Gangelt - Praktikantin Malou: Bitte zum Einsatz!

Praktikantin Malou: Bitte zum Einsatz!

Von: Udo Stüßer
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Nils Jütten und sein Hund Malou beim Einsatz in der Mariengruppe: Hier erfreut sich der junge Australian Shepherd großer Beliebtheit. Foto: Udo Stüßer

Gangelt. Ihr Name ist Malou. Sie ist weiblich und bekleidet den Praktikantenplatz in der Katharina Kasper ViaNobis GmbH mit Sitz in Gangelt. Ihr Berufsziel heißt es Therapiebegleithund zu werden.

Der sieben Monate alte Australian Shepherd bringt die besten Voraussetzungen dafür mit: Er wird als beschützend, freundlich, aktiv, intelligent und anhänglich beschrieben. Sein Besitzer Nils Jütten, der als Heilerziehungspfleger im geschützten Bereich für Menschen mit geistiger Behinderung arbeitet, beschreibt den Hund aber auch als zurückhaltend und schüchtern. Malou ist der erste Therapiebegleithund in der ViaNobis GmbH.

Der in der Mariengruppe arbeitende Nils Jütten ist ein wahrer Hundefreund. Er liebt besonders die ausgedehnten Spaziergänge mit seinem vier Jahre alten Siberian Husky Shane. „Shane sollte nicht mehr alleine sein, deshalb wollte ich unbedingt einen zweiten Hund“, erklärt Jütten, der sich im vergangenen Jahr ausführlich über die Arbeit mit Therapiebegleithunden informiert hat.

Dann stand für den Heilerziehungspfleger fest: Das zweite Tier sollte die Arbeit in der ViaNobis GmbH unterstützen. Eine Anfrage des Pflegers, ob ViaNobis eine Weiterbildung zum Therapeuten für tiergestützte Therapie unterstützt, wurde von der Hausleitung positiv beschieden.

Jütten begab sich auf die Suche nach einem geeigneten Tier: Es musste die richtige Rasse sein, es mussten die geeigneten Eltern sein, schließlich spielen die Gene eine entscheidende Rolle. Nils Jütten recherchierte und wurde schließlich auf eine trächtige Hündin in Rostock aufmerksam. Hier schien alles zu passen: Die Hündin und Malous Vater sind beide ausgebildete Therapiebegleithunde, die Züchter sind Assistenzhundeausbilder, die unter anderem Behindertenbegleithunde ausbilden.

Nils Jütten hatte sich vormerken lassen. Ende vergangenen Jahres war es dann so weit: Malou kam als eine von neun Welpen zur Welt. Nach verschiedenen Tests der Züchter stand vier Wochen später fest, dass Malou für eine Ausbildung zum Therapiebegleithund geeignet ist.

Jütten machte sich im Dezember auf den Weg nach Rostock. Bevor er aber mit dem Welpen den Heimweg antrat, absolvierte er ein Wochenendseminar bei den Züchtern. Da ging es nicht nur um Hundehaltung und Pflege, es ging auch um den Einsatz des Hundes bei behinderten Menschen.

„Ebenso wie Menschen sind auch Hunde nicht endlos belastbar. Auch ein Hund kann unter Stress stehen. Da muss man die Stressanzeichen erkennen“, erklärt Jütten. Aber auch jetzt noch hat er Kontakt zum Züchterehepaar und holt sich so manchen guten Rat. „Und demnächst fahre ich mit Malou nach Rostock. Dort gibt es dann ein Welpentreffen mit ihren Geschwistern“, freut sich Jütten.

Zu seiner täglichen Arbeit in der Mariengruppe nimmt Jütten seinen Hund nicht mit. „Ein Therapiehund sollte nicht dauerhaft in der Gruppe sein, sondern für die Bewohner eine Sondersituation darstellen“, erklärt Ilka Gerigk, Leiterin des Wohnbereiches für Menschen mit geistiger Behinderung.

Um den Hund nicht zu überfordern und an die neue Umgebung und hier lebenden Menschen zu gewöhnen, darf er sich derzeit zweimal in der Woche in der Mariengruppe aufhalten, der direkte Kontakt zu den Bewohnern darf derzeit zehn Minuten nicht überschreiten. Später darf er dreimal in der Woche jeweils eine halbe Stunde mit den Bewohnern „arbeiten“. Und dann soll er bei Bedarf auch in den anderen Gruppen zum Einsatz kommen.

Seit Februar ist Malou nun in Gangelt im Einsatz. „Auf die Bewohner wirkt er beruhigend, motivierend oder angstnehmend“, hat Ilka Gerigk festgestellt und nennt einige Beispiele. So gibt es Bewohner, die mit anderen Menschen nicht zurechtkommen, aber doch eine gewisse Nähe suchen. Da reicht es schon, wenn Malou sich zu ihnen ins Bett legt.

„Ich kann mir gut vorstellen, dass sich ein solcher Hund bei der Therapie von Autisten gut eignet“, sagt Ilka Gerigk. Anderen Bewohnern hilft Malou, Ängste zur überwinden. „Haben diese Menschen Angst vor Lärm, beispielsweise vor Lärm durch zuschlagende Türen, können sie diese Ängste durch die Beziehung zum Hund zurücknehmen“, erklärt Gerigk und sagt weiter: „Tiere können bei Menschen Emotionen und Spannungen lösen.

Geht ein Therapiebegleithund kontrolliert auf Menschen zu, die Angst vor Hunden haben, können diese Ängste abgebaut werden.“ Der Hund spüre aber die Emotionen der Menschen. „Das ist für den Hund Arbeit, die bei ihm zu Stress führen kann“, sagt die Wohnbereichsleiterin.

Nils Jütten macht derweil deutlich, dass sein Hund auch die Beweglichkeit der körperlich behinderten Menschen fördern kann: „Mit dem Hund und Bewohnern kann ich Ball-, Versteck- und Suchspiele machen. Das führt zu Erfolgserlebnissen beim Hund und bei den Bewohnern.

Dass Tiere einen therapeutischen Effekt haben, ist lange bekannt. Seit Jahren schon setzt ViaNobis beispielsweise auf Reittherapie, unterhält einen eigenen Bauernhof, und in manchen Gruppen haben auch klassische Haustiere ein Zuhause.

Im Februar nächsten Jahres startet Nils Jütten seine Zusatzausbildung zum zertifizierten Therapeuten für tiergestützte Therapie. 15 Monate dauert der Lehrgang in Oberhausen. Unterrichtet wird einmal im Monat ein ganzes Wochenende. Zum Abschluss gibt es nach einer Prüfung für Hundeführer und Hund eine Urkunde. Denn Mensch und Hund zusammen sind ein Team.

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