Polythex: So lange es stinkt gibt es keine Baugenehmigung

Von: Jan Mönch
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Als dieses Foto entstand, wehte der Wind in Richtung Osten. Es war ein guter Tag für die Anwohner von Kettelerstraße und Im Kauert. Foto: Mönch

Übach-Palenberg. Aufgrund der anhaltenden Geruchsbelästigung durch die Firma Polythex soll geprüft werden, inwieweit rechtliche Schritte gegen das Unternehmen Aussicht auf Erfolg verprechen. Hierzu soll ein Fachanwalt hinzugezogen werden. Dies ist das Kernergebnis eines Treffens von Übach-Palenbergern, das bereits Anfang dieser Woche im „Postwagen“ stattgefunden hat.

Die Anwesenden beklagten außerdem die aus ihrer Sicht verbesserungswürdige Rolle von Rat und Verwaltung, die zwar nicht zuständig seien, von denen man sich aber zumindest eine stärkere moralische Unterstützung wünsche. Für zu niedrig befand man außerdem die bislang verhängten und angedrohten Zwangsgelder von 10.000 beziehungsweise 20.000 Euro durch den Kreis Heinsberg.

Besonders groß war die Gruppe nicht, 17 Teilnehmer erschienen, darunter die Stadtverordneten Johannes Nievelstein (CDU) und Frank Kozian (Grüne). 17 Teilnehmer sind wenig angesichts des Verdrusses, den der Kunststoffverarbeiter an der Friedrich-Ebert-Straße nach wie vor auf sich zieht. Offenbar hatte es eine Panne bei der Bekanntgabe des Treffens gegeben.

Wie viele Personen es tatsächlich sind, die sich für das Thema zumindest interessieren, lässt sich wohl eher an der Größe der Facebook-Gruppe „Übach-Palenberg hat die Nase voll“ ablesen, in der sich knapp 400 Nutzer zusammengefunden haben.

Eintragen in Echtzeit

Gründer der Gruppe ist der IT-Unternehmer Timo Beyel, der auch hinter dem gleichnamigen Internetportal steht, wo in Echtzeit auf einer Landkarte eingetragen werden kann, wenn es und wem es – mal wieder – stinkt. Und das tut es nach wie vor allzu oft, trotz schärfer werdenden Tons von Behördenseite und trotz anderslautender Versprechungen von Firmeninhaber Stefan Nickolai.

Timo Beyel zählt sich selbst zu den Betroffenen, er ist Hausbesitzer in der Straße Im Kauert, 2008 hat er gebaut. „Damals bestand das Problem noch nicht“, sagt er. Beyel klingt ähnlich wie die Anwohner, die in den vergangenen Jahren Wortführer waren, wenn der Wind an der Friedrich-Ebert-Straße mal wieder ungünstig stand, er spricht von Beeinträchtigungen der Lebensqualität und dem zumindest möglichen Wertverlust seines Grundstücks, jeder in Übach-Palenberg kennt diese Sätze, und sie werden nicht verstummen, bis das Problem gelöst ist, endlich, irgendwann mal.

Beyel fehlt das Verständnis dafür, dass Polythex-Inhaber Stefan Nickolai einerseits stets beteuert, die Auflagen problemlos erfüllen zu können, dass andererseits aber keine entsprechenden Taten folgen. Und das Argument, die freigesetzten Stoffe könnten ja nicht gefährlich sein, schließlich werde das hergestellte Material unter anderem zum Verpacken von Lebensmitteln verwendet, hat allenfalls dazu beigetragen, dass Beyel sich nicht ernstgenommen fühlt. „Wir können ja mal in meiner Garage einen Haufen Joghurtbecher verbrennen“, sagt er. Das sei ganz sicher nicht gut für die Gesundheit, einerlei ob vorher Lebensmittel drin waren.

Neu ist, wie Beyel an die Sache herangeht, nämlich auf dem digitalen Wege. Er hat die Internetseite so gut es geht davor geschützt, dass mit ihr Schindluder getrieben wird, so kann von der gleichen IP-Adresse aus beispielsweise nur in bestimmten zeitlichen Abständen Gestank vermerkt werden.

Auch ist die Seite an ein Wetterportal gekoppelt: Kommt ein Eintrag rein, der aufgrund der gemeldeten Windrichtung nicht den Tatsachen entsprechen kann, dann wird er gelöscht. Im Gespräch mit Beyel wird deutlich, dass er das hochemotionale Thema so sachlich wie möglich halten möchte, „ich will nicht, dass wir so eine Wutbürger-Gruppe werden“, sagt er.

Ein Szenario allerdings gibt es, bei dem auch Timo Beyel zumindest für einen Moment den sachlichen Ton verliert: „Wenn die Baugenehmigung für die neue Niederlassung erteilt wird, ohne dass Polythex die Auflagen des Kreises erfüllt hat, dann werden hier echt die Affen tanzen. Das ist die einzige Drohung, die ich jemals ausstoßen werde.“

Eine Anfrage unserer Zeitung an den Kreis Heinsberg ergibt, dass dieses Szenario zumindest unwahrscheinlich ist. Wichtig sei, dass es hier um zwei voneinander unabhängige Verfahren gehe, erklärt Kreis-Sprecher Ulrich Hollwitz, das eine sei ein ordnungsbehördliches und das andere ein Bauantragsverfahren.

Bevor die Baugenehmigung erteilt wird, werde die Bauaufsicht jedoch die Untere Umweltschutzbehörde zu einer Stellungnahme auffordern. „Angesicht der Geruchsbelästigung am derzeitigen Standort ist davon auszugehen, dass die Bauaufsicht den Empfehlungen der Unteren Umweltschutzbehörde – Fachbereich Immissionsschutz – folgen wird.

Da die Universal Polythex Kunststoffe GmbH plant, einige der derzeit betriebenen Produktionsstraßen auch am neuen Standort zu betreiben, wird sich die Empfehlung der Unteren Umweltschutzbehörde – Fachbereich Immissionsschutz – an der jeweils am Altstandort herrschenden Geruchssituation orientieren.“ Im Klartext dürfte dies bedeuten: Stinkt es weiter, gibt es keine Baugenehmigung. Den Antrag hat Polythex allerdings ohnehin noch gar nicht gestellt.

Stefan Nickolai sagte am Freitag zu unserer Zeitung, dass der Kreis Heinsberg ihm eine Frist bis zum 30. November gesetzt habe, „bis dahin tun wir alles, was wir tun müssen“. Im Übrigen verstehe er nicht, warum ihm im Postwagen mangelnde Kommunikationsbereitschaft vorgeworfen worden sei. Ihn habe nämlich nie jemand angesprochen, auch nicht Timo Beyel. „Ich habe heißen Kaffee da, ich habe Kaltgetränke da, jeder kann mit mir sprechen.“

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