ist wichtig, so früh wie möglich. Am besten schon im Kindesalter.

Auch am Carolus-Magnus-Gymnasium sind sich Schulleitung und Lehrkräfte ihrer großen Verantwortung bewusst, wenn sie Schülern den Zugang zu diesem Medium in den hauseigenen Informatikräumen gestatten. Doch wie können sie die Kinder schützen?

Christoph Schlagenhof, Mathe-, Pädagogik- und Informatiklehrer, erfuhr von der Möglichkeit, sich professionelle Hilfe durch Experten von Bitkom, dem „Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V.“, in die Schule zu holen. Sie schärfen in Workshops bei Heranwachsenden das Bewusstsein für mögliche Gefahren und geben Tipps zur Umgehung.

Auf zwei dieser Spezialisten durften sich kürzlich die sechsten Klassen des Gymnasiums freuen: Michael Zeisberger, Projektleiter und Initiator des Seminars „Erlebe IT – Social Communities“, und René Hülswitt, IT-Coach, der ehrenamtlich für Bitkom tätig ist. Schlagenhof: „Wir haben vorher im Deutschunterricht das Thema Cyber Mobbing intensiv vorbereitet. Auch die Eltern wurden mit einbezogen. Für sie fand am Vorabend des Workshops eine Informationsveranstaltung statt.“

Um acht Uhr morgens durften die Mädchen und Jungen dann in den Informatikräumen den Experten lauschen und staunten nicht schlecht, als sie hörten, dass mehr als die Hälfte der Kinder ihrer Altersklasse ein Facebook-Konto hat. Dieses soziale Netzwerk – auf Englisch social community – kann bereits jeden Dritten Deutschen als user (Nutzer) verbuchen, was sich auf 25 Millionen Menschen summiert.

Weltweit hat es 980 Millionen Mitglieder, was mengenmäßig vergleichsweise dem drittgrößten Land der Erde entsprechen würde. Seit 2005 existierend, werden heute täglich unvorstellbare 30 Milliarden Beiträge geschrieben und geposted (auf der Website veröffentlicht). Dass sich hieraus ein enormes Gefahrenpotenzial ergeben kann, konnten die aufmerksamen, jungen Zuhörer gut nachvollziehen.

Um dies zu verdeutlichen, wurde der Videoclip „Klaus erklärt Facebook“ eingespielt, den die Kinder hinsichtlich der Vor- und Nachteile analysieren sollten. Als positiv empfanden sie, dass sie Gleichgesinnte finden, mit ihnen kommunizieren und diese Kontakte kostenlos halten können. Es störte sie jedoch, dass sie nie sicher wissen, wer sich hinter den einzelnen Profilen verbirgt und ob diese Personen vielleicht Böses wollen.

Tipps aus der Praxis

Auch lernten sie, dass man mit sensiblen Daten und deren Veröffentlichung vorsichtig umgehen muss: Kündigt man beispielsweise an, wann sich die Familie im Urlaub befindet, könnten Langfinger dem Zuhause einen ungebetenen Besuch abstatten.

Doch „grau ist alle Theorie“ – was müssen Jugendliche in der Praxis beachten, wenn sie sich bei Facebook anmelden? Ab 13 Jahren darf man Mitglied werden, und jeder einzelne Schritt zum Eröffnen eines sogenannten Accounts (Konten) wurde von den IT-Experten genauestens erklärt und von den Jugendlichen am PC nachvollzogen.

Sie sollten als Übung eine fiktive Person anmelden, und Michael Zeisberger schärfte den Kindern ein: „Nehmt beim Anlegen eine andere E-Mail-Adresse, als die, welche ihr zum Kontakt mit Freunden nutzt und klickt bei „Profilinformationen“ und „Profilfoto“ am besten das Feld „überspringen“ an, denn je weniger das Internet von euch weiß, umso besser. In den Nutzungsbedingungen steht, dass Facebook alle Rechte an euren Fotos hat, also damit machen kann, was es will.“

Ein weiteres Video zeigte, wie ein Mädchen von Mitschülern wegen eines Fotos im Netz, das es nicht mehr löschen konnte, gemobbt wurde. Schlagenhof riet: „Wenn ihr gemobbt werdet, wendet euch vertrauensvoll an eure Eltern oder Lehrer“, und René Hülswitt ergänzte: „Mobbing ist strafbar, man kann sogar Strafanzeige stellen.“

Nach drei Stunden hatten die Sechstklässler viel gelernt, und die einhellige Meinung war: „ein super Workshop“. Saskia Hess (10) und Lucia Pomareda (11) fanden es „gut zu wissen, was man nicht preisgeben soll“, während Dilara Uslu (12) erstaunt war, „dass selbst beim Löschen alles drin bleibt“. Phil Kohnen (12), Lukas Schmidt (12) und Silas Pietrowski (12) freuten sich, „dass wir jetzt wissen, wie man einen Account anlegt und welche Risiken es gibt“. Sandra Sosic (11) ergänzte: „Toll, dass wir am Computer alles ausprobieren konnten.“

Die Bitkom-Experten waren zufrieden und hielten für ihre aufmerksamen Zuhörer zum Abschied ein Merkblatt und leckere Gummibärchen bereit, die mit Jubel gegessen wurden.

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