„Plötzlich Pinguin“: Fantasie der Kinder ist in der Realschule gefragt

Von: nika
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Die Geschichte einer Freundschaft: Durch viel Pantomime und Blicke lernen sich der kleine Pinguin, gespielt von Heinrich Heimlich, und ein Junge (Olga Blank) immer besser kennen. Foto: Annika Wunsch

Geilenkirchen. Wie kann man Kindern eine Geschichte ohne Worte erzählen? Fithe, das Figurentheater der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgien, hat den Versuch mit Erfolg gewagt. In „Plötzlich Pinguin“, aufgeführt in der Realschule Geilenkichen, fallen nur wenige Worte; kaum zehn Begriffe werden vorgelesen.

Um die Geschichte um einen Jungen, einen Pinguin und ihre Freundschaft dennoch zu erzählen, hat die Gruppe aus Eupen zahlreiche Möglichkeiten des Erzählens im Kindertheater ausgeschöpft.

Während die Hauptfigur, ein kleiner Pinguin, von Puppenspieler Heinrich Heimlich geführt wird, steht ihm mit Olga Blank als Junge eine reale Schauspielerin gegenüber. Für Szenenwechsel hat die Bühnenbildnerin Sandrine Calmant Bilder von Straßen, Ozeanen und dem ewigen Eis gemalt, über die die Hauptfiguren als Schattenfiguren von einem Ort zum anderen reisen. Der Rest der Handlung spielt nur im Zimmer des Jungen, das zu neuen Orten umgebaut wird.

Da wird von den Kindern viel Fantasie gefordert, wenn plötzlich der Frühstückstisch zur Ladentheke und das Bett zum Boot wird. Auch Musik spielt in der Inszenierung unter der Regie von Martin Politowski eine große Rolle. Christian Klinkenberg komponierte sie eigens für das Stück. Zusätzlich werden von Techniker Jens Kayser Geräusche als erzählerische Mittel eingesetzt. Da gibt es dann auch lautstarke Diskussionen im Publikum, ob das gerade ein Motorrad war oder doch ein Flugzeug.

Hin und Her erzeugt Komik

Wie viel Abwechslung das Stück auch zu bieten hat, am aufmerksamsten sind die jungen Zuschauer in den Momenten, wenn Schauspiel auf Puppenspiel trifft. Die überzeichnenden Pantomime und die Mimik von Olga Blank stehen im Gegensatz zum Pinguin, der nur ab und zu mit den Flügeln winkt. Im Hin und Her zwischen den beiden Figuren, wer die Bettdecke bekommt und wem der Fotoapparat gehört, entsteht schon fast slapstick-artige Komik.

Woher der kleine Pinguin kommt, der eines Morgens plötzlich vor der Tür steht, weiß niemand. Man weiß nur, dass er sich in das Leben des Jungen hereindrängt und dieser zunächst eher weniger begeistert ist. Also fasst der Junge den Plan, das Tier persönlich zum Südpol zu bringen, denn von dort muss der kleine Gast ja kommen. Angekommen am Ziel, ist der Abschied dann doch schwerer als gedacht.

Geschichten von ungewöhnlichen Freundschaften gibt es viele. Trotzdem hat sich das Figurentheater Fithe als Vorlage für ihr Stück „Lost and found“ von Oliver Jeffers ausgesucht, ein britisches Kinderbuch, das in Deutschland noch unbekannt ist. Für Heinrich Heimlich, dem künstlerischen Leiter, ist es besonders wichtig die langsame Entwicklung der Freundschaft darzustellen, wie „der Junge den Pinguin Stück für Stück annimmt.“

Dies stehe für viele Situationen, denen Kinder im realen Leben begegnen, betont Heimlich und bezieht die Akzeptanz von neuen Menschen auf aktuelle Themen wie die Ankunft von Flüchtlingskindern. Auch hier müssten Kinder lernen, neue Freunde in ihr Leben zu lassen, die von weit her kommen und nicht die gleiche Sprache sprechen. Erste Aufführungen vor gemischtsprachigem Publikum habe es bereits mit viel Erfolg gegeben, so Heimlich. Freundschaft kommt eben auch ohne viele Worte aus.

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