Professor Schröder: Verfechter einer streng papsttreuen Denkweise

Von: Johannes Gottwald
Letzte Aktualisierung:
8755818.jpg
Die Professor-Schröder-Straße bildet die Nord-Süd-Verbindung im Ortsteil Beeck und ist nach einem bedeutenden katholischen Theologen des 19. Jahrhunderts benannt. Foto: Johannes Gottwald
8755839.jpg
Das Grabmal für Professor Joseph Schröder wurde beim Wiederaufbau der Kirche in die Südwand des Turmes eingelassen.
8755844.jpg
Der Theologe Professor Joseph Schröder lebte von 1849 bis 1903.

Geilenkirchen. Der Ortsteil Beeck ist heute vor allem durch sein „Erzählcafé“ sowie durch seine sorgsam gepflegten Häuser und Gärten bekannt, die schon mehrfach zu Auszeichnungen im Rahmen des Bundeswettbewerbes „Unser Dorf soll schöner werden“ geführt haben.

Weniger ins Auge fällt dagegen auf den ersten Blick die Professor-Schröder-Straße, die gleichsam als Nord-Süd-Achse durch den gesamten Ort führt. Sie trägt den Namen eines bedeutenden katholischen Theologen, der am 26. April 1849 in Beeck zur Welt kam.

Der Sohn eines einfachen Kleinbauern hatte schon früh gezielt auf seine spätere Karriere hingearbeitet. Zunächst wurde er beim Vikar von Würm unterrichtet, der sein außergewöhnliches Talent erkannte und dafür sorgte, dass er den Weg zum Gymnasium ging. Als Jugendlicher trat Schröder in die Quarta des katholischen Knabenseminars in Neuß ein. Sein besonderer Ehrgeiz zeigte sich daran, dass er rasch zum Klassenprimus aufstieg und es auch bis zum Abitur blieb, das er 1867 ablegte. Sein Entschluss, die kirchliche Laufbahn einzuschlagen, stand offenbar schon lange fest.

Dogma von der Unfehlbarkeit

Nun wollte der junge Mann am berühmten Collegium Germanicum in Rom studieren. Aber dorthin zu kommen, war zu diesem Zeitpunkt gar nicht so leicht, denn in der Umgebung Roms herrschte Krieg. Joseph Schröder gelangte trotzdem nach Rom, wo er sieben Jahre zubrachte. In dieser Zeit spielten sich dort bedeutende kirchengeschichtliche Ereignisse ab. Dazu gehörte vor allem das 1. Vatikanische Konzil, auf dem das Dogma von der Unfehlbarkeit der päpstlichen Lehre formuliert wurde. Am 20. September 1870 kam dann das Ende des Kirchenstaates: Italienische Truppen besetzten unter dem Jubel der Bevölkerung die Stadt Rom, die nunmehr zur neuen Hauptstadt des Landes wurde. Der Papst protestierte gegen diesen Bruch des Völkerrechtes und zog sich hinter die Mauern des Vatikans zurück. Obwohl ihm König Viktor Emanuel I. völlige Unabhängigkeit und Unverletzlichkeit zusicherte, lehnte Pius IX. alle Kompromissangebote kategorisch ab und blieb lieber der „Gefangene im Vatikan“. Erst 1929 sollte eine neue Regelung geschaffen werden, durch die der Vatikanstaat ins Leben treten konnte.

Papsttreue Denkweise

Der junge Theologiestudent Schröder stand bei diesen Vorgängen entschieden auf der Seite des Papstes – das Vorgehen des Staates erschien ihm als ein Angriff auf die Freiheit der Kirche. In der Folgezeit entwickelte er sich zum konsequenten Verfechter einer konservativen, streng papsttreuen Denkweise, die später in Deutschland als „ultramontan“ bekannt wurde. Der Begriff „ultramontan“ kommt aus dem Lateinischen und bedeutet sinngemäß „jenseits der Berge“. Damit wird auf die Stadt Rom angespielt, die jenseits der Berge – nämlich der Alpen – liegt und allen romtreuen Katholiken als Orientierungspunkt dient.

1873 wurde Joseph Schröder in Rom zum Priester geweiht und kehrte ein Jahr später als Doktor der Theologie und der Philosophie nach Deutschland zurück. Aber trotzdem konnte er im Bistum Köln keine Anstellung finden, denn in Deutschland herrschte der Kulturkampf und den Bischöfen war 1873 das Ernennungsrecht für Priester entzogen worden. Die neue Reichsregierung unter Kanzler Otto von Bismarck strebte eine weitgehende Trennung von Staat und Kirche an. Darin wurde sie von vielen Liberalen unterstützt, die Religion als reine Privatsache betrachteten und den Einfluss der katholischen Kirche in Staat, Wirtschaft und Schulbildung als Einschränkung der Meinungs- und Gedankenfreiheit ansahen. Damit war eine Konfrontation geradezu vorprogrammiert, bald kam es zur Verhaftung von Bischöfen und 1875 zur Ausweisung der meisten Orden. Erst der neue Papst Leo XIII. konnte sich 1879 mit Bismarck auf einen Kompromiss einigen und die Rücknahme der meisten repressiven Maßnahmen erreichen.

Kein Karriereknick

Für Joseph Schröder bedeuteten diese Vorgänge jedoch keinen Karriereknick: Er wich ins benachbarte Belgien aus und ging nach Lüttich, wo er zunächst eine Anstellung am Priesterseminar fand und dann vom dortigen Bischof zum Professor der Philosophie am Seminar in St. Trond ernannt wurde. In den folgenden zwölf Jahren erwarb er sich schnell einen bedeutenden Ruf als Gelehrter, aber auch als Prediger und mitreißender Volksredner. Dabei trat er für eine unbedingte Treue zum Papst und den Bischöfen ein und wendete sich gegen schrankenlosen Liberalismus und Freigeisterei. Dass der Staat, das Rechtswesen, Politik und Kultur völlig frei von göttlicher und kirchlicher Autorität sein sollten, erschien ihm als gefährlicher Irrweg. Dazu veröffentlichte er auch eine Schrift mit dem Titel: „Der Liberalismus in der Theologie und Geschichte“, die großes Aufsehen erregte.

Inzwischen war der Kulturkampf beendet und Joseph Schröder konnte wieder nach Deutschland zurückkehren. 1887 wurde er Pfarrer an St. Johann in Köln und ein Jahr später Professor am erzbischöflichen Priesterseminar, aber diese Station blieb nur eine kurze Episode. Im Jahr 1889 erreichte ihn ein Ruf aus den Vereinigten Staaten: In Washington war eine neue katholische Universität gegründet worden und man versuchte dort fähige Leute als Professoren zu gewinnen. Und so siedelte Joseph Schröder nach Amerika über, wo er etwa neun Jahre an der Hochschule arbeitete.

Große Wertschätzung

In den USA erfreute sich Schröder bald großer Wertschätzung, vor allem bei den deutschstämmigen Einwanderern, für deren Rechte er entschlossen eintrat. Dagegen eckte er mit seiner konservativen Gesinnung bei manchen Professoren-Kollegen an, vor allem bei John Ireland, dem Erzbischof von Minneapolis und dem Universitäts-Rektor Bischof Keane. Diese beiden Kleriker vertraten einen liberaleren Katholizismus, der eine Versöhnung zwischen Kirche und Demokratie, mehr religiöse Toleranz, aber auch die Lockerung mancher strenger Glaubenssätze befürwortete. Dies ging Joseph Schröder aber entschieden zu weit, er zog gegen diesen „Amerikanismus“ mit der theologischen Schrift „American Catholics and the Roman Question“ zu Felde. Rückendeckung bekam er dabei von Papst Leo XIII., der 1895 den Amerikanismus als Häresie verurteilte. 1896 wurde Rektor Keane zum Rücktritt genötigt und musste sich in Rom rechtfertigen, wurde aber später rehabilitiert.

Erbitterte Gegner

Unter diesen Umständen schuf sich Joseph Schröder nicht nur Freunde, sondern auch erbitterte Gegner. So entschloss er sich 1898 zur Rückkehr in die Heimat und nahm eine Professur für Dogmatik an der Universität in Münster an.

Dort erreichte sein Ansehen als bedeutender Theologe seinen Zenit. Die Studenten begrüßten ihn schon bei seiner Antrittsvorlesung mit Beifall, seine Vorträge zogen auch zahllose Nichtakademiker aus allen Schichten der Stadtbevölkerung an. 1902 wurde er sogar zum „Rektor magnifikus“ für das laufende Studienjahr gewählt. Im Sommer 1903 erreichte ihn die ehrenvolle Einladung der Straßburger Universität, dort einen Lehrstuhl zu übernehmen. Joseph Schröder war auch geneigt, das Angebot anzunehmen – aber der Tod trat dazwischen. Plötzlich und unerwartet überfiel ihn eine akute Lungenentzündung, die ihn binnen weniger Tage im Alter von nur 54 Jahren dahinraffte.

Am 8. September 1903 bewegte sich ein eindrucksvoller Trauerzug von Schröders Wohnsitz in Wuppertal-Elberfeld zum dortigen Bahnhof. Das Kölner Domkapitel, der Generalvikar, der Oberpräsident der Provinz Westfalen und zahlreiche Professoren und Studentenkorporationen folgten dem Sarg. In seinem letzten Willen hatte der Verstorbene verfügt, in seinem Heimatort beerdigt zu werden. So wurde der Leichnam nach Würm überführt und auf dem alten Friedhof neben der Pfarrkirche St. Gereon beigesetzt. Das Grabmal von Professor Joseph Schröder ist erhalten geblieben. Es wurde nach dem 2. Weltkrieg in die äußere Südwand des neuen Kirchturms eingemauert, wo man es noch heute sehen kann.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert