Polythex: Inhaber will endlich in Frieden arbeiten

Von: jpm
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Fühlt sich ungerecht behandelt: Stefan Nickolai, geschäftsführender Gesellschafter von Polythex. Foto: Jan Mönch

Übach-Palenberg. „Und? Stinkt’s?“, fragt Stefan Nickolai, noch während er sich an seinem Schreibtisch niederlässt. Es ist eine rhetorische Frage, der geschäftsführende Polythex-Gesellschafter kennt die Antwort selbst: nein, es stinkt nicht, kein bisschen.

Nicht in Stefan Nickolais Büro, nicht auf den Gängen des Unternehmens. Und vor allem: auch nicht auf den Straßen drumherum, an diesem frühen Dienstagnachmittag jedenfalls nicht.

Plötzlich war er Wahlkampfthema

Stefan Nickolai kennt die Vorwürfe aus seiner Nachbarschaft sehr genau. Zum Jahreswechsel 2000/2001 ist er nach Übach-Palenberg gezogen, vorher saß Polythex in Linnich. Einen zweistelligen Millionenbetrag habe er seitdem in den Standort investiert und 150 unbefristete Arbeitsplätze geschaffen. Nicht den einzigen, aber doch einen gewichtigen Grund für all den Ärger sieht Nickolai im August 2009. Damals war Kommunalwahl, Heiner Weißborn kandidierte als Bürgermeister, und Heiner Weißborn ließ die „Zeitung am Sonntag“ in die Briefkästen werfen, eine Veröffentlichung der SPD. Vermutlich haben nicht viele sich dieses Relikt aus dem vorletzten Wahlkampf aufgehoben, Nickolai wohl. Er greift hinter sich in einen Schrank und klatscht das Blatt auf seinen Schreibtisch. „Polythex – muss das sein?“, ist ein Artikel überschrieben. Darin heißt es, dass die freigesetzten Dämpfe Husten und Augenreizungen hervorriefen, und dass die SPD dagegen etwas unternehmen werde. Nickolai legt Wert auf die Feststellung, nichts gegen die SPD zu haben, im Gegenteil, er selbst komme aus einer Arbeiterfamilie. Die Wurfsendung damals fand er aber reichlich daneben. „Seitdem kämpfe ich gegen Windmühlen“, sagt er heute, fünf Jahre später.

Nun geht es in die Produktionshallen, hier riecht es tatsächlich nicht mehr besonders gut, sondern süßlich und nach Chemie. Es ist, das muss man ganz klar sagen, kein Geruch, den man gern in seiner Wohnung oder seinem Garten hätte. Aber dies hier ist ja schließlich die Produktionshalle.

Nickolai begrüßt seine Mitarbeiter, manche von ihnen, sagt er, sind den Styrol-Dämpfen seit Jahrzehnten ausgesetzt. Täglich. „Ich habe eine Betriebsärztin und die Berufsgenossenschaft im Haus. Würden die mich wohl in Ruhe lassen, wenn hier jemandes Gesundheit gefährdet würde?“

Ihm sei an einer guten Nachbarschaft gelegen, so der Geschäftsmann, und er sei auch weiter auf der Suche nach Verbesserungen. Er halte sich an sämtliche Auflagen und habe sogar darüber hinaus für viel Geld Filter einbauen lassen. Die Produktionsprozesse seien immer dieselben, zu jeder Tages- und Nachtzeit, ob die Anwohner davon etwas mitkriegen, hänge vom Wetter ab, und das könne er nicht beeinflussen. Er glaubt ohnehin, dass die Sache sich verselbstständigt hat. Sogar sein Privatleben müsse schon herhalten. Vor circa anderthalb Jahren nämlich ist Nickolai aus dem Umfeld seiner Fabrik weggezogen, und natürlich behauptet die Bürgerinitiative, dass er selbst den Gestank nicht ausgehalten habe. Dabei gebe es dafür ausschließlich persönliche Gründe. Nickolai hat Zweifel daran, dass irgendwann eine Übereinkunft getroffen wird. „Die wollen doch nur noch, dass die Firma auch noch wegzieht“, sagt er.

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