Porträt: Eric Mehenga ist neuer pastoraler Mitarbeiter

Von: Andrea Schever
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Familienvater und frischgebackener pastoraler Mitarbeiter: Eric Mehenga. Foto: Andrea Schever

Geilenkirchen/Würselen. „Viele Menschen denken, dass junge Leute fern vom Glauben sind“: Mit ernstem, aber ungemein freundlichem Blick hält Eric Mehenga kurz inne. „Von der Kirche als Institution vielleicht ja, aber sicher nicht vom Glauben.“ Der 37-Jährige hat eine Idee, wie man das Problem mit den jungen Nicht-Kirchgängern angehen kann.

Und um diese umzusetzen, hat er von nun an genug Gelegenheiten, denn der engagierte Mann ist einer der sechs neuen pastoralen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen im Bistum Aachen. Ende August erhielt er im Dom seine Beauftragung von Weihbischof Karl Borsch, vorher schloss er seine dreijährige Ausbildung in Geilenkirchen ab.

Ankunftsort Frankfurt

Geboren wurde Eric Mehenga in der Stadt Duala und wuchs in einem Dorf nahe der Stadt Kribi in Kamerun auf, direkt am Atlantik. Er wurde christlich erzogen, was dort nicht ungewöhnlich ist, da Kamerun seit der Zeit der deutschen Kolonialisierung stark durch diesen Glauben geprägt wurde. Doch trotz seiner tiefen religiösen Überzeugung und seines Engagements in der Gemeinde war Theologie nicht Mehengas erste Studienwahl.

Nach seinem Universitätsabschluss in „Afrikanischer Literatur und Zivilisation“ in Kamerun entschied er sich 2006, sein Wissen in Deutschland zu erweitern. Da es einen derartigen Studiengang in Frankfurt, dem Ort seiner Ankunft, jedoch nicht gab, begann Mehenga in Fulda mit dem fünfjährigen Studium der Theologie.

Rasch merkte er bei sich selber und anderen Studenten, dass es für internationale Studierende schwierig ist, in einem so fremden Land zurechtzukommen. Ganz im Sinne des interkulturellen Schwerpunktes seines ersten Studiums entschied Mehenga sich, etwas gegen sprachliche, kulturelle und zwischenmenschliche Differenzen zu tun und gründete den Verein VAS-FD (Verein für afrikanische Studierende in Fulda).

Rasch erreichte er nicht nur Afrikaner, sondern Studenten aus aller Welt, die sich erst noch in Deutschland zurechtfinden mussten und Hilfe bei Behördengängen brauchten. Während seiner Zeit in Fulda lernte er auch seine Frau Daniela kennen, die er 2014 heiratete. Nach dem Studium in Fulda begann der heute in Würselen wohnende Familienvater im September 2013 in Aachen mit der Ausbildung zum Pastoralreferenten.

Wenn Eric Mehenga von seinen zwei Vorbildern in Sachen Religion spricht, muss er lächeln: „Das sind meine Uroma und Johannes Paul II. Sie sind für mich die markanten Personen im Glauben.“ Seine Urgroßmutter sei diejenige gewesen, die ihn als kleines Kind bei der Hand genommen und zur Dorfkapelle geführt habe – obwohl sie selber keine Christin war.

Sie lehrte den jungen Eric Offenheit in allen Belangen des Lebens und sorgte auch dafür, dass er getauft wurde. Und sie war diejenige, die ihm 1985 den Papst erklärt hat: „Als ich sieben Jahre alt war, kam der Papst das erste Mal nach Kamerun und das ganze Land war voller Freude“, erzählt Eric Mehenga. „Häuser wurden gestrichen, Messen gefeiert, es wurde viel gesungen. Also habe ich meine Uroma gefragt, wer denn dieser Papst sei.“

Das Wort für „Papst“ ähnelt in seiner Heimatsprache Yasa sehr dem Wort für „Papa“. Also versuchte die Urgroßmutter zu erklären, dass der Papst zwar ein Mensch wie Erics Vater sei, aber doch etwas anders, eben sehr wichtig für die katholische Kirche. Bei dem Siebenjährigen blieb trotz vieler Erklärungen „immer noch ein Fragezeichen, ja, etwas fehlte noch“ zum Verständnis dieser Person, erinnert er sich.

Klären sollte sich dies dann zehn Jahre später, als der Jugendliche Eric, der sich sehr in der Gemeinde engagierte, ausgewählt wurde, mit einigen anderen als Vertreter des Erzbistums Duala nach Yaounde, die Hauptstadt Kameruns, zu reisen und eine Audienz beim Heiligen Vater zu haben. „Ich war...“, beginnt er und scheint auch mit den Händen nach einer Antwort zu suchen.

Doch bis heute fehlen ihm die Worte, um dieses Gefühl wirklich in Worte zu fassen. „Ich war so überwältigt, dass ich von all dem, was der Papst gesagt hat, fast nichts gehört habe. Nur ein Satz ist mir in Erinnerung geblieben: ‚Junge Leute aus Kamerun, Afrika und aller Welt, ihr dürft nicht am Rand der Kirche bleiben, denn ihr seid die Kirche!‘ Das ist bis heute mein Lebensprogramm.“

Derzeit ist der frischgebackene Pastoralreferent noch in zweimonatiger Elternzeit und genießt die Zeit mit Tochter Madleine Malya. Dass weder die Ausbildung noch das Elternsein immer entspannt verlaufen, merkt er auch an der weniger gewordenen Zeit für seine Hobbys.

„Ich spiele gerne Fußball und Badminton und gehe gerne schwimmen, aber nur wenn dafür Zeit ist. Das möchte ich dann ab nächstem Jahr wieder versuchen.“ Sein größtes Hobby konnte er jedoch auch bisher stets pflegen: das Kochen. Gerichte aus aller Herren Länder kommen bei der Familie Mehenga auf den Tisch.

„Jesus Christus verbindet. Seine Lehre, sein Evangelium. Genau das will ich bis an den Rand der Gesellschaft und auch in ihre Mitte bringen, weil es mir wichtig ist.“ Mehenga strahlt: „Genau das ist meine große Freude: das Evangelium verkörpern, leben und verkündigen, es im ganzen Leben und im Alltag präsent zu haben.“ Und wenn er dies mit voller Inbrust sagt, glaubt man es ihm.

Er wirkt nicht wie ein weltfremder Gelehrter, der nur über so etwas theoretisieren kann. Er hat im ersten Jahr seiner Ausbildung, das er an der Realschule Geilenkirchen verbracht hat, viel mit jungen Menschen arbeiten können. Er konnte tun, was ihm wichtig ist und hat gelernt, wie man auf Jugendliche zugehen und mit ihnen reden muss, um über die Welt und eben auch Gott ins Gespräch zu kommen.

Ältere werden vernachlässigt

Für ebenso wichtig hält Mehenga jedoch auch eine andere Gruppe: die älteren Menschen. Er glaubt, sie würden oft vernachlässigt, doch es sei wichtig, eine Brücke vor allem zwischen ihnen und der Jugend zu bauen, „da die älteren Menschen viele Erfahrungen gesammelt haben, die weitergegeben werden müssen“. Diese Bindung der Generationen helfe auch, den Bruch in der Struktur der Familie und der Gesellschaft zu mindern, unter dem die Kirche in Europa heute schon leide.

Bei all dem will Eric Mehenga in Geilenkirchen und später in Hückelhoven mit den Füßen auf dem Boden und unbedingt „authentisch bleiben, die Menschen verstehen, auf sie zugehen, verstehen, wie sie ticken, und erkennen, wie sie die Welt sehen“. Dank des herzlichen Lachens und seiner offenen Art wird er dabei sicherlich keine Probleme haben.

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