Preisexplosion bei Bezahlsender Sky beunruhigt Gastronome und Vereine

Von: Alexander Barth
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Bald zu teuer? Der Bezahlsender Sky hat seine Tarife für die Live-Übertragungen von Bundesliga und Champions League drastisch erhöht. Foto: Alexander Barth
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Er ärgert sich: Gastwirt Willi Jabusch weiß nicht, ob er sein Sky-Abo halten kann.

Geilenkirchen/Gangelt. Den Genuss des Live-Übertragungen von Bundesliga und Champions League lässt sich das Münchener Unternehmen zur neuen Saison jetzt erheblich mehr kosten – zumindest, was Gastronomen und Vereine angeht, die Fußball als Gemeinschaftserlebnis präsentieren.

Auch Live-Fußball-Anbieter in Geilenkirchen klagen über die Preiserhöhungen. Im Sportheim der SG Gangelt-Hastenrath kommen an Bundesliga-Wochenenden und Champions-League-Abenden Fußballfans zusammen, um gemeinsam die Spiele zu verfolgen.

Hier hat sich mehr als nur eine Zweckgemeinschaft von Gleichgesinnten gebildet, die dem TV-Fußballgenuss vor der Kulisse des örtlichen Vereins nachgeht. „Es kommen auch viele Leute, die nicht direkt dem Verein angehören“, sagt Franz-Josef Stevens. Der Vorsitzende der SG weiß über die Rahmenbedingungen für die Übertragungen Bescheid. „Sky hat sich die alleinigen Rechte für drei Jahre gesichert und dafür 1,9 Milliarden Euro hingelegt“. Er vermutet: „Das holt man sich jetzt bei den Kunden im Vereinsleben und in der Gastronomie zurück.“

143 Euro haben sie bei der SG Gangelt-Hastenrath bislang monatlich für das Abo an den Bezahlsender überwiesen. „Mit dem neuen Berechnungssystem zahlen wir jetzt 80 Prozent mehr“, sagt Franz-Josef Stevens. Wie genau der neue Berechnungsschlüssel funktioniert, ist ihm allerdings ein Rätsel. „Früher ging man nur nach Quadratmeterzahl im Gastraum. Heute kommen Aspekte wie Kaufkraft oder Bevölkerungsdichte in der Region hinzu.“ Nach diesem Satz atmet Stevens tief durch.

Trotz des happigen Aufschlags wolle man die die Freunde und Mitglieder in Gangelt-Hastenrath nicht hängen lassen. Schließlich kämen Gäste aus dem gesamten Selfkant, erklärt der Vereinsvorsitzende. Allerdings komme man nicht drum herum, die Mehrkosten auch auf die Gäste umzulegen: „Wir müssen schweren Herzens die Getränkepreise anheben, sonst können wir das Angebot einfach nicht halten“.

Der SG-Vorsitzende ärgert sich neben der Preissteigerung auch über die Kommunikationspolitik des Bezahlsenders. „Bisher gab es immer einen freundlichen Außendienstmitarbeiter, der persönlich vorbeigeschaut hat. Den hat man jetzt wohl abgeschafft.“ Nicht alle Vereine, die bisher in ihren Räumen die Übertragung der Spiele zeigen, hätten die Preiserhöhung mitgemacht. „Ich weiß von vielen, die bereits gekündigt haben“, sagt Stevens.

Auch Willi Jabusch hadert mit der neuen Preispolitik des Bezahlsenders. „Ich überlege momentan ernsthaft, ob ich mein Abo kündige“, sagt der Geschäftsführer des Traditionshauses am Geilenkirchener Markt. Er rechnet mit rund einem Drittel an Mehrkosten. „Wenn es wirklich so kommt, dann bin ich bald draußen. Das lohnt sich einfach nicht mehr.“ So viel Bier könne er gar nicht mehr verkaufen, sagt er mit bitterer Miene, „und Preisaufschläge, die kann ich meinen Gästen nicht zumuten. dann gehen die Leute woanders hin.“

Sascha Spiertz, Betreiber des „Gerberhaus“, hat bislang noch keine schriftliche Information von Sky erhalten. „Ich weiß also noch nicht einmal genau, wie viel mehr ich am Ende zahlen muss. Allerdings wird schon ein erhöhter Betrag abgebucht. “ Auch er wird sein Abo weiterhin behalten, wenn auch mit einem seltsamen Gefühl im Bauch. „Man muss abwägen. Einerseits ziehen die Übertragungen Gäste an. Andererseits läßt sich das Abo jetzt schon nicht allein über die Kundschaft finanzieren.“

Und indirekt für den Bezahlsender Sky arbeiten – das wollen weder er noch Franz Josef Stevens und Willi Jabusch.

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